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Das Handwerk ist wichtig und störend

Woche: 
21
Jahr: 
2011
Rubrik: 
Diverses, Design/Gestaltung

 

Nachgefragt bei: Jörg Boner

Der Designer (* 1968 in Uster, Zürich) absolvierte eine Schreinerlehre und besuchte später die Fachklasse für Innenarchitektur, Bau- und Produktgestaltung an der HFG in Basel. Boner war Mitbegründer der Designgruppe N2, die 1996 erste Möbelprototypen an der Internationalen Möbelmesse in Mailand vorstellte. 2001 eröffnete er sein eigenes Büro für Produktdesign in Zürich und beschäftigt inzwischen zwei Produktdesigner. Boner ist für internationale Firmen wie Wogg, Nils Holger Moormann, Louis Poulsen, Nestlé und EWO tätig. Seit 2002 lehrt er an der anerkannten Designschule ECAL (École cantonale d’art Lausanne) Produktdesign.

 

Die SchreinerZeitung: Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?

Jörg Boner: «Möglichst früh am Morgen, ohne Frühstück in meinem Atelier, im Sommer bei offenem Fenster. Das ist für mich die beste Zeit des Tages. Meine Gedanken sind noch geordnet und ich kann effizient arbeiten.»

Was inspiriert Sie?

«Meine Inspiration kommt aus dem Leben, vor allem aus der Arbeit selbst. Ich diskutiere sehr viel mit meinen Mitarbeitern und  mit meinen Kunden. Aus dem Dialog entsteht Entwicklung. Inspiration ist nicht etwas, das man einfach so findet und in Gold verwandeln kann.»

Warum sind Sie Designer geworden?

«Ich habe gelernt, die Dinge gut und in hoher Qualität herzustellen. Aber es ist nicht nur wichtig, dass etwas gut gemacht ist, sondern auch, dass es in der Form gut gedacht ist. Dabei geht es um Schönheit. Schönheit ist vergänglich und darum umso faszinierender für mich. Design interessiert mich, weil es keine fixe Grösse ist. Es verändert sich laufend – mit der Zeit und mit der Gesellschaft.»

Welche Rolle spielt das Handwerk für die Gestaltung?

«Das Handwerk ist sehr wichtig und gleichzeitig enorm störend. Eigentlich etwas paradox. Ich bin froh, dass ich vom Handwerk her komme und kann vieles von diesem Wissen immer wieder gut gebrauchen. Aber es kann auch hinderlich sein. Gutes Handwerk ist die Verfeinerung traditioneller Tech-niken. Im Entwurf spielt die Tradition zwar eine Rolle, aber nicht die einzige. Denn im Design muss es immer möglich sein, die Dinge neu zu sehen. Und das Neue ist manchmal der Gegenspieler des Handwerks. Gestaltung ist eine gute Mischung aus beiden Polen.»

Welche gestalterische Leistung berührt sie und warum?

«Sehr viele. Besonders gern mag ich jene, Objekte, die ich zwei-, dreimal anschauen muss, bevor sie mir gefallen, so wie ich ein gutes Musikstück mehrmals hören muss. Der Designer Enzo Mari sagte einmal, dass man eine gestalterische Leistung erst nach 25 Jahren beurteilen könne. Aus diesem Blickwinkel gefallen mir die Arbeiten von Achille Castiglioni, Kurt Thut und Andreas Christen besonders gut.»

Was macht einen Gestalter erfolgreich?

«Wenn man das so einfach sagen könnte, dann wäre ja der ganze Zauber weg. Ich glaube, die allgemein gültige Formel gibt es nicht. Zum Glück.»

Was möchten Sie auf jeden Fall noch entwerfen?

«Etwas sehr Kleines würde mich besonders interessieren. Der Massstab von Dingen
ist immer wieder eine grosse Herausforderung.» mz

 

Monats Serie

Designer zu verstehen ist nicht immer einfach: Was bewegt und was inspiriert sie? In dieser Serie stellt die SchreinerZeitung Fragen, jeden Monat antwortet ein Designer. 

Aktuelle Ausgabe:

Jörg Boner

Juni 2011: 

Heinz Baumann 

Juli 2011: 

Ramon Zangger

 

 

 

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