«Das Planen des Möbels war anspruchsvoll»


Für ein Sportgeschäft durfte Sophia Kempf ein modernes Buffet selbst gestalten und herstellen. Bild: Mengelt & Gisler AG


Für ein Sportgeschäft durfte Sophia Kempf ein modernes Buffet selbst gestalten und herstellen. Bild: Mengelt & Gisler AG
Für einen Kunden konnte die Schreinerei Mengelt & Gisler AG aus Flüelen UR ein modernes Buffet anfertigen. Die Lernende im dritten Lehrjahr Sophia Kempf durfte den Auftrag von Anfang bis zum Ende übernehmen. Wie das gelaufen ist, erzählt die 18-Jährige im Monatsinterview.
Wie kam es dazu, dass du das moderne Buffet selbst planen und bauen durftest?
Sophia Kempf: Für das Sportgeschäft der Schwester meines Chefs wurde ein Präsentationsmöbel benötigt. Schliesslich fragte mich mein Chef, ob ich Lust hätte, das Möbel selbst zu planen und zu realisieren. Er fand, dass dies eine gute Lehrlingsarbeit sei.
Was fandest du schwierig?
Vor allem das Planen war anspruchsvoll: die vielen Details zu klären und auch bei der Bestellung an alles zu denken, auch an Dinge, an die man normalerweise nicht denkt. Vom Lehrlingsausbildner bekam ich aber gute Unterstützung, er zeigte mir wichtige Dinge beim CAD-Zeichnen und wie das Bestellen funktioniert.
Gab es Vorgaben, die du dabei einhalten musstest?
Ja. Im Raum gibt es einen Deckenträger und der Boden ist ein Eichenparkett. Darum musste die Höhe des Möbels stimmen und das Möbel aus Eiche sein. Ausserdem musste es einfach zu verschieben sein, weshalb ich Räder einplante. Dabei musste ich darauf achten, dass die Räder für Parkettboden geeignet, also genügend weich sind.
Woraus ist das Buffet?
Aus Spanplatte, die mit Eichenfurnier belegt ist.
Was bereitete dir am meisten Freude am Auftrag?
Das Möbel selbst zu planen und dann umzusetzen. Weil ich so direkt sehen konnte, ob die geplanten Details funktionierten oder ob ich mich zu wenig damit auseinandergesetzt hatte.
Wie gestaltete sich die Planung und Produktion?
Zuerst erstellte ich eine Konstruktionsskizze von Hand, dann zeichnete ich im 2D-CAD-Programm den Plan. Hier musste ich nach guten Detaillösungen für Beschläge, Schubladen, Griffleiste und Räder suchen.Dann schnitt ich das Material an der Striebig zu und bekantete die Teile am Kantenleimer. Die Gehrungsschnitte der oberen Korpusse machte ich an der Tischkreissäge, die CNC kam nicht zum Einsatz. Schliesslich baute ich das Ganze zusammen.
Kannst du noch etwas genauer auf die Details eingehen?
Der obere Teil, also die offenen Korpusse, ist mit Rampa-Muffen mit dem unteren Korpus verbunden, so lässt er sich demontieren. Die oberen Korpusse habe ich mit Clamex zusammengemacht, dabei musste ich darauf achten, dass die Löcher zum Anziehen der Clamex-Verbinder jeweils auf der nicht sichtbaren Seite liegen. Für das Türgriffprofil fräste ich eine Nut mit der Oberfräse und klebte es dann ein.
Hast du schon einmal einen Kundenauftrag ganz alleine ausgeführt?
Nein, das war mein erster Auftrag, den ich selbstständig planen und realisieren durfte.
War Schreinerin deine erste Berufswahl?
Zuerst wollte ich Landschaftsgärtnerin werden und machte eine Schnupperlehre, ging dann aber noch als Schreinerin schnuppern. Das gefiel mir viel besser, darum entschied ich mich für die Schreinerlehre.
Wie bist du zur Mengelt & Gisler AG gekommen?
Meine Lehre wollte ich in einem Betrieb machen, der möglichst nah von zu Hause ist. Darum habe ich unter anderem hier für eine Schnupperlehre angefragt. Ich bekam noch von drei anderen Schreinereien eine Zusage für eine Lehrstelle, habe mich aber für diese entschieden.
Wie sehen deine Aufgaben im Alltag aus?
Die sind ganz verschieden: Das können Montagen, Arbeiten mit Massivholz oder Innenausbauten sein. Einzig Treppen und Fenster machen wir nicht.
Welche Arbeiten magst du?
Am liebsten baue ich Möbel zusammen, da sieht man am Abend gut, was man am Tag gemacht hat.
Gehst du gerne zur Schule?
Grundsätzlich schon, sie ist aber etwas theoretisch. Die Lehrer versuchen aber gut, die Theorie mit der Praxis zu verbinden.
Weisst du, was du nach dem Abschluss machen möchtest?
Nein, das weiss ich noch nicht genau, ich werde aber sicher auf dem Beruf bleiben.
Interview mit
Sophia Kempf (18) aus Altdorf im Kanton Uri. Sie macht ihre Lehre zur Möbelschreinerin EFZ bei der Mengelt & Gisler AG in Flüelen UR und ist zurzeit im dritten Lehrjahr. In ihrer Freizeit bastelt und zeichnet sie gerne. Unter anderem gestaltet sie individuelle Karten mit Handlettering, malt Aquarelle, etwa von Kühen (siehe unten). Tatkräftig unterstützt die Urnerin auch ihren Onkel auf seinem Bauernhof, wo sie die Kühe melkt.
Veröffentlichung: 05. März 2026 / Ausgabe 10/2026
43 Lernende im vierten Lehrjahr machten beim Wettbewerb der Luzerner Schreiner «Art in Wood 2026» mit. Nach 18 Monaten Arbeit reichten die Lernenden ihre Möbel ein. Mit 77,4 Punkten sicherte sich Sheila Kunz den ersten Platz.
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