Auftritt ohne Nebengeräusche

Global gesehen ist die Trittschalldämmung für feste Böden aufgrund der meist schwimmenden Verlegung ein grosses Thema. Bild: Christian Härtel

Trittschalldämmung.  Unterlagen zur Verminderung des Trittschalls durch das Begehen von Parkett-, Laminat- und Designböden müssen mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Bei trockenen Bodenaufbauten kommt man um eine Auseinandersetzung damit nicht umhin.

Mit jedem Schritt erzeugen wir Schwingungen auf die Bauteile. Damit sich diese nicht auf benachbarte Bauteile fortsetzen und an anderer Stelle, wie etwa dem darunter liegenden Raum, als Luftschall abstrahlen, braucht es Massnahmen dagegen.

In der Schweiz wird Parkett in der Regel mit dem Unterlagsboden fest verklebt. Die nötige Entkoppelung findet dann in dieser Ebene, dem Estrich, nach dem sogenannten Masse-Feder-Prinzip statt. Der schwere und damit schwingungsarme Unterlagsboden ruht auf einer Dämmschicht der Deckenplatte. Die Massen sind voneinander entkoppelt, der Trittschall hat keine Chance. Bei Vinylböden ist der Anteil schwimmend verlegter Beläge höher, aber noch häufiger werden Designböden und Laminat schwimmend verlegt. Diese brauchen eine Trittschalldämmung unter der Sichtebene und am Rand zu den Wänden, damit Schwingungen nicht übertragen werden. Viele Böden können heute sowohl schwimmend verlegt als auch verklebt werden. Denn je nach Land sind die Vorlieben unterschiedlich. Und da die Hersteller von Böden international tätig sind, müssen sie stets alle Varianten im Blick haben.

Wichtige Vorteile der schwimmenden Verlegung sind der zügige Arbeitsfortschritt in sauberem Arbeitsumfeld und die einfache, sortenreine Trennung der Materialien bei einem dann weitestgehend zerstörungsfreien Rückbau des Bodens, wenn dieser ausgedient hat. Gewichtige Vorteile der verklebten Böden sind die Widerstandsfähigkeit bei hoher Belastung, etwa bei der gewerblichen Anwendung, sowie deren Eignung bei Fussbodenheizung. Denn auch Trittschallunterlagen erhöhen den Wärmedurchlasswiderstand, während der dünne Aufbau mittels direkten Verklebens dann oft von Vorteil ist.

Zielkonflikte sorgen für Vielfalt

Nicht zuletzt wegen der konkurrierenden Ziele gibt es eine ansehnliche Vielfalt bei den Trittschallunterlagen. Den Schall dämmen, Feuchtigkeit aussperren, Wärme durchlassen und je nach Boden und Anwendung nicht zu weich und nicht zu hart sein für ein angenehmes Gefühl beim Begehen – so lassen sich die Ansprüche an die leichten Matten-, Rollen- oder Faltware zusammenfassen. Je nach Priorität der Anforderungen gibt es von den Herstellern das geeignete Produkt. Die dynamische Steifigkeit etwa verrät die Weichheit einer Trittschalldämmung. Je kleiner die dynamische Steifigkeit, desto weicher ist die Platte und desto höher ist in der Regel die Fähigkeit zur Abfederung der Schwingungen. Schlagfestigkeit und Punktbelastbarkeit sind weitere Parameter, die bei der Beurteilung eine Rolle spielen. Mit erdölbasierten Schaummaterialien lassen sich die gewünschten Eigenschaften am besten einstellen, weshalb Schäume etwa auf der Grundlage von Polyethylen, Polyurethan oder XPS bestehen können. Daneben kommen besonders eingestellte Kunststoffe wie High Density Polyethylen (HDPE) oder Polyolefinschaum zum Einsatz. Aluminiumschichten sorgen unter anderem für eine Feuchtigkeitssperre, was bei Neubauten mit langsam trocknenden Betondecken wichtig ist.

Die meisten Trittschalldämmungen liegen zwischen 1 und 5 mm Stärke, wobei 5 mm meist als Platte verlegt werden und nicht mehr als Faltplatte oder Rollenware hergestellt werden. Die Bodenbelagsmesse Domotex in Hannover bot in diesem Jahr eine gute Übersicht des Angebots in diesem Bereich. Viele Produkte erreichen beim Trittschall eine Verbesserung von 17 bis 22 dB. Einige wenige, wie die beidseitig mit Aluminium kaschierte Unterlage «Acoustic Silence 360» vom dänischen Hersteller Scan Underlay, bringen es bei nur 1 mm Materialstärke auf hervorragende 22 dB. «Viel zu teuer», sagt ein Mitbewerber an der Domotex über die dänische Exzellenz. Er produziere, was sich die Kundschaft wünscht, und nicht, was technisch möglich ist und am Ende nicht gekauft wird.

Der Markt scheint interessant, wie auch das neu gegründete Unternehmen XPFoam aus Leutkirch im Allgäu (D) zeigt. Die Firma produziert nach dem Umbau bereits bestehender Hallen technische Schaumstoffe aus extrudiertem Polystyrol in Grossrollen und Faltplatten für die Bodenindustrie. «Wir sind stolz auf unsere 100%-Recyclingquote. Abfälle oder gebrauchtes Material lässt sich ohne Verlust oder besondere Massnahmen wieder vollständig in den Produktionskreislauf einbinden», sagt Michael Mayer, Geschäftsführer der XPFoam GmbH.

Nachhaltigkeit ist schwer zu beurteilen

Auch natürliche Materialien kommen für Trittschalldämmungen öfter zum Einsatz, zumindest in einigen Ländern Mitteleuropas. Diese sind aus Kork, Wolle, verschie-denen Fasern wie Hanf oder Flachs. Der portugiesische Hersteller LDM verwendet dafür Latex. Das Material hat spezielle Eigenschaften wie eine hohe Punktelastizität und ist langlebig. Auch beim Anfassen hat man einen eher wertigen Eindruck vom Latex, wobei unter dem Begriff Latex auch die synthetischen Varianten oder Mischungen mit Naturlatex zusammengefasst werden.

Die natürlichen Materialien liefern zumindest teilweise Werte, die denen der technischen Schäume entsprechen, allerdings sind sie dabei tendenziell etwas stärker im Dickenmass. So bringt es die Holzfaserplatte von Steico mit 5 mm laut Hersteller auf eine Trittschallreduktion von 19 dB. Für reine Korkunterlagen finden sich Werte von 17 dB bei 2 mm Materialstärke, wie sie etwa der Parketthersteller Haro anbietet. Auffallend ist, dass die Fähigkeit zur Wiederverwertung sowie die tatsächliche Recycling-quote, sprich der Anteil an eingesetztem Altmaterial in der Produktion, bei den Herstellern synthetischer Dämmungen ein wichtiges Thema geworden ist. «Während das komplexe Feld der Nachhaltigkeit eher in Mitteleuropa thematisiert wird, sehen wir weltweit eine zunehmende Wichtigkeit in puncto Recycling», bestätigt Fabian Kölliker, Head of Group Marketing der Swiss Krono Group in Luzern. Das gilt für die Hersteller von Böden, aber auch für die Produzenten von Trittschallunterlagen. Alle scheinen inzwischen bemüht, den Anteil der wiederverwendeten Rohstoffe zu erhöhen und damit auch eine Kostensenkung zu erreichen. Mit einer steigenden Recycling-quote verändert sich womöglich die Bewertung der eingesetzten Materialien. Wenn erdölbasierte Stoffe immer wieder verwendet werden können, fällt ihre Ökobilanz deutlich besser aus.

Letztlich dürfte der Vergleich mit natür- lichen Produkten aber nicht nur eine Frage von Zahlen und Werten sein. Würden weltweit natürliche Materialien eingesetzt werden, müssten erhebliche Flächen und Ressourcen dafür aufgewendet werden. Wiederum werden viele der anfallenden natürlichen Rohstoffe wie Fasern bislang noch kaum beachtet für einen technischen Einsatz als Trittschalldämmung.

www.scanunderlay.dkwww.xpfoam.comwww.latexldm.comwww.selit.dewww.nostra-gmbh.at

Christian Härtel

Veröffentlichung: 29. Januar 2026 / Ausgabe 5/2026

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