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Nachhaltige Nutzung ist der beste Schutz

Woche: 
33
Jahr: 
2011
Rubrik: 
Holzpolitik, Holzindustrie

Interview. Peter Egler gibt im Gespräch Auskunft über die Haltung der Schweiz zum Schutz des Tropenwaldes. Der Fachmann bekennt sich zur nachhaltigen Nutzung und betont auch die Notwendigkeit, indigene und lokale Bevölkerungsgruppen mit einzubeziehen.

 

 

Die SchreinerZeitung: Die Internationale Tropenholzorganisation (ITTO) hat gerade einen 420 Seiten starken Bericht zum Tropenwald vorgelegt. Das Seco unterstützt die ITTO finanziell. Warum? 

Hans-peter Egler: Die ITTO ist die Organisation für den Rohstoff Tropenholz. Es gibt aber auch für andere Rohstoffe wie Kaffee, Kakao, Baumwolle, Zucker oder Weizen solche Organisationen. Die meisten unterstehen der Uno. Das Interessante an diesen -Organisationen ist, dass es die einzigen Foren sind, wo Produzenten- und Konsumentenländer gezielt Informationen über Produktion und Konsum der Rohstoffe austauschen. Sie sitzen gemeinsam an einem Tisch, um Lösungen zu erarbeiten im Hinblick auf einen nachhaltigen Güteraustausch. Es geht dabei um Handelsfragen, die man nicht einseitig lösen kann. Hauptziel der ITTO ist die Förderung eines Handels mit Tropenholz aus nachhaltiger Bewirtschaftung. Ihr Wirken vor Ort ist wichtig für eine nachhaltige Entwicklung, einen Weg, den wir alle anstreben. Dies steht im Gegensatz zu einem Bann für Tropenholz, der zu einem Wertverlust des Waldes und nicht zu seinem Schutz beitragen würde. Das ist der Hauptgrund. Wir möchten den Handel mit Tropenholz aus nachhaltiger Bewirtschaftung fördern. 

Der Bericht sagt, dass weniger als 10% der gesamten Tropenwaldfläche nachhaltig bewirtschaftet wird. Aber 24% der Fläche haben einen Managementplan der ITTO. Das ist nicht gerade effizient. 

Das ist eigentlich recht viel. Aber wir stehen immer noch am Anfang eines Prozesses. Der erste Schritt in einem Land ist die Verabschiedung eines nachhaltigen Managementplans durch die jeweilige Regierung. Und dann muss man diesen Plan natürlich auch umsetzen. 

Soll das heissen, dass es sich nur um eine zeitliche Diskrepanz zwischen den beiden Zahlen handelt? 

Ja, es braucht natürlich eine Anpassungszeit, bis die Massnahmen nach den gemeinsam definierten Standards umgesetzt sind. Da müssen Strukturen aufgebaut, die Einhaltung der Standards überprüft und auch die Ausbildung der beteiligten Personen sichergestellt werden. Und es braucht auf der anderen Seite diejenigen Personen als Einkäufer und Konsumenten, die genauso verantwortungsvoll handeln. Die Aussage des Berichtes sehe ich eher so, dass wir weitermachen müssen. Wir sind auf einem guten Weg, aber es reicht noch lange nicht. 

Diese 24% der Tropenwaldfläche tragen aber keine Zertifikate?

Nein, die ITTO zertifiziert nicht. Es geht bei der Arbeit der ITTO um Hilfe für die Behörden in den Entwicklungsländern hin zur Erarbeitung von solchen nachhaltigen Managementplänen.

Kontrolliert die ITTO die Einhaltung der Pläne?

Nein, die Einhaltung kann man nie in der gleichen Art überprüfen, wie dies bei einer Zertifizierung durch Dritte – etwa beim FSC-Zertifikat – der Fall ist. 

Die Fläche mit Nachhaltigkeitsplänen durch die ITTO liegt beim Zehnfachen der FSC-Fläche in den Tropen. Das wäre eine ganz andere Hebelwirkung. Bräuchte es dort nicht auch ein -Zertifikat? 

Nein, dies ergäbe ein Durcheinander. Beim Erarbeiten der Nachhaltigkeitspläne geht es darum, den Behörden eine Basis zu geben. Die Konzessionsnehmer können darauf aufbauend ihre Konzessionsgebiete zertifizieren lassen. 

Laut UNECE schreitet die Waldvernichtung in den Tropen voran. Die Holzproduktion dagegen bleibt laut ITTO im langjährigen Mittel betrachtet etwa gleich. Was folgern Sie daraus? 

Entwaldung ist ein komplexer Prozess, der nicht ausschliesslich und sicherlich nicht grundsätzlich wegen der Holznutzung stattfindet. Landnutzungsänderungen werden durch kommerzielle Landwirtschaft (Pflanzenanbau und Viehzucht) oder Kleinackerbau verursacht. Ausserdem sind auch gros-se Infrastrukturprojekte für einen grossen Teil der Entwaldung in Tropenländern verantwortlich. In den letzten fünf bis zehn Jahren sind viele Untersuchungen über die Ursachen der Entwaldung in Tropenländern durchgeführt worden. Die Resultate zeigen, dass die Holznutzung nur in spezifischen Gegenden ein wichtiger Faktor ist. Dies zeigt auch eine Studie des UNFCCC-Sekretariats. Sie belegt, dass nur etwa 15% der Entwaldung in Entwicklungsländern direkt auf kommerzielle Holzproduktion (legale und illegale) zurückzuführen ist.

Sie schreiben, dass der Schutz für die tropischen Wälder gesteigert werden muss, sonst droht weiterer Verlust. Wie sieht der beste Weg dazu aus? 

Grundsätzlich ist die nachhaltige Nutzung der Wälder ihr bester Schutzmechanismus, denn dadurch erhalten die Tropenwälder mehr Wert. Die Frage ist, wie wir die nachhaltige Bewirtschaftung besser durchsetzen können, welche Rahmenbedingungen es dazu braucht und auch, ob eine nachhaltige Nutzung von mehr nicht-hölzigen Produkten aus dem Wald diesen dauerhaft -erhalten. Das können tierische Produkte, Arzneipflanzen oder Biokosmetika sein. In Frage kommen auch Dienstleistungen wie der Öko-Tourismus, die durchaus positiv auf die Walderhaltung wirken können. Aber dazu braucht es zusätzliche Anstrengungen, positive Rahmenbedinungen, entsprechendes Know-how und Kreditzugang. Die zentrale Frage lautet: Wie kann der Wert des Waldes auch für die lokale Bevölkerung gesteigert werden? Ein Patentrezept gibt es dazu nicht. Es fehlen nach wie vor allgemein verbindliche Rahmenbedingungen, die das Ganze in die richtige Richtung lenken würden. Wenn ein entsprechender Mechanismus in der Klimakonvention sowie klare Umsetzungsmodalitäten festgelegt und/oder das Nagoya-Protokoll der Biodiversitätskonvention ratifiziert und implementiert würden, sähe die Lage besser aus. Gleichwohl geschieht auf Basis der Freiwilligkeit durchaus einiges, auf dem wir aufbauen können. 

Sehen Sie es als geeignetes Mittel an, den Wald unter Schutz zu stellen?

Das birgt sehr viele Herausforderungen, vor allem hinsichtlich der Kontrolle. Denken Sie nur an die weiten Flächen in Afrika, dazu bräuchte es eine entsprechende Infrastruktur, Technik und das nötige Personal. Das verursacht hohe Kosten. Wer soll sie in Staaten tragen, die über ein sehr begrenztes Budget verfügen? Zudem sind in diesen Ländern die sozialen und politischen Umstände fragil. 

Und dann müssen wir uns fragen, was die lokale Bevölkerung davon hat. Die Zerstörung der Tropenwälder basiert zu einem grossen Teil auch auf der Not der lokalen Bevölkerung. Nicht allein der Holzhandel sowie die Landumnutzung sind die Ursachen dafür, dass der Tropenwald zerstört wird. Oft ist es die lokale Bevölkerung, die zum Gewinnen ihres Brennholzes der Zerstörung von Wald Vorschub leistet. Deshalb funktioniert die Beziehung für uns anders herum: Tropenholz kann über den Handel einen gewissen Wert haben. Und Ansprüche der nachhaltigen Bewirtschaftung lassen sich über die Einkäufer und Konsumenten in ein Entwicklungsland transportieren. Dies führt dazu, dass die Ressource vor Ort nachhaltiger genutzt werden kann. 

Die Umweltorganisationen sehen die Beziehung umgekehrt. Zuerst kommen die Holzfäller, bauen Strassen, um das Holz abzutransportieren, und dann kommt die Brandrodung. 

Das gibt es, aber es ist – wie vorher er--wähnt – nicht die primäre Ursache der Waldzerstörung.

Fast die Hälfte der Tropenwaldfläche steht unter Schutz, was auch für Pro-bleme sorgt, weil die Bevölkerung vor Ort in ihren Rechten beschnitten wird. Ein Beispiel ist das Engagement des Zürcher Zoos im Süden Madagaskars, wo Menschen dadurch ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden. Wie sehen Sie das?

Das kann ich so nicht beurteilen, weil ich das Beispiel nicht kenne. Es gibt hier aber durchaus Möglichkeiten für ein Zusammenleben. Wir arbeiten auch mit der Gesellschaft für bedrohte Völker zusammen und haben gemeinsam ein Tool erarbeitet, das es ermöglicht, vor Ort mit Konzessionsnehmern und der indigenen Bevölkerung zu einem guten Ergebnis für alle zu kommen. Alle arbeiten dabei zusammen und suchen nach einem gemeinsamen, von allen Beteiligten getragenen Lösungsweg. 

Wir haben da auch unsere Erfahrungen gemacht, etwa bei einem ITTO-Projekt in Bolivien, wo es massive Probleme mit der Urbevölkerung gab, weil diese nicht richtig ins Geschehen integriert war. Mit einem anderen Teil der Bevölkerung aus indigenen Zugewanderten gab es dagegen keine Schwierigkeiten, weil diese Gruppe besser ins Projekt eingebunden wurde. Man muss vor Projektbeginn alle Volksgruppen mitnehmen, sonst können diese auch nicht ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen und zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. 

... also keine gute Aktion vom Zürcher Zoo?

Das kann ich so nicht sagen, aber vielleicht könnten sich die Verantwortlichen mit der Gesellschaft für bedrohte Völker zum Erfahrungsaustausch treffen.

Apropos, auf der Internetseite dieser Gesellschaft findet sich ein anderes -Beispiel. Ein Joint Venture mit Schweizer Beteiligung hat eine ganze Insel von Sri Lanka zum Öko-Tourismus-Gebiet -erklärt. Man hat nur die dort lebenden Menschen nicht gefragt. Denken Naturschützer zu wenig an die Menschen?

Das kann nicht so pauschal gesagt werden. Auch in diesem Beispiel wäre natürlich eine vorgängige und umfassende Situationsabklärung wichtig. Aber vielleicht lassen sich die lokalen Menschen ja noch besser in das Projekt für nachhaltigen Tourismus ein-binden. ch

www.tropenwald.ch

 

Wer ist das?

Das Seco

Das Staatssekretariat für Wirtschaft -(Seco) ist eine Organisationseinheit -innerhalb des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes (EVD). Im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung engagiert sich das Seco seit zwanzig Jahren für den Erhalt sowie die nachhaltige Nutzung der Tropenwälder. 

Die Schweiz ist gemeinsam mit den Niederlanden nach Japan und den USA der drittgrösste Geldgeber für die -Umsetzung von -ITTO-Projekten und damit einer der wichtigsten Partner der -Organisation.

Die ITTO

Die Internationale Tropenholzorganisation (ITTO) basiert auf dem ITTA. -Dabei handelt es sich um ein Abkommen, dem insgesamt 62 Produzenten- und Konsumentenländer angehören. In den ITTO-Mitgliedsländern befinden sich fast 80% des globalen Tropenwaldes. Rund 90% der Tropenholzexporte stammen aus diesen Ländern. 

Neben der Ausarbeitung von Handelspolitiken dient die ITTO als Entwicklungsorganisation. Sie begleitet und unterstützt Projekte in den Bereichen der nachhaltigen Bewirtschaftung von -Tropenwäldern (Wiederaufforstung und Tropenwaldmanagement) sowie die Holzindustrie und den Handel.

 

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