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«Hand und Kopf müssen sich einig sein»

Woche: 
50
Jahr: 
2011
Rubrik: 
weitere Fachartikel

Nachgefragt bei:  Urs Greutmann

Der gebürtige Zürcher Urs Greutmann gründete 1984 zusammen mit seiner Frau Carmen das Designbüro Greutmann Bolzern. Beide sind im ersten Beruf Hochbauzeichner, er erwarb später ein Diplom als Industriedesigner, sie als Innenarchitektin. Die Bandbreite ihrer Projekte reichte von der Nagel- feile für Sulzer Innotec bis zum Büroneubau für Denz & Co. in Nänikon. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeiten ist die Raumorganisation mit spezifischem Licht, Material und Möbeln. Ausserdem lehren beide als Professoren Produktgestaltung an der Akademie der Bildenden Künste in München. Für ihre Arbeiten erhielten sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Die SchreinerZeitung: Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?
Urs Greutmann: Mit E-Mails lesen und Tee aufsetzen, so nüchtern das klingt.
Was inspiriert Sie?
Oft sind es die kleinen und scheinbar achtlos gestalteten Dinge des Alltags. In unserem Zürcher Büro haben wir eine Material- und Objektbibliothek, die wie eine Art Server für uns funktioniert. Darin befinden sich die unterschiedlichsten Alltagsgegenstände aus aller Welt – überzeugend in ihrer Einfachheit oder Komplexität. Kürzlich haben wir in Südtirol eine grosse, schön geformte Zange gekauft. Sie wird benutzt, um den Pferden die Hufe zu schneiden.
Warum sind Sie Designer geworden?
In erster Linie bin ich Designer, weil ich grundsätzlich neugierig bin. Dinge zu hinterfragen und neu zu denken, ist spannend. Situationen und Bedürfnisse zum Positiven hin zu verändern, ist immer eine Herausforderung.
Welche Rolle spielt das Handwerk für die Gestaltung?
Unser Leitmotiv ist das Denken mit den Händen. Hand und Kopf müssen sich einig werden. Gestalten ist ein Handwerksberuf – egal, ob auf digitaler oder analoger Grundlage. Das versuchen wir auch immer unseren Studenten zu vermitteln. Das Handwerk steht an erster Stelle, um Produkte industriell vervielfältigen zu können. Somit ist es der erste Baustein. Die Ideen müssen aus dem Kopf, und das passiert immer händisch.
Welche gestalterische Leistung berührt Sie und warum?
Mich berührt die Natur in ihrer Perfektion. Sie ist raffiniert, kompromisslos, mal verschwenderisch, mal hocheffizient, und immer zielgerichtet.
Was macht einen Gestalter aus?
Seine Produkte müssen authentisch, kompromisslos und materialgerecht gefertigt sein, um drei Schlagworte zu nennen. Man sollte seinen Arbeiten immer eine langfristige Relevanz abfordern. Für das Zukunftspotenzial eines Produktes ist das unabdingbar. Medialer Erfolg ist ein anderes Thema.
Was möchten Sie auf jeden Fall noch entwerfen?
Ich freue mich immer auf das, was ich noch nie gestaltet habe, da gibts noch einiges. Im Moment denke ich viel über das Thema Licht nach. Leuchten haben direkt mit dem Raum zu tun. Mit Licht erzeugt man Atmosphäre, das hat auch etwas Poetisches. Gleichzeitig bestehen technische Anforderungen, gepaart mit grossen formalen Möglichkeiten.
MonatsSerie

Designer zu verstehen, ist nicht immer einfach: Was bewegt und was inspiriert sie? In dieser Serie stellt die SchreinerZeitung Fragen, jeden Monat antwortet ein Designer.

Januar 2012:

Corsin Niggli

Bereits erschienen:

Jörg Boner, Heinz Baumann, Ramon Zangger, Moritz Schmid, Frédéric Dedelley, Kevin Fries, Dina Rey.

mz

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