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Kritik ist berechtigt!

Woche: 
3
Jahr: 
2012
Rubrik: 
weitere Fachartikel

Ich gratuliere der SchreinerZeitung zu diesem äusserst kritischen Bericht. In den meisten Punkten gehe ich mit dem Verfasser Christian Härtel absolut einig. Leider kommt dieser Bericht einige Jahre zu spät, und vor allem wird er nur von einer ver-
schwindend kleinen Bevölkerungsschicht gelesen. In den letzten zehn Jahren ist es dem WWF und dem FSC mit verschiedens
ten Marketinganstrengungen vorzüglich gelungen, die im Bericht umschriebenen Botschaften zu vermitteln.

Aktuelles Forstgesetz genügt 

Für mich absolut unverständlich ist, dass sich so viele Schweizer Staatsforste FSC-zertifizieren liessen. Wir haben doch in der Schweiz erwiesenermassen ein absolut gut funktionierendes und genügendes Forstgesetz. Wenn dann die grossen De-
taillisten auch noch auf derselben Schiene fahren, muss der Konsument doch das Gefühl haben, dass er etwas Gutes tut, wenn er FSC-Produkte kauft. Wahrscheinlich ist es wie bei so vielen Labels: Man hat das Gefühl, das müsse doch sein, und vor allem, man tue etwas Sinnvolles oder Nachhaltiges. In Tat und Wahrheit generieren Heerscharen von Lobbyisten unnö
tige Aufwendungen, von welchen mittlerweile natürlich viele profitieren respektive leben. Vielleicht wollen wir ja auch nur getäuscht werden?

Die Architekten schreiben es vor

Ich habe früher acht Jahre als Einkaufs­leiter in der Baunebenbranche gearbeitet. In dieser Zeit habe ich für die damalige Firma die FSC-Zertifizierung umgesetzt. Dies habe ich nicht aus wirklicher Überzeugung gemacht. In den Devis haben die Architekten jeweils beim Holz vorgeschrieben, dass FSC, PEFC, Q-Label oder Gleichwertiges zu verwenden sei. Die Geschäftsleitung war der Meinung, dass mittelfristig wohl kein Weg am FSC-Label vorbeiführe. Dass sich das Label für die Privatkundschaft sicher nicht nachteilig auswirkt, war ebenfalls unbestritten. Meine Einschätzung dazumal war, dass sich die Architekten mit der Ausschreibung das Gewissen rein waschen. In all den Jahren musste ich gegenüber der Kundschaft kein einziges Mal einen Nachweis erbringen, dass auch wirklich zertifiziertes Material verwendet wurde. Mittlerweile in der Holzbranche tätig, würde ich die effektive Nachfrage nach FSC-Holz als nicht gravierend bezeichnen. Da, wo beim Endkunden nicht aktiv ein Bedürfnis geweckt wird, ist die Nachfrage eher bescheiden.

Wenn auch die Wogen im Moment vielleicht etwas hochgehen, so sollte die Angelegenheit nicht überschätzt werden. Ich bin überzeugt, dass 80% der Schweizer Bevölkerung nach wie vor nicht weiss, was FSC ist. Somit glaube ich, dass das Label für den Schreiner nicht wirklich von grosser Bedeutung ist. Er soll dem Kunden die Probleme darlegen, und wenn ihm die Nachhaltigkeit etwas bedeutet, die Vorteile der einheimischen Holzarten aufzeigen. Es ist doch nicht schwierig, glaubhaft zu machen, dass ein einheimisches Eichenprodukt ökologischer ist als ein Tropenholzprodukt – dass eine in Menznau produzierte Spanplatte wahrscheinlich umweltverträglicher ist als ein Produkt aus dem östlichsten Europa. Dem sensiblen Kunden leuchtet dies zweifellos ein, bei den anderen spielt es eh keine Rolle.

Der Stolperstein dabei kann das Verhalten der einschlägigen Verbände und/oder Fachzeitschriften sein. Meines Erachtens ist es die Aufgabe dieser Institutionen, solche Tendenzen kritisch zu durchleuchten und somit dem einzelnen Verarbeiter Fakten zu liefern, mit denen er den Kunden beraten kann. Dies wäre dann auch die Aufforderung an die SchreinerZeitung, etwas mehr kritische Beiträge zu veröffentlichen. Diese vermisse ich weitgehend. Die nächste Gelegenheit würde sich ja mit der ab 2012 gültigen Holzdeklaration bereits bieten. Ich weiss zwar, dass sie vor nicht langer Zeit bereits einen ausführlichen Bericht gebracht haben. Dieser war für mich, zumindest wenn ich mich richtig erinnere, nicht sehr kritisch. Zumal mir bis heute auch niemand glaubhaft erklären konnte, was diese Deklaration bringen soll. Mir ist klar, dass diese, im Gegensatz zu den Labels, nicht freiwillig ist und es daran eigentlich nichts zu rütteln gibt.

Abhängigkeit als Hemmschuh

In diesem Zusammenhang möchte ich den Kreis schliessen. Die im Bericht erwähnten bezahlten Zertifizierer, die nicht unabhängig sein können, zeigen die Mechanismen unseres Systems klar auf. Irgendwo bestehen halt immer Interessen und Abhängigkeiten, die zu Konflikten führen. In diesem Sinne hoffe ich auf weiterhin viele kritische und unabhängige Berichte der SchreinerZeitung.


Walter Bühler, 6284 Gelfingen

 

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