Zwei «Böse» erhalten zwei schön schräge Möbel

Die TV-Möbel sind für den Gabentempel zweier Schwyzer Schwingfeste bestimmt. Bild: Michael Iten

Für seine IPA hat der angehende Schreiner Michael Iten zwei TV-Möbel gefertigt: eines für das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest in Arth SZ, das andere für das Schwyzer Kantonale Schwing- und Älplerfest in Brunnen SZ. Itens Lehrbetrieb sponserte die beiden Möbel für den Gabentempel.

Wie kam es dazu, dass du den Auftrag ausführen konntest?

Michael Iten: Da ich dieses Jahr schon am Jungschreiner/innen-Contest des VSSM Schwyz mitmachte, war klar, dass ich einen Betriebsauftrag ausführen werde. Weil ich selber drei Jahre lang als Jungschwinger aktiv war, war ich sehr interessiert daran, die Möbel selbst herzustellen.

 

Wie hast du das Projekt umgesetzt?

Ich erhielt die Kundenzeichnung ohne die Bemassungen und Verbindungen. Das Design gab mein Chef vor. Wie ich die Details löse, konnte ich selbst bestimmen. Basierend darauf arbeitete ich Konstruktionsskizze, Plan sowie die 1:1-Detailzeichnungen aus. Anschliessend erstellte ich die Werkstoff- und Beschlägeliste und bestellte das Material. Nach dem Holzzuschnitt hobelte und schliff ich es. Die Beine wurden aufgedoppelt. Deshalb lamellierte ich sie, um ein Verrutschen zu verhindern, und verpresste die Teile dann in der Presse. Ich schnitt das Plattenmaterial für die Korpusse zu, belegte die Frontteile und leimte zuvor noch Anleimer für die späteren Griffmulden an. Erst baute ich den Korpus zusammen, steckte dann die aufrechten Beine dran, verschraubte sie von innen, steckte zum Schluss die oberen Friese drauf und verleimte sie mit den Beinen.

 

Kannst du noch etwas auf die Details eingehen?

Der Aussenkorpus ist auf Gehrung, dafür fräste ich die Nuten für die Winkelfedern auf der CNC, auch alle anderen Bearbeitungen führte ich an der Maschine aus. Der Innenkorpus ist gedübelt und geschraubt. Die Füsse haben eine Zinkenverbindung, die hat aber keine tragende Funktion und ist nur Dekoration. Die Beine sind 15 Grad geneigt, so auch die Kante der oberen Friese. Das fräste ich an der Kehlmaschine. Für die Griffprofile fräste ich an der CNC zuerst die Kante vor, anschliessend mit dem Griffprofilfräser nach. Für die Korpusverleimung leimte ich zuerst die Winkelfedern am Deckel beidseitig und unten an den Seiten ein. Dann verleimte ich ihn in der Korpuspresse. Damit die Gehrung durchgehend Druck hat, nahm ich noch Zulagenwinkel, die ich an den Ecken platzierte.

 

Durftest du das Material selbst bestimmen?

Nein, die Holzarten und Plattenfarben waren vorgegeben. Die Korpusse sind aussen mit Kunstharz Fenix Supermatt belegt, für die Innenteile nahm ich Duplex-Premium-Spanplatte. Die Massivholzteile sind aus Esche respektive Nussbaum.

 

Was konntest du bei diesem Auftrag lernen?

Die Planung dieses Möbels innert zwei Tagen war für mich eine neue Erfahrung. Zudem programmierte ich erstmals selbst in NC-Hops.

 

Gab es auch Schwierigkeiten bei der Herstellung?

Leider vergass ich, den Kabelausschnitt in der Rückwand auf der CNC zu machen. Deshalb musste ich ihn am verleimten Möbel mit einer Schablone und der Handoberfräse noch fräsen.

 

Wie lange brauchtest du bis zur Fertigstellung?

Insgesamt benötigte ich 66,5 Stunden, um die zwei Möbel zu produzieren. Meine Zeitschätzung habe ich am Ende um neun Stunden überschritten.

 

Was machst du gerne in der Ausbildung?

Am liebsten arbeite ich mit Massivholz und Furnier, aber auch Küchen stelle ich gerne her.

 

Wo arbeitest du lieber – auf der Baustelle oder in der Werkstatt?

Ich arbeite lieber in der Werkstatt. Herstellen von Dingen gefällt mir besser als die Montage.

 

Wie geht es für dich weiter nach dem Sommer?

Ich kann beim Lehrbetrieb weiterarbeiten. Mein Ziel ist es, irgendwann noch eine Weiterbildung in Richtung Planung zu machen.

kollerag.swiss

Michael Nussbaum

 

Interview mit Michael Iten

Michael Iten aus Morgarten im Kanton Zug. Bei der Koller AG in Ibach SZ absolviert er jetzt sein viertes Lehrjahr als Schreiner EFZ. Seine Freizeit verbringt der 19-Jährige gerne im Schiessstand, wo er mit dem Sturmgewehr 90 auf 300 Meter Distanz schiesst. Daneben verbringt Iten seine Freizeit oft in der Werkstatt seines Lehrbetriebs oder des elterlichen Betriebs, wo er eigene Projekte schreinert.

Veröffentlichung: 04. Juni 2026 / Ausgabe 23/2026

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