FSC-zertifiziertes Holz bringt nur magere Mehrerlöse. So lautet das wichtigste Ergebnis einer Studie von der Eidgenössischen Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Lediglich 13% der befragten Forstbetriebe gaben an, mit Hilfe des FSC-Labels einen höheren Preis beim Stammholzverkauf erzielen zu können. Beim Industrie- und Energieholz sinkt diese Quote sogar auf 4 bis 5% ab. Entsprechend gehen ebenfalls nur 13% der Forstbetriebe davon aus, dass die Zertifizierung ökonomische Vorteile bringt. Die befragten Forstbetriebe gaben an, dass sie lediglich bei 8,3% des Nadelholzes und sogar nur bei 1,8% des Laubholzes einen Mehrerlös für FSC-Holz erzielen können.
Wertschöpfungskette wenig zertifiziert
Für das schlechte Ergebnis machen die Wissenschaftler vor allem die geringe Nachfrage in der Wertschöpfungskette verantwortlich. Sowohl Sägereien als auch die weiterverarbeitenden Betriebe und deren Kunden seien nicht bereit, Preisaufschläge für entsprechend zertifiziertes Holz zu bezahlen, heisst es in einer Medienmitteilung der WSL.
Mehr als zwei Drittel des in der Schweiz geernteten Holzes stammt aus FSC-zertifizierten Wäldern. Auch bei den Sägereien sind zwei Drittel des verarbeiteten Holzes zertifiziert. Aber 44% der befragten Sägereien verkaufen FSC-zertifiziertes Holz nicht als solches. Und auch die anderen 56% verkaufen durchschnittlich nur 27% ihres FSC-Einschnittes als zertifiziertes Holz weiter. Das liegt aber nicht etwa an Besonderheiten von Exportmärkten. Denn die Studie ergab auch, dass 90% des zertifizierten Holzes aus den befragten Sägereien im Inland verbleiben.
Als Hauptgründe dafür, dass Sägereien FSC-Holz nur zu einem kleinen Teil auch als solches verkaufen, nennen die befragten Sägereien ihrerseits wiederum fehlende Abnehmer, geringe oder keine Preisunterschiede im Verkauf sowie die fehlende Zertifizierung der nachfolgenden Verarbeitungskette. Das wiederum betrifft vor allem Holzbaubetriebe und Schreinereien. Auch FSC Schweiz sieht vor allem im Bausektor Handlungsbedarf. Dem Hinweis in der Studie auf einen zu geringen Bekanntheitsgrad von FSC widerspricht Guido Fuchs, Geschäftsführer von FSC Schweiz. Wie Studien von WWF Schweiz aus dem letzten Jahr zeigen, kennen 55% der Bevölkerung das FSC-Label. Auch sieht Fuchs eine beachtliche Marktpräsenz des Labels. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die grossen Detailhandelsunternehmen bei Haushalts-, Papier-, Bau- und Hobbyprodukten mehrheitlich auf FSC-Produkte setzen. So hat sich auch gezeigt, dass sich die grossen Do-it-yourself-Anbieter von FSC künftig sehr wohl Marktvorteile versprechen. Deshalb wollen sie in Zukunft das Angebot an FSC-Holz weiter ausbauen. Das gilt insbesondere auch für die neuen deutschen Anbieter auf dem Schweizer Markt. Ganz anders im Bausektor: Hier fehlt das FSC-Label bei den angebotenen Produkten weitestgehend. Nicht zuletzt deshalb hat FSC das Instrument der Projektzertifizierung geschaffen, bei der auch nicht FSC-zertifizierte Betriebe in einem Bauprojekt mitwirken können. «Allerdings ist dieses neue Instrument bislang nur wenig vom Fleck gekommen», so Guido Fuchs.
Knackpunkt Bau
Befragt wurden in der aktuellen Studie die FSC-zertifizierten Holzproduzenten sowie Sägereien in der Deutsch- und Westschweiz. Beteiligt haben sich insgesamt 151 Forstbetriebe, die 22% der FSC-zertifizierten Holzmenge produzieren. Seitens der Sägereien waren es 61 der derzeit insgesamt 136 zertifizierten Betriebe. Holzbaubetriebe und Schreinereien wurden nicht befragt. Die Ergebnisse der Studie bestätigen nicht nur, dass wenig des geernteten FSC-Holzes als solches beim Verbraucher ankommt. Die Untersuchung zeigt auch, dass sich seit einer Befragung vor fünf Jahren im Kanton Zürich wenig geändert hat. Schon damals wurde klar, dass angesichts der weitverbreiteten Zertifizierung im Schweizer Wald das FSC-Label beinahe ein Muss für alle jene ist, die auf dem Markt keine Benachteiligung erfahren wollen. An der Situation, dass es in erster Linie nicht um Mehrerlös, sondern um die Vermeidung von Mindererlös geht, hat sich also seitdem kaum etwas geändert.
Laut FSC Schweiz sind derzeit 36 Schreinereien und 12 Holzbaubetriebe FSC-zertifiziert, und «es kommen kaum neue dazu», sagt Guido Fuchs. Das erkärt die grosse Menge zertifizierten Holzes, die schon nach der ersten Bearbeitungsstufe in den Sägereien «verloren» geht. Um das zu ändern, will FSC Schweiz eine Kampagne starten, die Architekten, Planer und Bauhörden für das Thema des zertifizierten Holzes sensibilisieren soll. Denn während die Erfolge im Detailhandel vor allem der Exponiertheit des Handels in der Öffentlichkeit zu verdanken sind, bleibt die Bauwirtschaft relativ zäh aus Sicht der Zertifizierung. «Auch gehen viele Beteiligte davon aus, dass Massivholz für den Einsatz im Bau sowieso aus der Schweiz stammt, was aber nicht unbedingt so sein muss», meint Fuchs.
Nach anderen Zertifizierungen wurde bei der Untersuchung nicht gefragt, auch weil das PEFC-Label in der Schweiz kaum eine Rolle spielt. Doch scheint für die Beteiligten klar: Wenn FSC schon wenig Mehrerlöse bringt, dann dürfte das PEFC-Label kaum einen direkten ökonomischen Mehrwert bieten. ch
Kommentar
Überzeugungstäter gesucht
Die Diskussion über Risiken und Nebenwirkungen von Zertifizierungen wird oft und gerne geführt. Kein Wunder, liegt es doch schon an der inneren Logik eines Zertifikates selbst, dass es Misstrauen weckt. Der Label-
ur-heber misstraut denjenigen, die ihn gerne zur Zertifizierung verpflichten würden, und die Labelempfänger beäugen die heeren Absichten der Zertifikaterfinder. Schliesslich geht es um Geld, viel Geld. Und am Ende soll der Konsument für moralische oder ökologische Selbstverständlichkeiten mehr bezahlen, sogar noch freiwillig? Tatsache ist, dass es den meisten Konsumenten mehr oder weniger egal ist, ob ein Holz das FSC-Label trägt oder nicht. Deshalb sind auch so wenige Schreiner zertifiziert. Das wird auch so lange so bleiben, bis einige führende Unternehmen sich zertifizieren und damit die anderen in eine Situation bringen, dass ein Leidensdruck bei diesen entsteht. Dann -nämlich, wenn sich das angebotene Produkt durch das Label erkennbar unterscheidet. Das Ende vom Lied: Es kann sich kaum einer mehr leisten, das Label nicht zu haben. Aber spätestens dann ist die Möglichkeit zum höheren Preis auch passé. Bis es aber so weit kommt, kann man sich – unter Umständen – mit dem kleinen Unterschied positionieren. Einige tun das und können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, Kunden zu finden, die aus Überzeugung das FSC-Label wollen und bereit sind, dafür auch mehr zu bezahlen. Was beim Tropenholz noch gut funktioniert, gilt nicht im gleichen Masse für den heimischen Wald. Das zeigt ein weiteres Ergebnis der Studie: Nicht einmal jeder zweite Forstbetrieb geht davon aus, dass die Zertifizierung einen positiven Effekt auf die ökologische Bewirtschaftung des Waldes hat. Wenn schon Überzeugungstäter nicht überzeugt sind, kann man es den anderen wohl kaum verdenken. Oder gibt es neben ökologischen noch einen anderen Grund für die Waldzertifizierung in Mitteleuropa?

