Drucken

Das Wagnis lohnt sich

Woche: 
17
Jahr: 
2014
Rubrik: 
Wirtschaft

Geschäftsidee.  Christian Rupper erkannte schon in der Schreinerlehre, dass er gern selbständig arbeiten möchte. Als angestellter Monteur verlor er schnell die Freude an der Arbeit. Im zweiten Anlauf konnte er seinen Traum vom Schreinermonteur endlich verwirklichen.

Schreinerzeitung: Christian Rupper, wann kam Ihnen erstmals der Gedanke, sich selbständig zu machen?

Christian Rupper: Ich wusste bereits in der Lehre, dass ich gern eigenverantwortlich arbeiten möchte. Ich wollte Freude an der selbständigen Arbeit haben und die stellt sich bei mir erst ein, wenn ich gute Qualität abliefern kann. Doch angesichts von steigendem Zeitdruck auf der Montage und altem oder schlecht gewartetem Werkzeug war ich mit den Ergebnissen immer weniger zufrieden. Mit 25 Jahren, ich konnte inzwischen Berufserfahrung sammeln, wagte ich das Risiko.

Wie sah Ihr Geschäftsmodell aus?

Das war denkbar einfach. Ich suchte nach einer rentablen Arbeitsweise in der Montage. Daran knüpfte sich die Frage, wie ich an zusätzliches Personal komme, denn nicht jede Baustelle lässt sich allein bewältigen. So entstand die Idee einer Internetplattform für freischaffende Schreinermonteure, welche ihre Tätigkeiten anbieten und bei Bedarf zusammenspannen. Der Auftritt sollte also auch geeignete Fachkräfte vermitteln. Ich konnte eine kleine Gruppe bekannter Monteure mit unterschiedlichen Stärken dafür gewinnen, aber das Projekt scheiterte trotzdem.

Warum kam der Webaufritt nicht zustande?

Das erste Angebot von einem Webentwickler lag bei 16 000 Franken für einen komplizierten Auftritt. Das erschien uns zu teuer und zu aufwendig. Das Angebot eines Studenten für 12 000 Franken erschien uns machbar. Leider hat er aber nach der Anzahlung von 6000 Franken nie etwas abgeliefert. Das war ernüchternd für alle Beteiligten. Diese sprangen nach und nach ab, vielen war die Lust abhandengekommen, bei laufender Arbeit noch Energie in ein ungewisses Projekt zu investieren.

Hat Sie das nicht abgeschreckt?

Doch, aber ich wollte nicht so einfach aufgeben. Ich sah keine andere berufliche Alternative für mich. So musste ich mit der existenziellen Angst leben, denn es war damals unklar, ob ich genügend Aufträge bekomme würde. Ausserdem dachte ich lange Zeit: «Du kannst es nicht allein.» Denn so schwere Teile wie beispielsweise eine Haustür zu montieren, kann eine Person aus Gewichtsgründen nicht bewältigen.

Haben Sie eine Lösung für das Problem gefunden?

Ich kenne heute genügend Hilfskräfte persönlich, die ich bei Bedarf anfragen kann. Ausserdem arbeite ich je nach Baustelle mit verschiedenen Spezialisten zusammen. Also, wenn ich in einer Privatwohnung für die Böden zuständig bin, dann erledige ich diese Arbeit zum Beispiel mit einem Belagsspezialisten, der sein Know-how im Bereich Linoleum oder bei Teppichen einfliessen lässt.

Und wie kam es schliesslich zu Ihrem Ein-Mann-Betrieb?

Ich baute mir, quasi gezwungenermassen, selbst eine Website. Da dies ein Hobby von mir ist, konnte ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Und die selbständige Wartung hat den Vorteil, dass ich jederzeit Änderungen – zum Beispiel in der Angebotspalette – vornehmen kann. Ein weiterer Pluspunkt war, dass ich bereits früher in Montagebetrieben arbeitete und mich viele Kunden kannten. Ausserdem war meine Onlinewerbung über Google sehr erfolgreich. Dort erhielt ich binnen kürzester Zeit Anfragen, während Anzeigen in Lokalzeitungen keine Resonanz zur Folge hatten.

Wer sind Ihre Kunden?

Ich arbeite am liebsten für Privatkunden, da ich deren Auftragsgrösse in der Regel gut bewältigen kann. Grössere Aufträge ergeben sich, wenn ein selbständiger Monteur und ich Zeit und Interesse haben. Von Januar bis März ist das Auftragsvolumen oft knapp. Arbeiten, die nicht dringend sind, verschiebe ich deshalb gern auf diese Zeit. Und generell arbeite ich nur mit Kollegen zusammen, deren Stärken ich kenne und die ich deshalb gut einsetzen kann.

Vermitteln Sie auch Arbeit an Berufskollegen?

Aufträge, die ich nicht bewältigen kann, gebe ich an qualifizierte Schreinermonteure weiter, die ich persönlich kenne. Diese sind meist freischaffend und rechnen selber ab. Ich kann meine Hand für ihre qualitativ gute Arbeit ins Feuer legen. Das ist wichtig, denn schlechte Arbeit würde auch meinen Ruf schädigen. Wenn ein Auftrag zu gross ist, lehne ich ihn in der Regel ab, da mir Garantieleistung und Qualität sehr wichtig sind.

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Betriebs?

Ich kann sehr schnell reagieren, wenn es sich um kleinere Arbeiten handelt. Da ich direkt Aufträge annehme und bearbeite, braucht es keinen langen Organisationsweg. Das spart Zeit und Geld. Für mich ist es das Wichtigste, flexibel zu sein. Und ich lege Wert auf eine kundenspezifische Beratung.

Wie war Ihre Auftragslage zu Beginn?

Mein Start darf als direkt und erfolgreich bezeichnet werden. Aufträge mussten stellenweise abgelehnt werden, weil ich nicht mehr zur Ruhe kam. Deshalb beschäftigte ich zeitweise auch Angestellte. Aber ich bin nicht der geborene Chef und mag nicht für Reklamationen geradestehen müssen, die ich nicht verursacht habe. Mein Ziel ist es, dass jemand eigenverantwortlich und zuverlässig arbeitet.

Brauchen Sie eine eigene Werkstatt?

Ich habe ein Lager in Frauenfeld gemietet, in dem Handmaschinen, Leitern und ein Rollgerüst stehen. Ich habe mich gegen eine Werkstatt entschieden und kann so die Fixkosten tief halten. Es gibt genug Schreinerspezialisten, wie Riwag für Türen und Eurostaro für Schränke. Ich besetze eine andere Nische. Für bestimmte Tätigkeiten habe ich mir ein Netzwerk geschaffen. Das heisst, wenn ich für den Holzzuschnitt eine Plattenzuschneidemaschine brauche, dann kann ich diesen bei Holzwerkstoffe Frauenfeld AG ausführen. Ich beziehe dort viel Material. Beim Einkauf bietet sich mir die Möglichkeit einer halbstündigen kostenlosen Nutzung. Die Platten werden mir sogar an die Maschine geliefert. Und wohl kaum eine Schreinerei hat ein solch grosses Lager zur Verfügung.

Also mussten Sie sich nicht verschulden?

Viele Werkzeuge wie digitale Wasserwaage und Laser habe ich mir während der Lehrzeit und als angestellter Monteur zugelegt. Mit den Jahren vergrösserte sich mein «Maschinenpark» bis ich etwa die Hälfte zusammen hatte. Den Rest finanzierte ich über einen Kredit bei meiner Hausbank, was problemlos möglich war.

Wie stabil ist Ihre Auftragslage?

Ich habe seit zwei Jahren eher zu viel als zu wenig Arbeit. Ich lebe von der persönlichen Werbung, der sogenannten Mund-zu-Mund-Propaganda. Falls sich die Auftragslage verschlechtern sollte, dann würde ich wieder eine Anzeige bei Google schalten. Meine Frau arbeitet ausserdem in Teilzeit. Zu unserer Familie zählt auch noch ihr Sohn. Wir unterstützen uns gemeinsam und kommen finanziell gut zurecht.

Würden Sie den Schritt wieder wagen?

Ja. Zuletzt war ich bei Avanti Möbel angestellt, einer Tochter von Möbel Pfister. Diese Arbeit war mir viel zu weit weg vom eigentlichen Schreinerberuf und ich wollte auf jeden Fall dabei bleiben. Die Selbständigkeit ist mit grösserer Herausforderung verknüpft, aber sie bietet mir auch mehr Glücksmomente.

Ein-Mann-Betrieb

Persönliche Werbung entscheidet

Christian Rupper erfüllte sich 2006 seinen Berufswunsch und machte sich als Schreinermonteur selbständig. Bereits in der Lehre war er unzufrieden mit dem hohen Zeitdruck bei der Arbeit. Saubere Qualität abzuliefern, wurde immer schwieriger. Seine erste Geschäftsidee scheiterte, doch er liess sich nicht abschrecken. Mit 25 Jahren gelang dann der lang gehegte Einstieg. Dafür braucht es neben einem aussagekräftigen Internetauftritt auch einen guten Maschinenpark, ein funktionierendes Netzwerk und vor allem Mut zum Risiko.

Wider Erwarten blieb die anfängliche Durststrecke aus und er durfte direkt mit der Montage beginnen. Er lebt vor allem von der Mund-zu-Mund-Propaganda. Inzwischen erfreut er sich einer stabilen Auftragslage und will die Herausforderung seiner Tätigkeit nicht mehr missen, obwohl es eine dauerhafte Garantie für Beschäftigung nicht gibt.

www.schreiner-monteur.ch

MZ

Suche