Der Ball rollt zwischen edlem Nussbaumholz

Fast 500 Stunden stecken im einzigartigen Töggelikasten von Raul Stöcklin. Bilder: Raul Stöcklin

Mit viel Ausdauer und Leidenschaft schuf Raul Stöcklin in rund 500 Arbeitsstunden einen einzigartigen Töggelikasten. Im Monatsinterview spricht der Schreinerlernende über die Entstehung seines aussergewöhnlichen Projekts.

Ein Töggelikasten entsteht nicht einfach nebenbei. Wie kamst du auf die Idee, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen, und was hat dich daran gereizt?

Raul Stöcklin: Die Idee begleitet mich eigentlich schon seit dem ersten Lehrjahr. Damals wollte ein Kollege mit mir einen Töggelikasten bauen, doch mir fehlte noch das handwerkliche Können. Im vierten Lehrjahr fühlte ich mich bereit für ein grös-seres Projekt, und ich griff die Idee wieder auf. Mich faszinierte die Herausforderung, ein so komplexes Objekt von Grund auf selbst zu planen und zu bauen. Es war spannend zu sehen, wie aus einer einfachen Idee Stück für Stück Realität wurde.

Welches Holz hast du gewählt und warum?

Ich bin ein grosser Fan von Nussbaumholz, deshalb war schnell klar, dass ich dieses Holz verwenden möchte. Für die beiden Mannschaften wollte ich zusätzlich einen Kontrast schaffen. Daher entschied ich mich für Ahorn: Die helle Farbe setzt einen schönen Akzent, zum Bearbeiten ist es zudem ähnlich wie Nussbaum und lässt sich auch gut drechseln.

Wie lief die Planung?

Von Ullrich-Sport in Deutschland konnte ich die Standardmasse wie Spielfeldgrösse und Stangenabstände übernehmen. Auf dieser Grundlage fertigte ich zunächst eine Grobskizze an und setzte diese anschliessend in Vectorworks als technische Zeichnung um.

Ging etwas schief?

Ja, bei den Ballausgaben unterlief mir ein Fehler. Eigentlich hätte ich auf der Unterseite Taschen für die Beine fräsen sollen. Da die Auswürfe jedoch zu weit aussen lagen, musste ich die Konstruktion anpassen und die Beine mit Rampamuffen und M8-Gewindeschrauben befestigen.

Wie stark hast du auf Maschinen gesetzt?

Ich kaufte mir eine Shaper Origin, da ich auch privat immer wieder eigene Projekte oder Arbeiten für Kollegen umsetze. Die Maschine konnte ich auch für das Projekt optimal einsetzen, denn mit der CNC wollte ich nichts machen. Sämtliche Bearbeitungen programmierte ich selbst. Zinken, Spielfeld, Spieler, Schubladenauszüge und Griffmulden fertigte ich grösstenteils mit der Shaper Origin und der «Workstation» an. Gedrechselt habe ich die Beine auf der Drehbank des Grossvaters meines Unterstifts.

Gab es einen Moment im Projekt, in dem du umdenken oder eine Lösung neu entwickeln musstest?

Ja, beim Spielfeld lief nicht alles nach Plan. Zuerst fräste ich die Nuten aus und versiegelte sie anschliessend. Dabei zog das Epoxidharz jedoch ins Stirnholz ein, wodurch unschöne Einläufe entstanden. Deshalb musste ich das Spielfeld nochmals abschleifen, neu furnieren und die Nuten erneut fräsen. Beim zweiten Anlauf ging ich anders vor: Statt nur die Nuten zu versiegeln, trug ich das Epoxidharz vollflächig auf, damit alle Poren verschlossen waren. Anschliessend füllte ich die Nuten mit schwarzem Epoxidharz und überzog das gesamte Spielfeld zum Schluss mit einer rund fünf Millimeter dicken Epoxidharzschicht.

Welche konstruktiven Details waren knifflig umzusetzen?

Das Spielfeld verfügt über leicht aufgestellte Ecken, damit der Ball nicht liegen bleibt. Dafür machte ich das Spielfeld zunächst jeweils zehn Zentimeter länger und breiter. Anschliessend schnitt ich die Ecken mit dem Queranschlag im 45-Grad-Winkel ab. Mithilfe einer selbst gebauten Lehre konnte ich die abgeschnittenen Eckstücke am Parallelanschlag schräg anschneiden und danach wieder an das Spielfeld anleimen. Zum Schluss formatierte ich die Platte auf das Fertigmass. Die Lehre bestand aus einer Dreischichtplatte, aus der ich einen rechten Winkel ausschnitt. Dadurch liessen sich die Eckstücke einfach, präzise und sicher fixieren und schneiden.

Du hast deine Lehre erfolgreich abgeschlossen – wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Bis September bleibe ich noch in meinem Lehrbetrieb. Danach reise ich gemeinsam mit einem Kollegen durch Thailand und Vietnam. Im Januar kehre ich für einige Monate zurück und arbeite bis Juni erneut im Betrieb. Anschliessend möchte ich im September 2027 an der Holzfachschule Biel das Studium zum Holztechniker beginnen.

Michael Nussbaum

 

www.holzin.ch

 

 

Interview mit:

Raul Stöcklin aus dem appenzellischen Gonten. Soeben schloss er seine Lehre als Schreiner EFZ bei der Holzin AG in Appenzell Innerrhoden ab. Steht der 23-Jährige nicht in der Werkstatt, ist er oft mit Kollegen unterwegs oder auf dem Unihockeyfeld anzutreffen. Seine grosse Leidenschaft gilt jedoch dem Fischen: Am Fälensee, Seealpsee oder Sämtisersee hat er schon zahl- reiche Seesaiblinge und Bachforellen an Land gezogen.

Veröffentlichung: 13. August 2026 / Ausgabe 33/2026

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