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Trotz aller Kritik: Der FSC bewirkt viel Gutes

Woche: 
7
Jahr: 
2012
Rubrik: 
weitere Fachartikel

Fsc.  Unser Beitrag zur FSC-Zertifizierung (SZ-Nr. 2/2012) regt unter der Leserschaft weiterhin zu Diskussionen an. Der Originalbeitrag «Die FSC-Lüge?» kann online unter schreinerzeitung.ch nachgelesen werden.

Zugegeben, der Weltforstrat FSC stand in den vergangenen Monaten wiederholt im Brennpunkt des medialen Interesses. Unabhängige Beobachter bemängelten punktuell das Auftreten ökologischer Missachtungen in FSC-zertifizierten Wäldern. Ist es so, dass der FSC nicht hält, was er verspricht? Oder wird hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet?

Vom Fairtrade-Gedanken getragen

Beim FSC (Forest Stewardship Council) handelt es sich bekanntlich um eine gemeinnützige internationale Mitgliederorganisation, die sich weltweit für eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragbare Waldwirtschaft einsetzt. Seit seiner Gründung 1993 ist der FSC nicht nur ökologisch motiviert, sondern wird generell von einem Fairtrade- Gedanken getragen, welcher nebst der Ökologie auch die Ökonomie und Soziales berücksichtigt. Hierbei erarbeitet der FSC in einem partizipativen Prozess globale Standards, nach denen vorbildliche Waldwirtschaft geprüft und zertifiziert werden kann. Diese Standards werden nach nationalen Gegebenheiten und Machbarkeiten zwischen dem FSC und nationalen Vertretern aus Produktion und Handel der Waldwirtschaft erarbeitet. Und an dieser Stelle wird die Problemstellung des FSC sichtbar: Will er in einem Land nachhaltige Erfolge erzielen, gelingt dies nur in Zusammenarbeit mit den ansässigen Unternehmen und Interessenvertretern. Doch eben dieser Dialog beinhaltet Konfliktpotenzial, denn leider widersprechen sich Ökologie, Ökonomie und Soziales immer wieder. Ist nun also die Ökologie höher zu gewichten als die Lebensbedingungen der ortsansässigen Arbeiter? Oder ist doch der Anspruch auf eine soziale und ökonomisch ausgerichtete Forstwirtschaft wichtiger, so dass in ökologischen Fragen Abstriche in Kauf genommen werden müssen?

Über das Ziel hinausgeschossen

Diese Fragen lassen sich kaum mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Erst das ausgewogene Zusammenspiel von Sozialem, Ökologie und Ökonomie verspricht positive, nachhaltige Entwicklungen. Der FSC ist aber ebensowenig über alle Kritik erhaben. Gewisse Massnahmen – gerade in Ländern mit weitreichenden Forstvorschriften – schiessen über das Ziel hinaus. So ist es zum Beispiel wenig sinnvoll, dass Stämme aus FSC-zertifizierten Wäldern gesondert transportiert werden sollen, wenngleich direkt im Wald daneben nicht zertifizierte Stämme in dieselbe Sägerei gelangen müssen. Oder in anderen Belangen sind die Konzessionen des FSC gegenüber der Wirtschaft wieder zu gross. Wie sonst ist es zu erklären, dass FSC-Mix-Produkte, welche das bekannte Bäumchen tragen, bis zu 90% an unzertifiziertem Holz beinhalten dürfen?

Die vorgebrachte Kritik ist bei isolierter Betrachtung oft korrekt und der FSC soll angehalten werden, die ökologischen Missstände zu verbessern. Da schliessen wir uns der Meinung der Kritiker an. Doch inwiefern werden in der Kritik die Dimensionen «Soziales und Ökonomie» argumentativ berücksichtigt? Ist es angebracht, dem FSC aufgrund dieser Fälle die Existenzberechtigung abzustreiten? Und wo in der Diskussion verbleiben die realisierten Erfolge des FSC? Denn auch die Kritiker werden kaum abstreiten können, dass der FSC als treibende Kraft das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Holz gefördert hat.

Wir sind der Meinung, dass es sich der FSC nicht leisten kann, mit den westlichen Anschauungen und Standards in anderen Ländern zu missionieren. Ebensowenig wäre ein Moralisieren des FSC von Erfolg gekrönt. Der FSC kann einzig und allein das beste Konglomerat zwischen seinen Idealen und den landesspezifischen Bedingungen zum Schutz und Erhalt des Waldes anstreben. Die Souveränität über die Art der Waldbewirtschaftung verbleibt jedoch bei den Ländern. Es ist die Aufgabe des FSC, zu erwirken, dass kontinuierlich weitere Waldflächen in eine nachhaltige Bewirtschaftung überführt werden, welche den Waldarbeitern möglichst soziale und ökonomische Sicherheit ermöglicht. Der FSC bietet den Teilnehmenden die Chance, dem Wald mit einer kontrollierten Bewirtschaftung wieder den Stellenwert zurückzugeben, den er als Lunge unseres Planeten verdient.

Gibt es Alternativen?

Trotz aller Kritik, die man dem FSC zuweilen gerechtfertigt unterbreiten kann und soll, sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass er umfassende Förder- und Entwicklungsmassnahmen mit landesspezifischen Nuancierungen realisiert. Oder anders gefragt: Wer könnte aktuell in die Fussstapfen des FSC treten? Ist keine Führung besser als eine sich entwickelnde, die auch einmal einen Fauxpas begeht? Wir sind jedenfalls überzeugt, dass der FSC viel Gutes bewirkt. Als Parketthändler stehen wir nach wie vor hinter dem FSC.

Albi Graf, Holzpunkt AG, 8492 Wila

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