Damit das Licht-Menü gelingt


Während der Spül- und Arbeitsbereich mit den Linearleuchten gut ausgeleuchtet ist, reicht das punktför-mige Spotlicht des Dunstabzuges zum Arbeiten nicht aus. Bild: Dibiesse S.p.A.


Während der Spül- und Arbeitsbereich mit den Linearleuchten gut ausgeleuchtet ist, reicht das punktför-mige Spotlicht des Dunstabzuges zum Arbeiten nicht aus. Bild: Dibiesse S.p.A.
Planung. Die Küche ist und bleibt zuerst eine Werkstatt und braucht deshalb eine Arbeitsbeleuchtung zur Zubereitung der Speisen. Dafür gibt es Lichtrezepte, die klaren Regeln folgen. Bei der Garnitur ist vieles möglich, Hauptsache, es «schmeckt».
«Die Farbe steckt im Licht», sagt der Ausstellungsplaner der Element-Küchen AG, Jean Philippe Gross. Was heissen soll: Wer Licht wirklich verstehen und damit auch spielen möchte, der kommt um die Kenntnis der Basics über die physikalischen Grundlagen nicht herum, «auch deshalb, weil man die angebotenen Lichtprodukte sonst nicht ein- ordnen kann.»
Um die Knackpunkte bei der heutigen Lichtplanung besser begreifen zu können, ist es hilfreich, sich auch die Veränderung durch den Einsatz von LED vor Augen zu führen. «Früher war die Beleuchtung mit Halogen einfacher zu bewerkstelligen als heute mit den LED. Man muss etwas tiefer einsteigen, wenn man das passende Rezept für das richtige Licht haben möchte», erklärt Marcel Halbheer, Produktmanager bei Element-Küchen AG. Denn während Halogen-Leuchten durchgängig warmes Licht um 3000 Kelvin und einen hervorragenden Indexwert bei der Farbwiedergabe von 100 Ra/CRI hatten, sind diese Fixpunkte durch die unterschiedlichen LED variabel geworden.
Betrachtet man rohes Fleisch bei einer kaltweisen Lichttemperatur von 6000 oder 7000 Kelvin, möchte man es am liebsten entsorgen. Und bei einem Farbwiederga- bewert von 75 Ra/CRI wirkt das eigentlich farbintensive Linoleum oder das HPL-Dekor doch ziemlich blass. Kommen von der Lichtstärke der Arbeitsbeleuchtung auf der dunklen Steinabdeckung am Ende nur 250 Lux an, wird der Kunde das wohl nicht als taugliches Arbeitslicht empfinden.
Man muss aber nicht gleich einen Uniabschluss in Physik haben, um mit Licht umgehen zu können, denn am Ende ist die richtige Wahl zu einem Teil eben auch persönlicher Geschmack. Viel wichtiger: Nicht selten fehlen Angaben, um die Wirkung richtig einordnen zu können, sowohl bei Leuchtprodukten als auch bei den Geräten zur Küchenausstattung. Eine besondere Bedeutung kommt hier der integrierten Beleuchtung in Dampfabzugshauben zu.
ür einen gehörigen Fallstrick bei der Lichtplanung in der Küche sorgt die oft mit LED-Licht versehene Dunstabzugshaube. Nicht selten kann man bei den Anbietern Angaben finden wie «helles und klares Licht, sechs LED». Doch damit kann man nicht planen. «Der Schreiner sollte beim Einkauf von Dunstabzugshauben mit integrierter Beleuchtung auf jeden Fall Angaben zu Lichtstärke, Lichttemperatur (-farbe) und dem Farbwiedergabewert einfordern», so Mike Kroll von KMD Industrievertretun-gen. «Die Berücksichtigung des Lichtes vom Dampfabzug ist wichtig. Wird das nicht beachtet, kann dieser ein Lichtkonzept sprengen», bestätigt Halbheer.
Offensichtlich haben die Hersteller von Geräten hier noch Hausaufgaben zu erledigen, was es für den Schreiner nicht einfacher macht. «Wir haben schon bei den schönsten und teuersten Hauben die Spots wechseln müssen. Offensichtlich setzen einige Hersteller von Dunstabzugshauben billige Ware bei den Leuchten ein, die dann nicht passend funktionieren. Das hindert diese aber nicht daran, dem Schreinerkunden für die Beleuchtung einen hohen Aufpreis zu verrechnen, der dann aber durch nichts gerechtfertigt ist», weiss Kroll.
Erfahrung mit den mangelnden Angaben beim Licht in Dunstabzugshauben hat auch die Brunner Küchen AG. «Wir verwenden deshalb Dampfabzüge ohne Beleuchtung und bauen dann die LED selbst ein. So haben wir in der gesamten Küche dasselbe Licht und die ganze Sache im Griff», erklärt Thomas Strebel, verantwortlich für den Einkauf. Auf Mischungen verschiedener Lichttemperaturen verzichtet Strebel lieber, zumal es das nicht braucht und stets heikel ist.
«Das Wichtigste ist die Arbeitsplatzbeleuchtung in der Küche. Akzent- und Stimmungsbeleuchtung sind schön und hilfreich, aber natürlich grundsätzlich nicht notwendig», weiss Halbheer. Damit die Küche als Arbeitsraum ein entsprechendes Licht zum Zubereiten der Speisen hat, sollte dieses eine blend- und schattenfreie Ausleuchtung der Arbeitsfläche aufweisen.
Doch schon bei der Wahl der bevorzugten Farbtemperatur herrschen durchaus unterschiedliche Ansichten, denn zum Arbeiten sollte man tendenziell ein eher weisses Licht verwenden, das den Benutzer weniger in eine schummrige Stimmung versetzt. Andererseits wirken Speisen und Zutaten in warmweissem Licht doch deutlich appetitlicher. Ein Kompromiss liegt bei etwa 4000 Kelvin. Bei dieser bereits neutralweissen Lichttemperatur wirkt auch eine frische Brot- krume noch knusprig, ist aber schon deutlich frischer bei stimmungsvollem Warmweiss. «Wichtig ist auch der Ra-Wert, damit das rauskommt, was man sich wünscht. Kann eine minderwertige LED nicht das ganze Farbspektrum abdecken, kann auch die Farbe nicht gut empfunden werden», erklärt Halbheer. Damit die rote Tomate wirklich als rot gesehen und der Garzustand der Speisen auch visuell beurteilt werden kann, braucht es einen Ra-Wert möglichst nahe 100. Sehr gute LED-Produkte erreichen inzwischen einen Indexwert bei der Farbwiedergabe von 95 Ra/CRI. Aber 85 bis 90 Ra/CRI stellen für LED auch schon gute Werte dar.
Umsetzbar ist das unverzichtbare Arbeitslicht in vielen Varianten. Ob dabei einzelne Flächen- oder Linearleuchten zum Einsatz kommen, ist wiederum Geschmackssache. Wichtig ist jedoch eine flächige Ausleuchtung, weshalb Einzelleuchten einen grossen Abstrahlwinkel aufweisen sollten. Der stark gerichtete Lichtstrahl eines Spots zur Akzentbeleuchtung ist hier völlig fehl am Platz.
Zur Einschätzung, wie viel Licht auf der Oberfläche der Abdeckung tatsächlich ankommt, nützen die Wattangaben der LED wenig. Das Lichtverteilungsdiagramm einer Leuchte gibt Auskunft darüber, welche Beleuchtungsstärke, in Lux angegeben, in einem bestimmten Abstand von der Leuchte herrscht und wie sich dabei die Lichtverteilungsfläche und der Abstrahlwinkel verhalten. Daraus abgeleitet, ist die Festlegung auf Anzahl und Abstand der erforderlichen Leuchten möglich, damit die Arbeitsfläche gut ausgeleuchtet ist.
«500 Lux müssen auf der Oberfläche der Küchenabdeckung ankommen, und das als flächiges Licht», weiss Kroll. Mit einzubeziehen ist jedoch die Material- und Farbwahl der Konstruktion. Eine dunkle Steinabdeckung etwa oder auch die dunkle Rückwand absorbieren einen gehörigen Teil des Lichtes, weshalb es dann stärkere Leuchten braucht. Ist die Küche hell oder weiss, wird Glas oder Edelstahl eingesetzt, oder ist vielleicht sogar die Rückwand hinterleuchtet, wird ein grosser Anteil des Lichts reflektiert, die Quellen überlagern sich und es darf dadurch etwas weniger sein. Bei der Brunner Küchen AG legt man besonderes Augenmerk auf eine gut dimensionierte Arbeitsbeleuchtung. «Damit der Kunde auch gedämpftes Licht geniessen kann, verwenden wir dimmbare Leuchten», so Strebel.
Nicht selten werden auch Kochinseln realisiert, bei denen der Bereich darüber völlig frei bleibt, weil sich der Dunstabzug in der Abdeckung absenken lässt. Dann können auch Pendelleuchten das Arbeitslicht liefern, was der Küche darüber hinaus eine äusserst wohnliche Atmosphäre verleiht.
Stimmungs- und Akzentlicht inszenieren die Küche zusätzlich. «Der Kunde hat Wünsche und Ideen, die können auch einfach stylisch sein. Er hat diese vielleicht in Zeitschriften gesehen und möchte auch so etwas. Dann geht es darum, Bescheid zu wissen, wie eine Sockel- oder Kantenbeleuchtung am Korpus sein kann», weiss Halbheer. Manche Kunden möchten gerne ein neutralweisses, eher technisch wirkendes Licht und dann am liebsten Spots. In jedem Fall sollten diese getrennt geschaltet sein, damit man das Stimmungslicht nach dem Benutzen der Küche abseits des Arbeitslichts auch seperat bedienen kann.
Einen ausdrucksstarken Effekt erzeugen durchleuchtete Glasrückwände, vor allem, wenn sie bedruckt oder beschichtet als Diffusor wirken. Ein gutes Arbeitslicht vorausgesetzt, braucht es dann kaum weitere Lichtquellen, damit das feine Element seine Wirkung voll entfalten kann.
Veröffentlichung: 13. März 2014 / Ausgabe 11/2014
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