In der Schreinerbranche ist die Anzahl FSC-zertifizierter Betriebe klein. Wir können nachvollziehen, dass für gewerbliche Kleinbetriebe der persönliche Kundenkontakt und die Qualität ihrer Dienstleistung die wichtigsten Faktoren sind, die über ihren Erfolg entscheiden. Und der Aufwand für die FSC-Zertifizierung stellt für kleinere Betriebe oft eine relativ höhere Hürde dar als für grössere.
Umso weniger können wir nachvollziehen, dass gerade im Verbandsorgan des VSSM eine derartige Breitseite in Richtung FSC abgefeuert wurde. Wenn es darum gehen sollte, das kleine Branchenengagement für FSC zu rechtfertigen, dann wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Es gibt wie oben gezeigt triftige Gründe, warum FSC für Schreinereien nicht zuoberst auf der Prioritätenliste steht. Und es fordert ja auch niemand ultimativ, das müsse sich ändern, selbst wenn wir es natürlich begrüssen würden, wenn FSC in den Schreinereien mehr Fuss fassen würde.
Der FSC ist kein intransparenter Moloch, sondern eine von seinen Mitgliedern geprägte Organisation. Es sind Vertreter aus Wald- und Holzwirtschaft sowie Handel, Natur- und Umweltschutzkreise und die Sozialpartner der Wald- und Holzwirtschaft, welche die Marschrichtung bestimmen. Der FSC ist denn auch kein dunkelgrünes Waldschutzlabel, sondern ein Wald-
wirtschaftslabel, das weltweit Standards für eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft setzt. Dies immer unter Einhaltung seiner übergeordneten Grundsätze und Kriterien. FSC will im Markt eine wichtige Orientierungshilfe für Holz- und Holzprodukte sein. Es ist aber legitim, dass auch andere Merkmale in den Kaufentscheid einfliessen, wie etwa die Holzherkunft.
Die FSC-Zertifizierung ist ein freiwilliger Akt, der auch einer Kosten-Nutzen-Analyse standhalten muss. Kein Waldeigentümer, kein Holzverarbeiter wird dazu gezwungen, diesen Aufwand auf sich zu nehmen. Hier steht der FSC voll im Markt und auch in Konkurrenz zu anderen Zertifizierungssystemen.
Das wichtigste Kapital des FSC ist seine Glaubwürdigkeit. Um diese hochzuhalten, sind auch Vorschriften nötig, die vielleicht übertrieben erscheinen. Eines der wichtigsten Versprechen ist, dass auch FSC drin ist, wo FSC draufsteht. Ein solches Versprechen kann nur abgeben, wer die Warenflusskette im Griff hat. Das kann beispielsweise heissen, beim Holztransport Chargen nicht zu vermischen. Wahrscheinlich ist das in der Schweiz eine grössere logistische und finanzielle Herausforderung als anderswo, wo es grössere zertifizierte Einheiten gibt. Aber ein weltweites System kann es nicht zulassen, Regeln auf Grund spezieller Schweizer Verhältnisse willkürlich aufzuweichen, selbst wenn das der Verbreitung von FSC-Grenzen setzen und Kritik hervorrufen sollte.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zum Vorwurf, der FSC sei Türöffner für die Bewirtschaftung von Tropenwäldern. Das hat vielleicht tatsächlich etwas für sich. Aber wenigstens ist der FSC Türöffner für eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung dieser Wälder. Oft heisst die Alternative illegaler Holzschlag und Raubbau. FSC sorgt für die Einhaltung des FSC-Waldstandards, für Legalität und für unabhängige externe Kontrollen. Und ist es nicht anmassend, aus unserer mitteleuropäischen Warte den tropischen Ländern das Recht auf die Waldbewirtschaftung, den Holzexport und die entsprechende Wertschöpfung abzusprechen?
Roland Furrer, Geschäftsführer FSC Schweiz

