Auf einen «Bösen» wartet exklusive Handwerkskunst

Steht bald als Preis im Gabentempel des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Glarus: das IPA-Möbel von Tim Zweifel. Bild: Tim Zweifel

Bei der Individuellen Praktischen Arbeit (IPA) müssen Lernende ihre fachlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Das IPA-Möbel von Tim Zweifel wird im Gabentempel des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Glarus stehen.

«Wenn ich mein Möbel dort stehen sehe, wird das schon etwas ganz Besonderes sein», sagt Tim Zweifel mit Begeisterung. Mit dem Besonderen meint der 19-Jährige seine Individuelle Praktische Arbeit (IPA), die er im Rahmen seiner Ausbildung zum Schreiner EFZ verwirklicht hat. Für ihn sei die Abschlussarbeit ein besonderer Höhepunkt seiner Lehre, den er dementsprechend mit Freude anging. «Da stehst du morgens gerne auf, weil du weisst: Das ist dein Möbelstück. Dein Lehrabschluss, den du umgesetzt hast.»

Entstanden ist ein auffallendes Sideboard, das für den Gabentempel des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF) im Glarnerland bestimmt ist. Dieses findet vom 29. bis 31. August 2025 statt. Zweifels Lehrbetrieb, die Crea Holz AG in Benken SG, spendet es. Für den Sportbegeisterten aus Maseltrangen SG ist das eine Ehre – schliesslich hat er früher selbst geschwungen. Jetzt ist er aktiv im Turnverein und gerne in der Natur zum Wandern und Skifahren unterwegs.

Obwohl das Möbelstück nicht für den Lernenden selbst bestimmt ist, ist er stolz, auf diese Weise einen Beitrag zum traditionellen Sportanlass leisten zu können.

Massiv und qualitativ

Entworfen hat das IPA-Möbel Corina Crivelli, die lernende Innenausbauzeichnerin des Betriebes. «Fast alles ist aus Ulmenholz gefertigt, dem Lieblingsholz meines Chefs», beschreibt Zweifel mit einem Schmunzeln. Das Einzelstück misst 1800 mm in der Länge, 800 mm in der Höhe und 500 mm in der Tiefe. Die Füsse sind aus massivem Ulmen-, die Schubladen aus Ahornholz – sie laufen auf Grass-Unterflur-Führungen. Besondere Details sind unter anderem ein im 45 Grad angewinkeltes Weingestell, eine breite Schublade für etwaiges Besteck, die Innenschublade sowie eine abgefälzte Rückwand, die in die Sichtseiten eingenutet wurde. «Dadurch kann es nicht nur an die Wand gestellt werden, sondern lässt sich auch praktischerweise als Raumtrenner verwenden.»

Welche Verbindungen der Lernende für das Möbelstück verwenden wollte, war ihm von seinem Vorgesetzten freigestellt. Einfach stabil sollte es werden. Bei den Korpussen entschied er sich für eine herkömmliche Dübel-Schraubverbindung, die Abdeckung und fertigen Korpusse lamellierte er an die Rückwand und verleimte alles fix. Und bei Bedarf lassen sich das Weingestell und die Schubladen herausnehmen.

Selbst programmiert

Zweifel erhielt für die Umsetzung die Pläne und erstellte selbstständig die Werkstofflisten – ein Vorteil, wie er findet. «Das half mir, mich gut in den Plan einzulesen, und ich wusste, worauf ich achten muss», erzählt er. Er begann mit dem Massivholzzuschnitt, hobelte und verleimte die Füllungen, stellte die gestemmten Teile her und bearbeitete dann die Plattenmaterialien auf der CNC-Maschine. Dabei programmierte der angehende Schreiner praktisch alles selbst, was gerade beim Weingestell aufgrund der Konstruktion etwas herausfordernd gewesen sei. Den Schrägschnitt für die langen, durchlaufenden Teile machte er auf der Tischkreissäge. Die Querteile erhielten eine doppelseitige Dübelverbindung und wurden anschliessend einseitig verschraubt. «Da die Querteile recht kurz waren, musste ich beim Aufspannen der Teile auf der CNC etwas basteln und improvisieren», erklärt der Auszubildende. Deswegen bereitete ihm der Einbau des Weingitters zuerst Kopfzerbrechen. «Ich hatte Bedenken, dass es wegen allfälliger Massungenauigkeiten nicht in die dafür vorgesehene Lücke passt. Aber am Schluss ging es ganz knapp, und ich konnte es einfach hineinschieben.»

Für die Oberflächenbehandlung wurde Naturöl gewählt, weshalb Zweifel die Füllungen schon vor dem Verleimen ein erstes Mal ölte. Der Arbeitsablauf überlegte sich der angehende Schreiner gut, um «tote Zeit» zu vermeiden. Der Zusammenbau der einzelnen Teile am Schluss habe er zeitlich jedoch etwas unterschätzt.

Gelungene Abschlussarbeit

Trotz des umfassenden Zusammenbaus – geplant waren 80 Stunden für die Herstellung– benötigte Zweifel rund zehn Stunden weniger. Mit dem Möbelstück ist sein Chef ist sehr zufrieden und findet, dass es richtig gut aussieht. Demnach ein gelungenes Projekt, das Zweifels Ausbildung auf eindrucksvolle Weise abschliesst. Die schriftliche Dokumentation zur Arbeit muss er noch einreichen. Mitte Mai stehen dann die Präsentation und das Fachgespräch an, danach bekommt er seine Note für die IPA. Tim Zweifel schaut dem Ganzen entspannt entgegen: «Ich bin optimistisch und habe keine Angst, dass etwas schiefläuft.»

Während der gesamten Projektzeit konnte er sich stets auf die Unterstützung seines Berufsbildners verlassen. «Wenn ich mal nicht weiter wusste oder eine Frage hatte, konnte ich ihn jederzeit ansprechen. Er war immer für mich da, offen und hilfsbereit.»

Berufswunsch nicht gleich klar

In der Oberstufe hatte Zweifel noch keine konkrete Vorstellung davon, welchen Beruf er später einmal lernen möchte. Klar war für ihn lediglich, dass er etwas Handwerkliches machen möchte. Etwas, das der Ostschweizer von zu Hause kannte. Er schnupperte zunächst in den Beruf des Elektrikers hinein, stellte jedoch schnell fest, dass ihm diese Arbeit nicht zusagte. Auch der Versuch als Polymechaniker überzeugte ihn nicht. «Erst als ich eine Schnupperlehre als Schreiner machte, merkte ich, dass mir das gefällt.» Nach einem zweiten Schnuppereinsatz stand für Zweifel endgültig fest, dass er diesen Beruf erlernen wollte. Dabei bekam er sogar zwei Stellenangebote. Entschieden hat sich der Auszubildende für den ersten Schnupperbetrieb, wo er nun seine Lehre absolviert. Die Schreinerei stellt Türen, Möbel, Küchen, Schränke und auch Akustiklösungen in Zusammenarbeit mit der Firma Lignokustik AG, die ihren Sitz auch in Benken SG hat. Inzwischen ist der Ostschweizer hauptsächlich auf Montage unterwegs – inklusive eines ihm zugeteilten Montagefahrzeugs. Dabei erledigt Zweifel die meisten Aufträge selbstständig. Besonders gerne montiert er Küchen und Schränke. Weniger mag er, Türen herzustellen und zu montieren. Aber die Abwechslung zwischen Werkstatt und Baustelle schätzt er sehr. «Es ist schön, an verschiedenen Orten zu sein und herumzukommen», sagt er.

In seinem Lehrbetrieb trägt jeder Verantwortung für die eigenen Projekte – vom Zuschnitt bis zur CNC-Bearbeitung. Auch die Lernenden bedienen die Maschinen eigenständig. Die Planung erfolgt in der Arbeitsvorbereitung. Doch wenn einmal etwas fehlt, kann der Lernende auch selbst programmieren. Besonders die Arbeit mit der CNC-Maschine gefällt ihm: «Wenn man die Maschine im Griff hat, kann man damit richtig tolle Sachen machen.»

Kanada wäre ein Traum

Aufgewachsen ist der angehende Schreiner auf einem Bauernhof im sanktgallischen Maseltrangen. Schon früh half Zweifel auf dem elterlichen Bauernhof mit, was er bis heute noch fast jeden Tag tut. Auch wenn er den Betrieb gut kennt, war für ihn schnell klar, dass er nicht zwingend in die Fussstapfen seiner Eltern treten muss und will – zumal sein älterer Bruder bereits eine Zweitausbildung als Landwirt macht und den Hof später übernehmen wird. «Ich habe mich nie darum gestritten. Wenn mein Bruder das machen möchte, ist das für mich völlig in Ordnung», sagt er.

Was nach dem Lehrabschluss kommt, weiss Tim Zweifel auch schon: «Ich arbeite weiterhin im Betrieb und gehe dann im Winter in die Rekrutenschule.» Wie es danach weitergeht, ist für ihn hingegen noch unklar. Ob er zurück in den Beruf geht oder etwas ganz anderes macht, lässt er sich offen. «Ein Traum von mir ist es, für ein paar Monate nach Kanada zu gehen und dort für ein Lohnunternehmen Traktor zu fahren.»

Michi Läuchli

www.crea-holz.ch

Veröffentlichung: 01. Mai 2025 / Ausgabe 18/2025

Artikel zum Thema

02. April 2026

Vom Abstellgleis zurück auf die Schienen

Alte Bahnwagen erhalten in Winterthur eine zweite Chance: Als Projekt restaurierte ein Team aus zukünftigen Wagnern die historischen Fahrzeuge und sammelte dabei wertvolle Praxis in selten gewordenen Techniken.

mehr
02. April 2026

Mehr Schreinerhandwerk: Nachwuchs-Workshops 2026

Du absolvierst aktuell eine Schreinerlehre und möchtest deine Fähigkeiten auf die nächste Stufe heben? Dann sind die dreitägigen Intensiv-Workshops in Brienz genau das Richtige für dich.

mehr
02. April 2026

Werde das Gesicht des Schreinernachwuchses

Du absolvierst eine Schreinerlehre, liebst deinen Beruf und möchtest das auch nach aussen zeigen? Dann haben wir genau das Richtige für dich: Für unseren neuen TikTok-Nachwuchskanal suchen wir eine Botschafterin und einen Botschafter, die den Schreinerberuf authentisch, kreativ und mit Begeisterung präsentieren. Auf dem Kanal zeigst du, was unseren Beruf so besonders macht – vom Werkstattalltag über spannende Projekte bis hin zu echten Einblicken in deine Ausbildung. Du wirst zum Gesicht einer neuen ­Generation von Schreinerinnen und Schreinern und inspirierst andere Jugendliche für diesen vielseitigen Beruf.

mehr

weitere Artikel zum Thema:

Lehrziit