Die SchreinerZeitung: Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?
Ramon Zangger: «Mit Vorfreude auf das, was kommt.»
Was inspiriert Sie?
«Ich sehe überall viele Dinge, die mich faszinieren. Ich speichere sie ab und ergänze sie vor meinem inneren Auge mit vorhandenen Bildern und Eindrücken. Das ist vergleichbar mit einzelnen Zutaten, die irgendwann zu einem Gericht werden. Dieser Entstehungsprozess eines Produkts aus vielen einzelnen Zutaten, also meine Philosphie von einem Möbel, versuche ich auch, meinen Kunden zu vermitteln.»
Warum sind Sie Designer geworden?
«Ich habe keine Ausbildung zum Designer. Ich bin gestaltender Schreiner. Mich interessiert der Werdegang eines zu gestaltenden Stücks.»
Welche Rolle spielt das Handwerk für die Gestaltung?
«Das Handwerk ist das Fundament – und manchmal auch das Hindernis. Denn der Handwerker denkt zu bodenständig, er denkt in Konstruktionen und dadurch bleibt ihm automatisch mancher Blickwinkel verschlossen. Darin besteht vermutlich auch ein wesentlicher Unterschied zum Designer. Dieser hat gelernt, nicht so mit dem Material zu denken und ist daher gedanklich freier für gestalterische Ideen.»
Welche gestalterische Leistung berührt Sie und warum?
«Etwas, das bis ins kleinste Detail gelöst ist. Das heisst, es geht als Ganzes auf, in der Massreihe, in der Materialwahl, im Gebrauchssinn und im Erscheinungsbild.»
Was macht einen Gestalter erfolgreich?
«Sich selber treu zu bleiben – ohne Unterbruch und Ablenkung.»
Was möchten Sie auf jeden Fall noch entwerfen?
«Ich möchte nichts Bestimmtes entwerfen, sondern orientiere mich in erster Linie an den Bedürfnissen meiner Kunden. Bei der Umsetzung allerdings liegt es mir am Herzen, etwas aus der Tradition der Region heraus zu entwerfen, in der ich lebe. Das ist in meinem Fall das Engadin mit seinem -Arvenholz und seiner einzigartigen Kultur. Diese kann sich in einem Stuhl ebenso widerspiegeln wie bei einem Schrank. Ein anderes Beispiel ist ein hiesiges Hotelzimmer mit Arvenholztäfer, in dem der Gast ‹ankommen› kann. Im Gegensatz dazu steht die weltweite Uniformierung der Hotellerie-Einrichtungen.» mz
Monatsserie
Designer zu verstehen ist nicht immer einfach: Was bewegt und was inspiriert sie? In dieser Serie stellt die SchreinerZeitung Fragen, jeden Monat antwortet ein Designer.
Aktuelle Ausgabe:
Ramon Zangger
August 2011:
Moritz Schmid
September 2011:
Frédéric Dedelley
Bereits erschienen:
Jörg Boner, Heinz Baumann

