Das heutige Schreinerhandwerk abgebildet


Ablösung: Die neue SIA-Norm 241 fällt einiges ausführlicher aus als die alte. Bild: Nicole D’Orazio


Ablösung: Die neue SIA-Norm 241 fällt einiges ausführlicher aus als die alte. Bild: Nicole D’Orazio
Regelwerk. Die SIA-Norm 241 «Schreinerarbeiten» von 2015 fiel sehr knapp aus und war veraltet. Eine Kommission hat sie vollständig überarbeitet, die neue ist seit November 2025 in Kraft. Pierre Scheidegger, der die Gruppe leitete, erzählt, wie es lief und was sich geändert hat.
Ja. Die Kommission hat zwischen drei bis vier Jahre investiert.
Das macht der SIA. Giuseppe Martino von der Geschäftsleitung hat mich als Präsident vorgeschlagen, weil ich schon lange dabei bin. Zudem achtet man darauf, dass auch angegliederte Verbände beziehungsweise solche vertreten sind, die ein Grundinteresse an der Norm haben. Deswegen sind der Küchenbau und die Innenarchitekten hinzugezogen worden. Mit Stefan Schrader hatten wir auch jemanden von Ecobau dabei, einem Verein, in dem sich Bauämter von Bund, Kantonen und Städten zusammengeschlossen haben mit dem Zweck, das ökologische, kreislauffähige und gesunde Bauen breit zu verankern. Ein interessanter Mann, der die Lignum-Dokumentationen zur Raumluftqualität verfasst hat.
Sehr gut. Natürlich haben wir viel diskutiert, aber konstruktiv. Während des Prozesses haben wir bei speziellen Themen auch immer wieder Unternehmer, Experten von Fabrikanten oder Personen aus der Bereichskommission eingebunden. In den letzten Jahren gab es in der Branche zum Beispiel am meisten Diskussionen um Kunstharzoberflächen. Diese haben entweder eine Beschichtung oder einen Belag. Letzteren erkennt man an den schwarzen Ecken entlang der Kanten, was mit der Dicke der Beläge zu tun hat. Bei Kunstharzbelägen wurde von Unternehmern jeweils gerne etwas getrickst, indem sie von «werksbelegt» sprachen. Deswegen holten wir Experten von Herstellern dazu, um das Thema genau zu regeln.
Oberflächenbehandlungen werden neu Oberflächenbeschichtungen genannt, auch wenn das jahrelang ein geläufiger Begriff war. Da haben wir uns den anderen Berufsgattungen, insbesondere den Malern, angepasst. Das ist für mich auch noch ungewohnt. Wir haben bei den Beschichtungen auch die Mindestschichtdicken angegeben, was Grundierungen oder Fertigbehandlungen für innen wie aussen anbelangt. Ansonsten haben wir das heutige Schreinerhandwerk abgebildet. Daher sollte die Norm allen Schreinerinnen und Schreinern geläufig sein, weil sie dem State of the Art entspricht.
Ja, sie muss allerdings im Werkvertrag vereinbart werden, denn sie ist nicht allgemeinverbindlich. Lediglich die Normen 180 «Wärme- und Feuchteschutz» sowie 181 «Schallschutz im Hochbau» wurden von den Kantonen für allgemeinverbindlich erklärt. Sie haben somit Gesetzescharakter.
Das gehört halt zum Geschäftsmodell des SIA. Alle Normen müssen gekauft werden. Schaden kann es sicher nicht, wenn die 241 in den Betrieben vorhanden ist, es ist aber kein Muss. Wenn es spezifische Fragen gibt, können sich Unternehmerinnen oder Unternehmer an die Abteilung Technik & Betriebswirtschaft des VSSM wenden. Wir helfen gerne weiter, können aber keine Kopien abgeben.
Ja. Die CRB, die Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung, wird nun die Ausschreibungstexte, zum Beispiel für Küche oder Wandschränke der Norm anpassen. Mit diesen arbeiten Architekten. In ein paar Jahren wird die Norm sicher wieder überarbeitet werden, um aktuell zu bleiben. Diesmal wurde zehn Jahre gewartet, die Version davor datierte sogar von 1988.
Ja, sehr. Meine Erwartungen wurden übertroffen, weil die Kommission so viel einbringen konnte. Gefreut hat mich zudem, dass wir in der Vernehmlassung kaum Rückmeldungen erhalten haben. Unser Vorgehen, schrittweise zu kommunizieren und Fachleute themenspezifisch einzubinden, war richtig. Die Arbeit machte Spass und hat mich gefordert.
Fünfköpfige Kommission am Werk
Die Kommission SIA 241 «Schreinerarbeiten» bestand aus folgenden Personen, welche die Norm überarbeiteten: Marco Kaufmann, Gommiswald SG (Vertreter von Küche Schweiz), Stefan Schrader, Zürich (Ecobau), René Weiss, Sulz AG (VSI.ASAI), und Urs Zurbuchen, Amlikon TG (VSSM). Präsidiert wurde die Kommission von Pierre Scheidegger, Wallisellen ZH, Projektleiter Technik & Betriebswirtschaft beim VSSM. Zudem wurden jeweils Experten und Unternehmende für Spezialthemen oder auch allgemeine Fragen beigezogen.
Veröffentlichung: 15. Januar 2026 / Ausgabe 3/2026
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