In der Werkstatt der Jahrhunderte

Betriebsleiter Beat Barmettler (63) hält die Aufdoppelung eines Klosterfensters in der Hand, das renoviert wird. Bild: Caroline Mohnke

Leute. Das Lieblingsfach von Beat Barmettler war werken. Nach seiner Schreinerlehre arbeitete der heute 63-Jährige aus Ennetmoos NW an verschiedenenen Orten. Seit 2013 leitet er die Klosterschreinerei in Engelberg OW. 

«Wenn möglich ist das Kloster so anzulegen, dass alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle, Garten und verschiedene Berufe innerhalb des Klosters ausgeübt werden können.» So hat der heilige Benedikt die handwerkliche Arbeit in einem Benediktinerkloster festgeschrieben. Holzhandwerker gab es daher schon im Jahre 1120, als das Kloster Engelberg gegründet wurde. Sie waren in den Werkstätten tätig, die es bis heute gibt. Hier arbeitet Beat Barmettler. Er ist der fünfte Betriebsleiter ohne Mönchskutte. «Die Engelberger Klosterschreinerei ist vielseitig, hat eine jahrhundertealte Tradition, ist aber auch offen für Modernes», sagt er.

 

Geschick vom Grossvater geerbt

Sein Lieblingsfach sei Werken gewesen, erzählt der 63-Jährige, der in Ennetmoos NW mit vier Brüdern und vier Schwestern aufgewachsen ist. Schon sein Grossvater, der Kleinstbauer und Sigrist war, sei handwerklich sehr geschickt gewesen. Nach der Schreinerlehre arbeitete Beat Barmettler an verschiedenen Orten. «Ich war schon immer an vielseitigen Tätigkeiten interessiert. So arbeitete ich auch rund drei Jahre bei meinem Schwager im Elektrogeschäft, wo ich Schreinerarbeiten erledigte und beim Hausbau mitgeholfen habe.» Nach einer Zeit der Selbstständigkeit als Monteur für Schreinerarbeiten gründete er zusammen mit einem Kollegen ein erstes Unternehmen: «Wir realisierten Wohnhäuser und bezahlbaren Wohnraum.»

Ein Papi-Tag in der Woche

Als Nächstes folgte seine Werkstatt für die Holz GmbH. Da war er in einer Schreinerei eingemietet, wo er allgemeine Schreinerarbeiten, Möbel, Küchen und Parkettarbeiten realisierte. Ökologie und Baubiologie spielten bei seinen Arbeiten eine grosse Rolle. Zu dieser Zeit arbeitete der verheiratete Familienvater von zwei Töchtern in einem 80-Prozent-Pensum, damit er sich an einem Tag in der Woche der Kinderbetreuung und dem Haushalt widmen konnte. «Auch in meiner jetzigen Tätigkeit als Betriebsleiter der Klosterschreinerei bin ich für Familienmodelle offen.»

Viele Zeitzeugen vorhanden

Seit 16 Jahren ist er nun in der Klosterschreinerei am Werk, und seit 2013 leitet er sie. Eine Treppe führt aus der Werkstatt hoch zum oberen Stockwerk. Dort sind handwerkliche Zeitzeugen gelagert von anno dazumal. «Das waren die Zimmerschlüssel der Brüder», sagt er und zeigt auf eine Wand. Dann zieht er eine Schublade hervor mit der Aufschrift «Türschilder Kloster». Darin befinden schön verzierte, geschwungene Metallplättchen aus früheren Zeiten. «Als Betriebsleiter der Klosterschreinerei habe ich viel Kundenkontakt, darf beraten, verkaufen, planen, organisieren, führen, entwickeln und vieles mehr. Und das in einem wunderschönen und speziellen Umfeld.» Er fände es schön, wenn das Handwerk aufrechterhalten werden könnte. Doch immer weniger Jugendliche seien bereit, einen handwerklichen Beruf zu erlernen, was er sehr bedauert.

Er freut sich auf den nächsten Lebensabschnitt

Durch die Arbeit in der Klosterschreinerei habe er auch Kontakt mit den Patres und Brüdern: «Jährlich haben wir einen bis zwei Anlässe, bei denen die Mönchsgemeinschaft dabei ist.» Beat Barmettler wird 2027 pensioniert. «Die Nachfolge konnten wir regeln, somit haben wir genügend Zeit, die Übergabe zu vollziehen. Ich freue mich sehr auf diesen nächsten Lebensabschnitt», sagt er zufrieden. Obwohl er in einem 40-Prozent-Pensum im Kloster als Projektleiter Immobilien weiterarbeitet, bleibt ihm bald wieder mehr Zeit für die Natur, die Berge und das Meer. Früher hat er leidenschaftlich Laufsport betrieben, heute nimmt er gelegentlich noch an einem Halbmarathon teil.

Caroline Mohnke

Veröffentlichung: 06. April 2026 / Ausgabe 14/2026

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