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Sich selber treu bleiben

Woche: 
27-28
Jahr: 
2011
Rubrik: 
Diverses, Design/Gestaltung

 

Nachgefragt bei: Ramon Zangger

Der gestaltende Schreiner (*1953 in Basel) schlug früh den «Holzweg» ein. Nach der beruflichen Grundausbildung zum Schreiner hängte er noch den -Innenausbauzeichner an. Projektarbeiten im In- und Ausland auf dem Gebiet der Innenarchitektur folgten. Doch sein Herz zog es auch weiterhin zu verschiedenen berufsbegleitenden Weiterbildungen im Schreinerberuf. 1984 übernahm er die Schreinerei Rechsteiner in Samedan. Zanggers Arbeiten wurzeln in der regionalen Kultur des Engadins. Dafür erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, vom Formforum CH sowie den Förderpreis der Stiftung Bündner Kunsthandwerk (SBK) und den Anerkennungspreis «Graubünden Holz».

 

Die SchreinerZeitung: Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?

Ramon Zangger: «Mit Vorfreude auf das, was kommt.»

Was inspiriert Sie?

«Ich sehe überall viele Dinge, die mich faszinieren. Ich speichere sie ab und ergänze sie vor meinem inneren Auge mit vorhandenen Bildern und Eindrücken. Das ist vergleichbar mit einzelnen Zutaten, die irgendwann zu einem Gericht werden. Dieser Entstehungsprozess eines Produkts aus vielen einzelnen Zutaten, also meine Philosphie von einem Möbel, versuche ich auch, meinen Kunden zu vermitteln.»

Warum sind Sie Designer geworden?

«Ich habe keine Ausbildung zum Designer. Ich bin gestaltender Schreiner. Mich interessiert der Werdegang eines zu gestaltenden Stücks.»

Welche Rolle spielt das Handwerk für die Gestaltung?

«Das Handwerk ist das Fundament – und manchmal auch das Hindernis. Denn der Handwerker denkt zu bodenständig, er denkt in Konstruktionen und dadurch bleibt ihm automatisch mancher Blickwinkel verschlossen. Darin besteht vermutlich auch ein wesentlicher Unterschied zum Designer. Dieser hat gelernt, nicht so mit dem Material zu denken und ist daher gedanklich freier für gestalterische Ideen.»

Welche gestalterische Leistung berührt Sie und warum?

«Etwas, das bis ins kleinste Detail gelöst ist. Das heisst, es geht als Ganzes auf, in der Massreihe, in der Materialwahl, im Gebrauchssinn und im Erscheinungsbild.»

Was macht einen Gestalter erfolgreich?

«Sich selber treu zu bleiben – ohne Unterbruch und Ablenkung.»

Was möchten Sie auf jeden Fall noch entwerfen?

«Ich möchte nichts Bestimmtes entwerfen, sondern orientiere mich in erster Linie an den Bedürfnissen meiner Kunden. Bei der Umsetzung allerdings liegt es mir am Herzen, etwas aus der Tradition der Region heraus zu entwerfen, in der ich lebe. Das ist in meinem Fall das Engadin mit seinem -Arvenholz und seiner einzigartigen Kultur. Diese kann sich in einem Stuhl ebenso widerspiegeln wie bei einem Schrank. Ein anderes Beispiel ist ein hiesiges Hotelzimmer mit Arvenholztäfer, in dem der Gast ‹ankommen› kann. Im Gegensatz dazu steht die weltweite Uniformierung der Hotellerie-Einrichtungen.» mz

 

Monatsserie

Designer zu verstehen ist nicht immer einfach: Was bewegt und was inspiriert sie? In dieser Serie stellt die SchreinerZeitung Fragen, jeden Monat antwortet ein Designer. 

Aktuelle Ausgabe: 

Ramon Zangger 

August 2011: 

Moritz Schmid 

September 2011: 

Frédéric Dedelley 

Bereits erschienen:

Jörg Boner, Heinz Baumann

 

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