Stradivaris Klanggeheimnis auf der Spur


Im Jahrringlabor wurden 284 authentische Stradivari-Geigen genau analysiert. Bild: Gottardo Pestalozzi


Im Jahrringlabor wurden 284 authentische Stradivari-Geigen genau analysiert. Bild: Gottardo Pestalozzi
Welches Holz hat Antonio Stradivari für seine berühmten Geigen verwendet? Eine internationale Studie, mit Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), liefert nun neue Belege. Der Geigenbauer wählte sein Klangholz systematisch aus hoch gelegenen alpinen Wäldern.
Die Geigen von Antonio Stradivari klingen bis heute einzigartig. Neben handwerklicher Perfektion und aussergewöhnlicher Baukunst rückt zunehmend das verwendete Holz in den Fokus der Forschung. Eine neue internationale Studie mit Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) liefert nun neue, überzeugende Belege. Der berühmte Geigenbauer wählte sein Klangholz demnach systematisch aus hoch gelegenen alpinen Wäldern, insbesondere aus dem Fleimstal im Südtirol.
Für die Untersuchung analysierte das Forschungsteam 314 Jahrringreihen von 284 authentischen Stradivari-Geigen aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert. Die Ergebnisse zeigen, dass Stradivari während seiner künstlerischen Blütezeit gezielt Fichtenholz verwendete, das in Höhenlagen unter kühlen klimatischen Bedingungen mit kurzen Vegetationsperioden gewachsen war. Diese Bäume bildeten besonders feine, gleichmässige Jahrringe aus. Eine Voraussetzung für die herausragenden akustischen Eigenschaften der Resonanzböden. Eine entscheidende Rolle spielte dabei das sogenannte Maunder-Minimum (1645 bis 1715), eine Phase reduzierter Sonnenaktivität, die mit einer allgemeinen Abkühlung einherging. Die schwierigen Wachstumsbedingungen führten zu einem besonders dichten, homogenen Holz, das sich ideal für den Instrumentenbau eignete.
Die Jahrringmuster belegen zudem, dass Stradivari häufig mehrere Instrumente aus demselben Stamm fertigte, selbst dann, wenn die Geigen im Abstand von mehreren Jahren entstanden. Diese systematische Materialauswahl spiegelt den hohen Anspruch des Meisters an Klang, Qualität und handwerkliche Perfektion wider. Die Untersuchung wurde im Fachjournal «Dendrochronologia» veröffentlicht und ist die bislang umfassendste dendrochronologische Analyse zu Stradivaris Werk.
Auch für die heutige Forstwirtschaft und den hochwertigen Holzbau sind diese Erkenntnisse von Bedeutung. Sie verdeutlichen, wie stark Holzqualität von Standort, Klima und Wachstumsbedingungen abhängt. Angesichts des Klimawandels geraten diese sensiblen Voraussetzungen zunehmend unter Druck. Umso wichtiger wird eine gezielte Pflege geeigneter Bestände, um auch künftig Klangholz von höchster Qualität bereitzustellen.
Veröffentlichung: 26. Februar 2026 / Ausgabe 9/2026
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