Die SchreinerZeitung: Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?
heinz baumann: «Ich unterscheide nicht zwischen Arbeit und Freizeit. Wenn ich nicht unterwegs bin, dann beginnt mein Tag mit einem Rundgang in meinem Obstgarten.»
Was inspiriert Sie?
«Alles, was mich umgibt: Mein Chaos im Büro, der Frühling, gewachsene Strukturen, wie sie beispielsweise an einem alten Dorf ablesbar sind, unbrauchbare oder komplizierte Dinge, leidenschaftliche Gespräche, betörende Musik, ein Flusskiesel, der Zerfall, echte Patina und natürlich immer wieder die vielen unverarbeiteten Bretter in meinem Holzlager.»
Warum sind Sie Designer geworden?
«Dafür gibt es viele Gründe: Weil ich meine erste Wohnung mit Brockenhaus-Möbeln einrichten musste und ich mir diejenigen Möbel nicht leisten konnte, die ich mir wünschte; und weil ich diese Möbel noch nicht kannte, und weil es sie noch nicht gab.»
Welche Rolle spielt das Handwerk für die Gestaltung?
«Kein Produkt entsteht allein am Reissbrett oder am Bildschirm. Es braucht sehr gute Materialkenntnisse und dazu ein paar geschickte Hände für den Bau der vielen Proto-typen. Das Eine geht also nicht ohne das Andere. Das zeigt die Geschichte. Früher war ein Handwerker ein Macher und ein Gestalter. Erst mit der Industrialisierung setzte eine allmähliche Trennung der Berufe ein.»
Welche gestalterische Leistung berührt Sie und warum?
«Solche gibt es viele. Der Löffel zum Beispiel. Er ist so einfach, so nützlich und selbstverständlich. Von ihm existieren vermutlich tausende Varianten rund um die Welt und in ungezählten Kulturen, und doch ist seine Urform über Jahrhunderte erhalten geblieben. Und man kann an den vielen Varianten erahnen, wo und in welchem Jahrhundert oder Jahrzehnt sie gefertigt wurden. Ausserdem gleicht er mit seinen vielen -Gebrauchsmöglichkeiten einem Universalwerkzeug.»
Was macht einen Gestalter erfolgreich?
«Wenn Idee, Form, Funktion, Ökologie und Ökonomie eines Objekts zum richtigen Zeitpunkt aufeinandertreffen.»
Was möchten Sie auf jeden Fall noch entwerfen?
«Den selbstverständlichen, bequemen, unver-gleichbaren, begehrenswerten und stapelbaren Armlehnstuhl aus massivem Holz.» mz
Monats Serie
Designer zu verstehen ist nicht immer einfach: Was bewegt und was inspiriert sie? In dieser Serie stellt die SchreinerZeitung Fragen, jeden Monat antwortet ein Designer.
Aktuelle Ausgabe:
Heinz Baumann
Juli 2011:
Ramon Zangger
August 2011:
Moritz Schmid
Bereits erschienen:
Jörg Boner

