Die SchreinerZeitung: Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?
Moritz Schmid: «Den beginne ich meistens kurz nach acht Uhr. Als Erstes öffne ich alle Fenster, so weht ein frischer Wind durch das Atelier. Dann setze ich mich ans Fenster und lese erst mal die Zeitung. Ich mag diesen Moment sehr. Gerade in der jetzigen Jahreszeit ist es besonders schön.»
Was inspiriert Sie?
«Das können sehr unterschiedliche Dinge sein: der Klavierstuhl meines Nachbarn,
die Fischerrute des Fischers am Fluss, zu beobachten, wie die Leute mit den Gegenständen umgehen und wie sie diese benutzen.
Weiter sind es unbrauchbare Objekte, die meine Fantasie beflügeln, sowie das Studieren von alten Gegenständen, die es geschafft haben, im Laufe der Zeit unverändert bis zu uns zu kommen.»
Warum sind Sie Designer geworden?
«Es ist eine Tätigkeit, die mich schon als kleiner Junge fasziniert hat. Damals träumte ich noch davon, Erfinder zu werden, und hatte noch keine Ahnung, was meine spätere Arbeit alles beinhalten würde. Heutzutage sind Erfindungen für mich absolut sekundär und nicht das Ziel meiner Arbeit.»
Welche Rolle spielt das Handwerk für die Gestaltung?
«Für meine Arbeit ist das Handwerk sehr wichtig. Ein Konzept oder eine Idee kann noch so gut sein, sie macht aber oft erst Sinn, wenn sie im Einklang mit den Fertigungsmöglichkeiten des jeweiligen Produzenten steht. Dafür braucht es einen ständigen Dialog und gegenseitige Annäherung.»
Welche gestalterische Leistung berührt sie und warum?
«Mich berühren schöne grosse Parks, in denen sich Menschen gerne aufhalten. Zum Beispiel mag ich das Bild sehr, das im Jardin du Luxembourg in Paris entsteht, wenn die Stühle, die jeder Besucher frei verschieben kann, in Gruppen stehen bleiben – so wie sich die Menschen gerade aufgehalten haben. Diese Gestaltung entsteht unbewusst, und doch ist sie prägend für diesen Park.»
Was macht einen Gestalter erfolgreich?
«Gute Frage … Mir ist da kein Rezept bekannt.»
Was möchten Sie auf jeden Fall noch entwerfen?
«Es gibt vieles, was mich interessiert, und ich kann mich nicht auf etwas Bestimmtes festlegen. Für mich ist die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Kunden und Produzenten genauso wichtig, wie das Ding selbst. So gesehen wünsche ich mir interessante Zusammenarbeiten für die Zukunft.» Mz
Monats Serie
Designer zu verstehen, ist nicht immer einfach: Was bewegt und was inspiriert sie? In dieser Serie stellt die SchreinerZeitung Fragen, jeden Monat antwortet ein Designer.
Aktuelle Ausgabe:
Moritz Schmid
September 2011:
Frédéric Dedelley
Oktober 2011:
Hans Eichenberger
Bereits erschienen:
Jörg Boner, Heinz Baumann, Ramon Zangge

