Von der Skipiste auf die Baustelle

Nach zehn Jahren als Skirennfahrer ist Beni Hofer (34) wieder in der Holzbranche tätig, just bei der Firma, bei der er schon seine Lehre absolviert hatte. Bild: Franco Brunner

Obwohl der Frühling angebrochen ist, laufen im bündnerischen Klosters noch immer einige Skilifte. Ideale Voraussetzungen für einen der wohl letzten Skitage dieser Saison. Vor allem für jemanden, der rund zehn Jahre als Skiprofi unterwegs war. Zuerst im Alpinen Skiweltcup, danach in der Disziplin Skicross. Doch Beni Hofer befindet sich heute nicht auf der Skipiste. Er arbeitet auf einer Grossbaustelle am Rande von Klosters. «Hier entstehen Eigentumswohnungen und wahrscheinlich ist auch die eine oder andere Zweitwohnung darunter», sagt der 34-Jährige auf dem Weg hinauf ins Dachgeschoss mit einem Schmunzeln. Hier ist sein aktueller Arbeitsplatz. Aus dem ehemaligen Skiprofi ist ein Zimmermann geworden. Wieder ein Zimmermann, um genau zu sein. Denn Hofer hat sich vor seiner Sportkarriere zum Zimmermann ausgebildet – in der gleichen Firma, bei der er heute wieder arbeitet. Was aus Hofer einmal werden sollte, war schon früh klar. Genau wie sein Cousin Paul Accola hat er eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht und war dann als Skirennfahrer unterwegs. «Ich wollte schon als kleiner Junge bloss Zimmermann oder Skirennfahrer werden. Etwas anderes kam nicht infrage», erinnert sich Hofer. Zimmermann sei er nun, das mit dem Skirennfahrer habe nicht ganz so geklappt. Eine mehr als bloss bescheidene Aussage Hofers.

Immerhin brachte er es zwischen 2000 und 2008 im Alpinen Skiweltcup auf insgesamt 54 Einsätze und zwei Top-20-Platzierungen. Hinzu kommt die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen von Vancouver 2010 als Skicrosser. Danach war Schluss. Ende 2010 beendete Hofer seine Profikarriere im Alter von 32 Jahren. «Das Risiko von gröberen Verletzungen mit Spätfolgen wurde einfach zu gross», sagt er. Verletzungen pflasterten ohnehin Hofers Sportlerweg. So bleiben zwei Schienbeinbrüche, zwei gerissene Kreuzbänder sowie ein Meniskusschaden im Knie die Andenken an zehn Jahre Profisport. Ärger oder gar Frust kommt bei Hofer mit Blick auf die nicht immer ganz einfache Zeit als Sportler derweil nicht auf. Ohnehin scheint der Mann, dessen Arbeitskollegen sich gerade zur Kaffeepause versammeln, in sich gefestigt und mit sich und der Welt vollkommen im Reinen. «Es war schon gut, so wie es war», sagt Hofer ruhig. All das, was er erlebt habe, könne ihm niemand mehr nehmen, auch wenn die Sportkarriere nicht ganz so erfolgreich verlaufen sei, wie er sich das vorgestellt und auch vorgenommen habe. Probleme, sich nach seinem Rücktritt vom Profisport wieder in der «normalen» Arbeitswelt zurechtzufinden, hatte Beni Hofer keine. «Der erste Monat war zwar schon etwas zäh», gesteht er. Doch da er auch immer zu Hause auf dem elterlichen Bauernhof mit angepackt habe, habe er das eigentliche Arbeiten nie verlernt. Sagt es, setzt seinen Gehörschutz auf und startet die Kreissäge, um Holzlatten zurechtzuschneiden. So sieht Hofers Alltag aus. Er ist wieder dort, wo er angefangen hat. Auf der Baustelle als Zimmermann. Auf die Skipiste verschlägt es ihn fast nur noch gemeinsam mit seinen beiden Töchtern (elf und vier Jahre alt). «Den Rennsport muss ich nicht mehr haben», sagt er, ohne dabei auch nur einen Anflug von Verbitterung aufkommen zu lassen.

Nein, Beni Hofer verspürt schlicht nicht mehr den Drang, möglichst oft und möglichst schnell irgendwelche Schneehänge runterzubrettern. Auch nicht an einem dieser Frühlingstage in Klosters.

«Ich wollte schon als kleiner Junge bloss Zimmermann oder Skirennfahrer werden. Etwas anderes kam nicht infrage.»

FB

Veröffentlichung: 25. April 2013 / Ausgabe 17/2013

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