Minimalistisch mit maximaler Wirkung


Diese mit Büchern gefüllten Regale sind Pivot-Türen, die als versteckte Raum-trenner fungieren. Bild: FritsJurgens


Diese mit Büchern gefüllten Regale sind Pivot-Türen, die als versteckte Raum-trenner fungieren. Bild: FritsJurgens
Pivot-Türen. Die auf das Wesentlichste reduzierte Bewegung einer Tür führt zu einem hoch- belastbaren Beschlag, der faszinierende Möglichkeiten schafft. Moderne Pivot-Türen können sehr gross, schwer und sogar kreisrund sein und funktionieren dennoch völlig leichtgängig.
Die einfachste Form eines Scharniers für eine schwere, grosse Tür oder gar ein Eingangstor war schon vor vielen Hundert Jahren ein mit dem Türblatt verbundener vertikaler Balken, der oben und unten über dieses hinausging. Oben war er zylindrisch geformt und griff mit wenig Spiel in ein Loch im Türsturz, und unten hatte er einen stumpfen Kegel, der in einer passenden steinernen Vertiefung stand. Auf der Kegelspitze stand das ganze Türgewicht, und durch die obere Führung hielt das Blatt die Balance und liess sich um diese Achse des Balkens drehen. Bei vielen mittelalterlichen Burgen und Klöstern ist diese Konstruktion heute noch in Gebrauch.
Diese Scharnierform funktionierte natürlich auch bei Möbeltüren, nur brauchte es dort nicht gleich einen durchlaufenden Balken. Es genügte je ein Zapfen in der Kante des oberen und des unteren Türfrieses sowie entsprechende Aussparungen im Kastenrahmen. Die elegantere und auch langlebigere Variante davon war dann das Zapfenband aus Metall. Die Zapfen waren mit jeweils einer Grundplatte verbunden, die in die Türstirnkanten eingelassen wurde. Als Gegenstücke wurden Metallplatten mit passenden Löchern in den Kastenrahmen eingelassen. Eine Unterlegescheibe über dem unteren Zapfen bildete dann die Lauffläche, auf der die Drehbewegung stattfand.
Der metallene Beschlag «Zapfenband» ist natürlich auch eine gute Ausgangslage, um alles etwas grösser zu denken, und so entstanden immer mal wieder Einzelanfertigungen solcher Konstruktionen in Übergrösse, um beispielsweise Werkzeugschränke mit befüllbaren, kastenförmigen Türen zu bauen. Serienmässig entstanden Drehpunktbeschläge für Glastüren mit einem Führungszapfen oben und einer vollständigen Schliessmechanik in einem relativ grossen Kasten, der bündig in den Boden eingelassen wurde.
Drehpunkt heisst auf Englisch pivot. Das gab dem modernen Zapfenband für sehr grosse Türen den Namen. Diese heutigen Pivot-Bänder wirken genauso dezent zurückhaltend wie die Zapfenbänder für Möbeltüren. Wenn überhaupt, sind nur die kleinen Führungsplatten im Boden und der Raumdecke oder dem Türsturz sichtbar. Die Mechanik wird unsichtbar in die Türblattkanten eingelassen.
Der Hersteller FritsJurgens B.V. aus den Niederlanden hat sich auf die Entwicklung und Produktion von Pivot-Beschlägen spezialisiert, die für Türen mit bis zu 500 kg Flügelgewicht ausgelegt sind. Die Firma wird in der Schweiz durch die Immer AG in Uetendorf BE vertreten. Die Beschläge gibt es in drei verschiedenen Systemen:
Die jeweils vier zusammengehörigen Beschlagskomponenten für ein Türblatt gibt es abgestimmt auf verschiedene Gewichte. So ein Drehpunkt kann, wie gewohnt, sehr nahe an einer vertikalen Blattkante liegen, was beispielsweise bei einem Brandschutztor notwendig ist, aber auch bis zur Mitte hin frei positioniert werden.
Die Hager Zierbeschläge AG aus Niederurnen GL hat die Generalvertretung eines weiteren Herstellers, der sich auf Pivot-Türbeschläge spezialisiert hat. Die Firma JNF Architectural Hardware aus Portugal hat ein Produkteangebot, welches dem von FritsJurgens in etwa entspricht. Auch ihre Pivot-Bänder decken Türen mit einem Gewicht von bis zu 500 kg ab. Der Hersteller FritsJurgens macht in seinen Unterlagen auch klar, dass besonders die Höhe eines Türblattes nicht so wichtig ist, solange das Gewicht noch stimmt und keine Windbelastung vorliegt.
Die ComTür Weimann GmbH aus dem deutschen Heilbronn ist ein Holztürenhersteller und bietet eine eigene Pivot-Türlinie für Innen- sowie Aussentüren an. «Im Ausseneinsatz sind insbesondere Dichtheit und Verriegelung technisch anspruchsvoll», heisst es von der Firma.
ComTür Weimann setzt hierfür auf angepasste Falzdichtungen für die vertikale Abdichtung sowie automatisch absenkbare Bodendichtungen für den oberen und unteren Abschluss. Die Schwelle wird jeweils objektspezifisch ausgeführt. Mehrfachverriegelungen sorgen für die notwendige Dichtheit und erfüllen Anforderungen an den Einbruchschutz.
Als für die Funktion und Dauerhaftigkeit entscheidend sieht die Firma auch die Einbausituation und sorgfältige Montage: «Da das Türgewicht über das untere Drehband punktuell in den Boden geleitet wird, sind eine geeignete Bodenbeschaffenheit sowie eine präzise und stabile Befestigung massgeblich für die langfristige Funktion.»
www.immerag.chwww.hagerag.chwww.comtuer.deVeröffentlichung: 21. Mai 2026 / Ausgabe 21/2026
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