Das Sideboard, das sich leicht falten lässt

Falt- und klappbar: das Sideboard von Leandro Genovese. Bild: Leandro Genovese

Leandro Genovese gewann am Nachwuchswettbewerb «Schreiner Chance 2025» der Thurgauer Schreiner mit seinem gefalteten Sideboard den ersten Preis. Wie er das genau realisierte, gibt er im Interview preis.

Wie bist du auf die Gestaltung deines Sideboards gekommen, und was war die Grundidee dahinter?

Leandro Genovese: Das Thema war ja «Leicht verstellbar». Auf Instagram sah ich immer wieder Möbel mit Wellenstrukturen, die ich richtig cool fand. Deshalb besprach ich die Idee mit meinem Chef, um herauszufinden, wie wir sie umsetzen könnten. Die Grundidee für das Sideboard stammt von mir. Zusammen mit dem Maschinisten prüfte ich dann, was auf der CNC-Maschine machbar ist.

Welches Detail an deinem Möbel macht dich besonders stolz?

Der Übergang vom Deckel zu den Seiten gefällt mir besonders gut. Er wirkt sehr harmonisch, weil es keine harten Übergänge gibt, sondern weiche Formen. Auch die Frontengestaltung finde ich megacool.

Welche Materialien und Holzarten hast du gewählt?

Es ist alles aus massivem Nussbaum gefertigt, ausser der Rückwand, den Schubladenböden sowie dem Boden. Diese Teile sind spanplattenfurniert.

Wie viel Handarbeit steckt im Sideboard, und welche Maschinen kamen zum Einsatz?

Die grösste Maschinenarbeit erfolgte auf der CNC. Zusätzlich kamen die Langlochbohrmaschine und die Handoberfräse zum Einsatz. Der Aufwand für das Verputzen war deutlich grösser als ich ursprünglich erwartet hatte. Die gesamte Wellenstruktur schliff ich von Hand nach, wobei jede einzelne Welle sorgfältig ausgearbeitet wurde. Besonders der Übergang vom Deckel zu den Seiten war eine Menge Arbeit. Hier musste ich ebenfalls von Hand nachschleifen, damit die Form sauber und harmonisch verläuft.

Welcher Arbeitsschritt war am anspruchsvollsten, und warum genau?

Die Arbeit mit der CNC war eine der grössten Herausforderungen des Projekts. Da ich in diesem Bereich noch wenig Erfahrung hatte, erhielt ich wertvolle Unterstützung vom Maschinisten, der die Hauptarbeit bei der Programmierung übernahm. Dazu wurde ein Wellenmuster erstellt, gedreht und gespiegelt, damit in der Textur nicht direkt eine Wiederholung sichtbar wird. Schliesslich war die Datenmenge so gross, dass ich die Programmierung in zwei Schritten fräsen musste. Anspruchsvoll war auch der Zusammenbau des Sideboards: Wegen der Wellenstruktur konnten die Zwingen nicht wie üblich angesetzt werden. Deshalb fixierte ich die Teile mit Klebeband und verleimte sie mit PU-Schaumleim. Dadurch liess sich die Konstruktion trotz der speziellen Form sauber zusammenfügen.

Kannst du den Herstellungsprozess etwas erläutern?

Zuerst richtete ich das Massivholz und verleimte daraus eine grosse Platte, damit die Maserung durchgehend über die gesamte Front des Möbels verläuft und so ein harmonisches Bild entsteht. Anschliessend wurde die komplette Platte auf der CNC bearbeitet, erst danach an der Tischkreissäge in die einzelnen Teile aufgetrennt und auf Gehrung geschnitten.

Wie hast du die Details umgesetzt?

Was an Verbindungen machbar war, erledigte ich an der CNC. So sind einige Dübelverbindungen dort, andere mit der Handdübelfräse entstanden. Die Schubladen sind mit Movento-Auszügen von Blum gefertigt. Das Möbel steht zudem auf Möbelrollen, so lässt es sich einfach ausklappen. Als Oberflächenbehandlung wählte ich einen Klarlack.

Wie hat sich deine Sicht auf den Schreinerberuf während der Lehrzeit verändert?

Vor der Lehre dachte ich, ein Schreiner baut einfach Schränke. Inzwischen habe ich gemerkt, dass der Beruf viel mehr umfasst und sehr abwechslungsreich ist – vom Innenausbau bis zum Ladenbau. Besonders spannend finde ich die Arbeiten im privaten Innenausbau, zum Beispiel mit Massivholz bei Tischen.

www.schlauri.ch

Interview mit
Leandro Genovese aus Kreuzlingen im Kanton Thurgau. Seine Lehre macht der baldige Lehrabgänger bei der B & L Schlauri AG in Ermatingen TG. In seiner Freizeit treibt der 22-Jährige viel Sport: im Fitnesscenter oder in den Bergen, wo er wandert oder Ski fährt. Ausserdem rudert Genovese seit rund zehn Jahren, unter anderem im Skiff, Doppelzweier und Doppel- vierer. Er nahm auch schon an vielen nationalen Wettkämpfen teil.

Michael Nussbaum

Veröffentlichung: 02. Juli 2026 / Ausgabe 27-28/2026

Artikel zum Thema

02. Juli 2026

Nach der Lehre geht es hoch hinaus

Ob zufällig entdeckt oder bewusst gewählt: Drei Lernende zeigen, wie vielfältig der Schreinerberuf ist – mit Wettbewerben, eigenen Projekten und unterschiedlichen persönlichen Wegen zu Leidenschaft, Praxis und beruflichen Zukunftsplänen von heute.

mehr
02. Juli 2026

Fast 300 machten beim Jubiläumswettbewerb mit

mehr
04. Juni 2026

Powerschreiner Cup 2026: Zeig, was du draufhast!

mehr

weitere Artikel zum Thema:

Lehrziit