Anziehend für leise Türen

Die Falle schnappt erst zu, wenn die Tür geschlossen wird. Auch bei der Glutz AG setzt man auf die magnetische Falle. Bild: Christian Härtel

Magnetfallenschlösser.  Die beste Falle ist bekanntlich die, die man nicht sieht. Doch gilt das auch für die Fallen von Türschlössern, die magnetisch auslösen, wenn sie aus dem Blick im Rahmen verschwinden? Eine Spurensuche nach der richtigen Strategie im Umgang mit der Falle.

Entscheidend ist, dass die Falle im richtigen Moment zuschnappt. Beim Magnetfallenschloss ist das der Augenblick, in dem die Tür vollständig geschlossen wird. In diesem Moment ziehen Magnete im Schliessblech die Falle aus dem Schlosskasten. Das muss schnell gehen, damit auch eine Tür, die mit Schwung ins Schloss fällt, wirklich zu bleibt. Und es soll nahezu geräuschlos sein, denn das mögen die Architekten. «Möglichst unsichtbar und lautlos sollen Beschläge für schöne Bewegungen sorgen», erklärt Alessandro Conzada, Vertriebsleiter beim Beschlaghersteller Krona Koblenz aus Coriano (I). Deshalb arbeiten deren Entwickler intensiv an den Details, damit auch die Magnetfalle im Türschloss so gut wie geräuschfrei schliesst.

Inzwischen muss man schon das Ohr anlegen, um das sanfte, kurze Klacken des Magnetes noch wahrzunehmen. Es steckt also durchaus Raffinesse in einem Magnetfallenschloss, und Fragen drängen sich auf, etwa nach den Unterschieden zwischen den Schlössern und vor allem, warum die Technik trotz offensichtlicher Vorteile bislang doch eher selten eingesetzt wird.

Magnete sorgen für Raffinesse

Gemeinsam ist den Schlössern, dass nichts vorsteht, was stören könnte. Die Falle des Türschlosses ist versenkt und flächenbündig mit dem Stulp.

Das übliche hörbare Aufschlagen der Falle gegen das Schliessblech entfällt dadurch, genauso wie die sich im Laufe der Zeit abzeichnenden Spuren durch die Türfalle, was bei den nach wie vor beliebten stumpf einschlagenden Türen von entscheidendem Vorteil ist. Denn fällt die Entscheidung auf ein normales Einsteckschloss mit schräger Falle, ist das Schliessblech wegen der nötigen harten Kante sichtbar. Bei Falztüren zu vernachlässigen, kann das Detail bei stumpf einschlagenden Türen durchaus störend sein. Man könnte sich die sichtbare Kante des Schliessbleches sparen, indem man ein Magnetfallenschloss verbaut.

Das Haupteinsatzgebiet der Schlösser ist laut Branchenkennern der gehobene private Bereich der Innenraumtüren ohne besondere Anforderungen. Denn sie sind leise, möglichst ohne deutliches Klacken und es gibt keine Schleifspuren und Abnutzung auf dem Schliessblech durch die Falle.

Aber trotzdem fällt die Entscheidung meist auf herkömmliche Schlösser. Magnetfallenschlösser seien längst noch nicht so präsent in der Branche, meint Marco Süss, Teamleiter Fachberatung Tür- und Fenstertechnik bei der Glutz AG in Solothurn. Gestalterisch sei das Magnetfallenschloss bei stumpf einschlagenden Türen die erste Wahl. Doch: «Der Anteil der Magnetschlösser liegt bei uns noch im einstelligen Prozentbereich», sagt Süss. Und auch technisch seien sie eigentlich besser, weil sie weniger Verschleiss haben. Es gibt keinen Federmechanismus, der nicht irgendwann schwächelt. Das Prinzip mit den Magneten dagegen läuft dauerhaft wartungsfrei.

Es gibt also mutmasslich einen anderen Grund, auf diese Vorteile zu verzichten: wie so oft ist es der Preis. Man kann die Modelle nicht direkt vergleichen. Über den Daumen gepeilt hat ein Magnetfallenschloss mindestens den doppelten Preis. Gemessen an den Kosten einer Tür fällt das allerdings nur wenig ins Gewicht. Ein gutes Zimmertürschloss schlägt vielleicht mit 30 Franken zu Buche. Beim Magnetfallenschloss sind es eher 60 Franken. Dieser Preisunterschied scheint einer breiten Anwendung entgegenzustehen.

Unterschiede gibt es

So wie Einsteckschlösser für Türen mit Federmechanismus nicht gleich sind, gilt es auch für die Magnetfallenschlösser. Allerdings: «Der grosse Unterschied zwischen den Herstellern bei den Schlössern mit Magnetfalle findet sich im Schliessblech», erklärt Süss. Dort sitzen die Magnete, die sich im besten Fall einfach nachjustieren lassen. Um den Schliessmechanismus sauber und schnell auslösen zu lassen, müssen sowohl die Falzluft als auch die Magnete exakt eingestellt sein. Bei manchen Schliessblechen lässt sich das mittels einer direkt zugänglichen Schraube erledigen, wie etwa bei Glutz. Bei anderen sind es zwei Schrauben, oder man muss zuvor noch Blenden demontieren. Hier lohnt sich der genaue Blick auf die andere Seite des Schlosses. Schlecht ist es, wenn die Magnete nicht justierbar sind. Auch das führt zu Preisunterschieden.

Bei KFV-Schlössern aus dem Hause Siegenia befinden sich auf beiden Seiten Magnete. Erst wenn sich Nord und Süd von Falle und Schliessblech direkt gegenüberstehen, schnappt die Falle zu. Auch die Güte der Magnete spielt eine Rolle. Hochwertige Varianten aus Neodym sind teurer als die häufig eingesetzten Magnete aus Ferrit.

So manche Besonderheit

Neben den Unterschieden im Detail findet sich auch manch eigenständige Idee am Markt, die Mehrwerte bieten können. Allen voran das Magnetfallenschloss vom belgischen Hersteller Noha, das in der Schweiz von der Immer AG und von Opo Oeschger vertrieben wird. Das Besondere daran: Der Öffnungsmechanismus sitzt auf beiden Seiten des Schlosskastens in Gestalt einer grossformatigen Klappe. Mit den auf dem Türblatt flächenbündig eingelassenen Muscheleingriffen wird die Falle durch den Zugriff ausgelöst. «Wenn man keinen Drücker sehen möchte, gibt es mit dem speziellen Schloss immer wieder coole Lösungen», weiss Fredy Horisberger, Bereichsleiter Schreinerei bei der Immer AG in Uetendorf BE. Neben Metall sind die Frontplatten auch in MDF verfügbar. So lässt sich die Platte lackieren oder überfurnieren. «Die meisten wählen deshalb MDF. So bekommt das Ganze einen sehr edlen Look», weiss Horisberger. Die Griffklappen gibt es auch für Möbel, dann ohne Schlossmechanismus dahinter. Das erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten. Der Deckel ist dabei auf vier Punkten mit Federn gelagert. «Auch wenn man am Rand drückt, funktioniert das Ganze gut», sagt Horisberger.

Einen besonderen Nutzen im Alltag bietet auch das Modell «Touch» vom italienischen Produzenten AGB. Die doppelt ausgeführten Magnetfallen lösen sich bei leichtem Druck gegen die Tür von allein, wodurch es keinerlei Griff oder Beschlag auf der Anschlagseite der Tür braucht. Auf der Gegenseite braucht es selbstredend eine Griffstange oder Ähnliches, um die Tür ziehend zu öffnen.

Schiebelösungen und Brandschutz

Nach eigenen Angaben das erste Magnetfallenschloss für Schiebetüren hat jüngst der italienische Beschlaghersteller Krona Koblenz präsentiert. Der Kniff dabei liegt in der Verriegelung. Eine mechanische Blockierung in Form eines Stiftes an der Magnetfalle verhindert, dass die Tür nach der Verriegelung zurückgeschoben werden kann. Beim normalen Schliessen reicht die Haltekraft des Magnetes aus, um die Tür am Anschlag zu fixieren.

Auch bei Anforderungen an den Brandschutz kann auf Magnetfallenschlösser zurückgegriffen werden. Mindestens die Hersteller MSL, eine Marke von Assa Abloy aus Skandinavien, sowie Glutz bieten eine Lösung mit Magnetfalle. Wer Schlösser aus Metall und nicht mit günstigen Plastikkomponenten baut, habe es leichter, den Brandschutzanforderungen zu genügen, weiss Süss.

Kontakt und Info

Hersteller Magnetfallenschlösser

Manche Schweizer Händler führen Produkte mehrerer Hersteller. Deshalb eine Liste der Produzenten:

www.glutz.com/chwww.no-ha.comwww.kronakoblenz.comwww.agb.itwww.assaabloy.comwww.siegenia.comwww.dormakaba.comwww.haefele.ch

Christian Härtel

Veröffentlichung: 05. November 2026 / Ausgabe 45/2026

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