Das Haus denkt mit

Über das simple Ein- und Ausschalten von Geräten aus der Ferne hinaus sollen die Einrichtungen und Geräte in Smarthome-Systemen auch miteinander interagieren können. Illustration: Gerd Altmann (Pixabay)

Smarthome.  Mit der Überwachung und Fernsteuerung einzelner Funktionen ist ein Haus noch lange nicht «smart». Ziel müsse es vielmehr sein, dass Haustechnik und Geräte miteinander interagieren können, sagt Experte Tobias Kistler. Noch sind aber nicht alle Systeme durchlässig.

Schreinerzeitung: Wo nutzen Sie im Alltag selbst Smarthome-Funktionen?

Tobias Kistler: Ich habe schon berufsbedingt ein grosses Interesse am Thema und nutze Smarthome daher auch privat sehr häufig. Vieles ist bei mir vernetzt – auch um Sachen auszutesten und auszuprobieren: Beleuchtung, Beschattung, Heizung, alles Mögliche an Raumautomation also.

Warum nutzen Sie diese Funktionen, welchen Vorteil haben Sie davon?

Da ist einmal der Energieaspekt. Ich kann damit etwas Strom sparen. Der grössere Nutzen aus meiner Sicht ist jedoch der Komfort. Für mich definiert sich «Smart- home» nicht einfach über das simple Ein- und Ausschalten via Handy. Das ist zwar schön und cool, aber nicht der eigentliche Nutzen einer Vernetzung. Vielmehr ist es die Möglichkeit, dass ein Gebäude als Ganzes mit mir interagieren kann – und dass auch Stimmungen abgerufen werden können. Wenn ich also abends nach Hause komme, und fernsehen will, dann klicke ich auf einen Schalter oder sage es meinem System. Und nun schaltet sich der TV ein, die Storen gehen runter, das Licht wird gedimmt und so weiter. So sehe ich die weitergehende Vernetzung. Dazu gehört auch eine Sprachsteuerung.

Sie erwähnten den Komfort als wesentlichen Nutzen. Was heisst das genau?

Ein aktuelles Beispiel: Ich bin am Kochen und meine Hände sind schmutzig. Dann sage ich dem System, dass ich nun fliessendes Wasser benötige. Ich muss die Armatur nicht anfassen. Ein anderer Aspekt ist klar die Sicherheit. Ich kann von unterwegs sehen, ob und wo Türen oder Fenster offen stehen, ob der Kochherd abgeschaltet ist. Ich kann auch das vergessene Bügeleisen von unterwegs abschalten.

Jemand renoviert sein Haus und setzt neue Fenster ein. Auch die 30-jährige Küche will ersetzt sein. Geht Smart-home bei einem Umbau überhaupt?

Bei Umbauten stellt sich immer die Frage, wie viel und wie stark eingegriffen werden soll. Wenn nur einzelne Räume saniert werden, ist man in Sachen Smarthome stärker eingeschränkt. Hier greift man dann häufig zu Funksystemen, weil eine umfassende Nachrüstung mit Verkabelung sehr aufwendig wird. Wenn ein Haus oder eine Wohnung aber grundsaniert wird und der Bauherr ein längerfristiges Ziel ins Auge gefasst hat, empfiehlt sich eine Verkabelung und damit eine Vernetzung der Funktionen im ganzen Gebäude. Funklösungen per WLAN funktionieren heute zwar sehr zuverlässig, kabelgebundene Systeme bieten jedoch weiterhin Vorteile hinsichtlich Stabilität, Verfügbarkeit und langfristiger Betriebssicherheit.

Welche Möglichkeiten von Smarthome lassen sich punkto Komfort und Sicherheit am ehesten realisieren?

Bei der Sicherheit sind es die Fensterkontakte, die einem anzeigen, ob die Fenster offen oder geschlossen sind. Als Planer müssen wir uns zunächst klar werden, was Kunden für sich unter Smarthome verstehen, welche Bedürfnisse und Erwartungen sie an das Smarthome stellen. Gewisse Kunden haben schon einen Mehrnutzen, wenn sie nach einem Umbau das Licht nach Belieben dimmen können; etwas, das sie vor dem Umbau noch nicht konnten. Das muss besprochen werden. Geht es um Sicherheit? Geht es in Richtung Alarmierung, Alarmanlage? Oder ist vor allem mehr Komfort gefragt? Dann stehen die Themen Beleuchtung, Beschattung oder Heizung im Zentrum.

Und wie steht es um die Einbindung moderner Küchengeräte?

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Küchengeräte in sich geschlossene Smarthome-Einbindungen haben, die via WLAN-Adapter funktionieren. Man kauft ein Gerät eines bestimmten Herstellers, das einem mitteilt, wenn die Backzeit abgelaufen ist. Das Gericht ist fertig. Sie können es rausnehmen und den Backofen ausschalten. Doch das sind meistens nicht offene Hersteller-Einbindungen, die an eine spezifische App gebunden sind. Schöner und besser wäre es, wenn die Möglichkeiten eines Backofens mit einem Gesamtsystem verknüpft werden könnten. Dazu dürften die Funktionen nicht im Hersteller-Universum eingeschlossen bleiben.

Womit wir beim Thema Schnittstellen wären. Da steht es noch nicht zum Besten?

Nein. Da gibt es noch keine Allzwecklösung. Ich kann nicht einfach beliebig etwas zukaufen und meinen, ich könne es ins Smarthome einbinden. Wer das möchte, muss vor der Anschaffung von Geräten gut hinschauen. Hier geht es um die Protokolle, die definieren, wie zwei Geräte miteinander kommunizieren. Ein neues, aufstrebendes Protokoll ist «Matter», das von einer Vielzahl führender Hersteller und Technologieunternehmen unterstützt wird, darunter Apple, Google, Amazon und Samsung. «Matter» könnte vielversprechend sein für weitergehende Smarthome-Vernetzungen.

Wie sieht es mit der Bereitschaft der Hersteller aus, ihre Protokolle offenzulegen, um Schnittstellenprobleme zu lösen?

Dazu gibt es mittlerweile mehr und mehr Druck, weil andere das immer mehr von sich aus offenlegen. Es gibt schon seit Längerem offene Standards, zum Beispiel «Dali» im Bereich der Beleuchtung, der sich über die Jahrzehnte verbreitete. Bauen ist grundsätzlich etwas sehr Individuelles und jeder Bau ist für sich neu. Durchgängige Standards sind noch eher eine Seltenheit. In der Industrie mit serieller Produktion sind offene, durchgängige Standards seit Längerem gang und gäbe.

Was raten Sie Bauherren oder auch Planern?

Es braucht einen Partner, mit dem man sich absprechen kann, egal ob das nun ein Leuchtenhersteller, ein Elektriker oder eine Informatikerin ist. Es braucht einen Partner, der die Systeme versteht und der auch eine Empfehlung machen kann. Denn das Kerngeschäft von Schreinern ist natürlich etwas anderes. Was wir bei Küchenumbauten viel antreffen, sind Insellösungen. Eine isolierte Lösung mit «Zigbee» ohne Integration in ein Gesamtsystem bietet nur einen Teil der Möglichkeiten eines Smarthome. Man kann zwar damit einiges steuern, zum Beispiel die Farbe des Lichts. Doch die Beleuchtung oder das Küchengerät kommuniziert eben noch nicht mit anderen Geräten.

Wie lässt sich das ändern?

Es gibt bereits Systeme, um Geräte zu vernetzen. Allerdings ist es meist so, dass Kunden sich am freien Markt für Geräte eines Herstellers entscheiden und dann erst später merken, dass sie sich nicht recht in ein Smarthome-System einbinden lassen. Das ist ein häufiger Fehler in der Planung, der sich mit dem erwähnten Beizug von Expertenwissen vermeiden liesse. Hinzu kommt das weitverbreitete Denken in einzelnen Gewerken: Der eine ist für die Sanitärarbeiten zuständig, der andere für die Heizung und wiederum jemand anderes für die Elektrik. Ein wirklicher Austausch untereinander findet dabei oft kaum statt. Dies betrifft auch Schreiner, da sie heute zunehmend Schnittstellen zu Beleuchtungs-, Beschattungs- und Smarthome-Systemen berücksichtigen müssen.

Was heisst das für die Projektplanung?

Frühzeitig miteinander zu reden und dabei die Berühungspunkte und Schnittstellenprobleme festzuhalten – und nochmals: Expertenwissen beschaffen ist zentral. Vor zwanzig Jahren war jemand schon glücklich, wenn sich das Licht dimmen liess. Vielleicht gab es noch eine Alarmanlage im Haus. Heute geht man aber so weit, dass vom Garagentor über die Ladestation fürs E-Auto und die Photovoltaikanlage bis hin zum passenden Licht für die morgendliche Rasur sich alles «smart» bedienen lässt – und das möglichst per Sprachsteuerung. Und dazu sollte man von allen Systemen wenigstens ein bisschen etwas verstehen.

Wie steht es um die Sicherheit von Smarthome-Systemen?

Auch in diesem Bereich gilt es, sich die richtigen, ernsthaften Überlegungen anzustellen. Es gibt zahlreiche Bestrebungen für Sicherheit, denn es wird immer anspruchsvoller, sie zu gewährleisten.

Warum?

Historisch gesehen, ist die sogenannte operative Betriebstechnologie (OT) für Gebäudeautomation primär auf Funktionalität ausgelegt worden und nicht auf Betriebssicherheit. Das ist der umgekehrte Weg als jener der IT, die schon immer auf Sicherheit getrimmt war. Automationssysteme wie erwähnt eben nicht. Nun werden aber solche Systeme, wie jene für Smarthome, immer häufiger auch zu Angriffszielen. Jetzt werden spezielle Sicherheitsprotokolle programmiert. 128-Bit-Verschlüsselungen und anderes mehr kommt zum Einsatz. Die Kehrseite dieser Entwicklung ist, dass die Systeme tendenziell komplexer und auch teurer werden. Es gilt aber auch zu sagen: Systemkritische Gebäude und Privatliegenschaften stellen ja nicht die gleichen Anforderungen. Und bei systemkritischen Gebäuden ist es dann unter Umständen auch besser, aus Gründen der Sicherheit bewusst auf Automation zu verzichten. Hier wird sich noch einiges ändern in den nächsten Jahren. In Zeiten von KI hat auch eine 128-Bit-Verschlüsslung ihre Grenzen.

Und wenn nun doch einmal der Strom ausfallen sollte?

Was das Licht betrifft, hat ein Stromausfall bei einer smarten Beleuchtung die gleichen Folgen wie bei einer konventionellen und ist nicht weiter dramatisch. Aber klar, es gibt Lösungen, um Stromausfälle zu überbrücken, die für kürzere oder längere Zeit zum Einsatz kommen können, etwa Batterien oder Dieselgeneratoren. Hier stellt sich im Vorfeld die Frage, was alles an eine Notstromversorgung angeschlossen werden muss. Waschmaschine oder Backofen vielleicht nicht, bei Beleuchtung oder Alarmanlagen sieht es schon anders aus.

Und bei Schliesssystemen?

Auch Schliesssysteme können natürlich ohne Strom nicht mehr funktionieren. Es sollte aber nicht so sein, dass eine Liegenschaft gar nicht mehr zugänglich ist. Hier rate ich persönlich dazu, dass wenigstens ein Zugang auch bei einem Stromausfall funktioniert. Es kann ja auch einmal ein Bauteil einfach kaputtgehen, und dann käme man ja auch nicht mehr rein, trotz Strom.

Kurz gesagt: Was lässt sich bei einem Umbau in Sachen Smarthome gut umsetzen, was weniger?

Was sicher gut geht, sind Beleuchtungen. Hier stellt sich die Frage nach den Leuchtmitteln. Sollen die bestehenden weiterhin verwendet werden oder soll komplett alles gewechselt werden? Heizung könnte etwas kompliziert werden, je nach Heizsystem. Radiatoren sind da einfacher, weil einfach die seitlichen Messknöpfe durch solche mit Funk ersetzt werden können. Heizungen mit einem zentralen Stellantrieb sind da doch etwas komplizierter. Beschattungen nachzurüsten auf Smarthome ist recht aufwendig. Es gibt zwar auch Funklösungen, man muss aber zu jedem Storenkasten hin können. Und es braucht bauliche Massnahmen, die recht aufwendig werden können.

Welche Smarthome-Funktion würden Sie sich noch wünschen?

Das ist eigentlich keine spezifische Funktion, sondern dass sich auch alle zugekauften Geräte in ein Smart-Home-System integrieren liessen, damit die Geräte interagieren können.

Zur Person: Tobias Kistler

Der Spezialist für Gebäudeautomation und Energieeffizienz Tobias Kistler (34) ist Mitinhaber und Geschäftsführer der Firma Härz AG in Gommiswald SG. Er ist gelernter Elektromonteur. Nach mehreren Jahren Berufserfahrung und verschiedenen Projekten zum Thema Gebäudeautomation schloss er 2022 ein Studium zum Diplomierten Techniker HF in Energie und Umwelt ab.

 

Stefan Hilzinger

www.haerz.swiss

 

Veröffentlichung: 04. Juni 2026 / Ausgabe 23/2026

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