Ein Ort zum Selberforschen


Ausbildner Jonas Fischer (2. v. r.) mit aktuellen und ehe-maligen Lernenden vor der Eiche, die bei der Akademie-Gründung gepflanzt wurde. Bild: Franziska Herren


Ausbildner Jonas Fischer (2. v. r.) mit aktuellen und ehe-maligen Lernenden vor der Eiche, die bei der Akademie-Gründung gepflanzt wurde. Bild: Franziska Herren
Ausbildung. Mit der Jungschreiner-Akademie hat die Glaeser Wogg AG ein besonderes Ausbildungsmodell geschaffen. Die Lernenden sollen ihre Projekte so weit wie möglich selbstständig durchziehen und Verantwortung übernehmen.
Vor zehn Jahren hat die Glaeser Wogg AG im aargauischen Baden die Jungschreiner-Akademie gegründet. Seither werden dort jeweils zwischen sieben und acht Lernende ausgebildet. «Die Jungschreiner-Akademie ist keine Hochschule, aber sie hat dennoch einen Hochschulcharakter», erklärt CEO Heinz Schönholzer. Als eigene Abteilung des Betriebs werden hier ganze Projekte abgewickelt. Das heisst, dass die Lernenden nach Möglichkeit Projekte von der Planung, dem Zeichnen, über die Montage bis zum Stellen der Rechnung in Begleitung von Fachpersonen selber realisieren können.Wenn möglich, stehen sie auch direkt mit dem Kunden in Kontakt.
Mit dem projektbezogenen Arbeiten will die Glaeser Wogg das ganzheitliche Denken fördern und die Lernenden dazu befähi- gen, Verantwortung zu übernehmen. «Die Lernenden sollen vieles selber erforschen und ausprobieren», sagt Ausbildner Jonas Fischer. Er bietet ihnen damit den Raum, eigene Erfahrungen zu sammeln. Die Jugendlichen sollen lernen, Produkte selber zu entwickeln und zu gestalten, und «out of the box», also jenseits der Konventionen, zu denken. «Lernende, die zu Beginn noch sehr vorsichtig und unsicher sind, entwickeln sich so zu selbstständigen Menschen», sagt Fischer.
Eine Spezialität der Jungschreiner-Akademie ist, dass die Lernenden im Team arbeiten, voneinander lernen und einander führen. «Sie lernen, sich gegenseitig Respekt zu zollen, einander zu unterstützen und sich auch durchzusetzen», sagt Schönholzer. Im dritten Lehrjahr wechseln die Lernenden für zwei Monate in die Planungsabteilung: Im sogenannten «Avor-Praktikum» lernen sie, am Computer mit dem CAD-Programm Pläne zu zeichnen und Projekte aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Als Highlight können die Lernenden in der Entwicklung neuer Spezialmöbel mitwirken und mit dem 3D-Drucker Prototypen herstellen. «Die Jungschreiner-Akademie soll eine Basis sein, um sich weiterzuentwickeln», sagt Schönholzer.
Till Moosberger (r. im Bild) ist einer der Absolventen der Jungschreiner-Akademie. Er macht einen ruhigen Eindruck, obwohl er kurz vor der Abschlussprüfung steht. «Nach der Schule war für mich klar, dass ich eine Berufslehre machen möchte», erinnert er sich. Nachdem er bei Glaeser Wogg geschnuppert hatte, war er überzeugt von der Firma und dem Schreinerberuf: «Ein Produkt zu erschaffen aus etwas Organischem und Natürlichem, entspricht mir sehr. Mir gefiel ausserdem die Atmosphäre hier, und dass alle Lernenden miteinander arbeiten.»
Jana Ristic (2. v. l. im Bild) schätzte an ihrer Lehre insbesondere das selbstständige Arbeiten. «Ich erhielt auch die Möglichkeit, vier Wochen Ferien zu beziehen, um in Korea ein Praktikum in Innenarchitektur zu machen.» Ihr Traum ist es, ihr Know-how später einmal in Entwicklungsländern einzusetzen. Zurzeit studiert sie an der Berner Fachhochschule in Biel Ingenieurholzbau.
Auch Till Moosberger macht sich über seine berufliche Zukunft Gedanken. Er will nach der Lehre zuerst Berufserfahrung sammeln und später dann die Matura nachholen, um vielleicht an der ETH Architektur oder an der Universität Medizin zu studieren. «Aber als Erstes möchte ich natürlich einen guten Abschluss machen.»
www.glaeser.chVeröffentlichung: 06. Juni 2019 / Ausgabe 23/2019
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