«Schweizer setzen Normen flexibler um»


Julia Bachinger ist seit drei Jahren Leiterin des Fachbereiches Fenster an der Holzforschung Austria und Gastgeberin des Fenster-Türen-Treff in Salzburg. Bild: Andreas Suttner


Julia Bachinger ist seit drei Jahren Leiterin des Fachbereiches Fenster an der Holzforschung Austria und Gastgeberin des Fenster-Türen-Treff in Salzburg. Bild: Andreas Suttner
Fenster-Türen-Treff 2026. Rund 250 Teilnehmende kamen nach Salzburg zum 25. Fenster-Türen-Treff von Holzforschung Austria. Zum Jubiläum erwartete die Fachleute ein breites Programm. Ein Gespräch mit Fachbereichsleiterin Julia Bachinger und einige Schlaglichter auf die Themen.
Einbrecher klingeln meist an der Tür, bevor sie sich Zutritt verschaffen. So finden sie heraus, ob der Weg wirklich frei, sprich niemand zu Hause ist. Denn Aufmerksamkeit scheut der Einbrecher wie der Teufel das Weihwasser. Das sind Ergebnisse einer Studie mit Strafgefangenen zu den Motiven und Vorgehensweisen bei Einbruchsdelikten, einem der Themen am Salzburger Treff. «Alles, was Anwesenheit signalisiert, wirkt abschreckend», sagt Patricia Rosenauer, Co-Autorin der Studie. Während die Branche die Einbruchhemmung vor allem aus technischer Sicht entwickelt, haben die Forschenden in der Studie unter anderem 32 qualifizierte Interviews mit inhaftierten Tätern geführt.
So konnte mehr darüber in Erfahrung gebracht werden, wie Täter ihr Umfeld vorbereiten. Etwa über Social Media. Man solle keine Posts in Echtzeit aus den Ferien auf die Reise schicken, denn dann kann jeder wissen, dass die Wohnung verlassen ist. «Die sind ein Riesenfaktor», so Rosenauer. Im Gespräch habe ein Täter gesagt: «Ich schaue auf Facebook, wer in den Ferien ist. Das ist für mich wie ein Katalog.» Täter würden sich leichte Ziele suchen, Risiken vermeiden und unter gar keinen Umständen Aufmerksamkeit erzeugen. Jeder Hund, der belle, sei deshalb wirksam, jede professionell ertüchtigte Tür und jedes Fenster mit einem Hinweis auf die Einbruchhemmung sei deshalb auch abschreckend. Aufmerksame Nachbarn, Beleuchtung und Kameras seien weitere Aspekte, die ein Objekt unattraktiv machen.
«Der wirksamste Nachbar ist der Hund. Das Bellen ist besser als die Alarmanlage», sagt Rosenauer. Attrappen seien nur bei Gelegenheitseinbrechern wirksam. Ein Profi erkenne diese. Professionelle Täter würden ein Objekt zunächst durch Beobachtung auskundschaften, benutzten eventuell Störsender für elektronische Sicherheitssysteme, hätten Baupläne und arbeiteten Fluchtrouten mithilfe von Google Maps aus. Jedoch sei nicht die vermeintlich grösste Beute das attraktivste Objekt, sondern die leichteste Beute.
Bei der Montage von Fenstern lässt sich eine Entwicklung eindeutig feststellen: Durch die Verbesserung der Wärmedämmung von Gebäuden ist die Montage der Fenster aus der Mauerwerksebene in die Dämmebene verlegt worden. «Wird das Fenster in die Dämmebene gesetzt, wird der Schallschutz kritisch», sagt Bernd Sass vom IFT Rosenheim (D). Dort hat man sich unterschiedliche Einbausituationen von Fenstern aus der Sicht der Fugenschalldämmung genauer angesehen. Kombinationen mit Winkelmontage, solche mit Montagezargen, verschiedenen Abständen zum Baukörper, verschiedenen Dämmungen und Baukörperanschlüssen nahm das Team dabei unter die Lupe. Die gewonnenen Erkenntnisse mündeten in einen Vorschlag für einen sogenannten Bauteilkatalog mit einem rechnerischen Ansatz für die Bestimmung des bewerteten Fugenschalldämmmasses. Der raumseitigen Leibungsverkleidung kommt dabei besondere Bedeutung zu. Wird diese mit Materialien von mindestens 28 kg/m2 Masse ausgeführt, wirkt sich das auf die Schalldämmung günstig aus.
Um die sensiblen Schnittstellen in der Gebäudehülle durch Fenster und Türen, aber auch durch die Fensterbank und den Sonnenschutz geht es im neuen Leitfaden «Dicht ums Fenster». Darin enthalten ist alles für die Ausführung und Planung von dichten Anschlüssen an Fenstern und Türen. Da an den kritischen Punkten mehrere Gewerke beteiligt sind und aufeinandertreffen, hat Holzforschung Austria den Leitfaden mit anderen Verbänden zusammen erarbeitet. Dabei sind die einzelnen Schritte der Ausführung weniger strittig als die Ablaufplanung und die klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten. Genau da setzt der Leitfaden an und hat als wesentliches Element eine klare Definition von Voraussetzungen für die Folgegewerke. Durch eine Schnittstellen-Gewerke-Matrix werden die Aufgaben und Pflichten der Handwerksgruppen übersichtlich dargestellt. Der Leitfaden soll ab sofort unter fenstereinbau.info zur freien Verfügung stehen.
In den Städten existiert eine erhebliche Anzahl an Kastenfenstern. Nun gibt es eine Qualifizierungsinitiative für diese historischen Fenster. Während das Schalldämmmass von Kastenfenstern konstruktionsbedingt recht gut ist, entspricht die Luftdichtheit kaum den Anforderungen.
Das zeigten Untersuchungen eines Teams von Holzforschung Austria und der TU Wien. Die Forschenden aus Österreich konnten an den historischen Fenstern zeigen, dass schon eine Dichtungsebene für eine erhebliche Verbesserung beim Luftverlust sorgt.
Seit 25 Jahren trifft sich die Branche zur Diskussion von Forschungsergebnissen rund um Fenster, Türen und Sonnenschutz auf Einladung von Holzforschung Austria. Was die Rosenheimer Fenstertage für Deutschland und die Windays für die Schweiz sind, ist der Fenster-Türen-Treff für Österreich. Zwar gibt es viel Austausch zwischen den beteiligten Institutionen und auch gemeinschaftliches Agieren der Hochschulen, doch ist ein wesentlicher Punkt des Branchentreffs der persönliche Austausch zwischen den Fachleuten aus der Praxis, den Zulieferern und den Forschenden.
www.holzforschung.atVeröffentlichung: 12. März 2026 / Ausgabe 11/2026
Luftentfeuchter. Die kleinen Geräte entfeuchten durch Kondensation und sind je nach Einsatzzweck in verschiedenen Leistungsklassen erhältlich. Richtig eingesetzt sorgen sie für ein stimmiges Raumklima und eröffnen neue Zusatzleistungen für Schreinereien.
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