Ein wirklich nachhaltiges Möbel

Der Multimediatisch aus massiver Ulme ist mit einer Myzelkompositplatte versehen, die wie Granit gesprenkelt ist. Bild: Pablo Navarro

Ein natürliches Möbel ohne Chemie. Pablo Navarro aus Arni AG verfolgt dieses Vorhaben schon länger und hat nach vielen Anläufen das Zyklusmöbel kreiert. «Ich möchte rein natürliche und kreislauffähige Möbel bauen. In den letzten zwei Jahren habe ich mich intensiv damit beschäftigt», erzählt der 37-jährige Schreiner. Seine Lösung: Reinen Holzverschnitt aus der Produktion und ausgediente Zyklusmöbel, zerkleinert und mit einem Pilz verklebt, in einem Plattenmaterial wieder zu verwerten. «Dafür brauche ich einen Pilz aus der Gattung der Seitlinge aus der Schweiz», erzählt Navarro. «Ein super Bindemittel und nicht eklig.»

Platte aus Pilz und Holzschnitzel

In einer Form mischt Navarro Holzschnitzel mit Pilzmyzel, und es wächst in der Folge eine Platte zusammen. «Das Pilzmyzel ernährt sich vom Holzsubstrat und vernetzt alles zu einer gummiartigen Masse.» In einem Press-und Erhitzungsprozess wird die Form danach verdichtet, und das Pilzwachstum wird durch Hitze und Druck gestoppt. Der Pilz stirbt ab. «Nach dem Trocknen erhält man eine Myzelkompositplatte. Diese ist einer Spanplatte ähnlich, nur eben rein natürlich und biologisch abbaubar.» Diese verwendet der Schreiner dann für den Möbelbau.

Tester für den Leim gesucht

Um ein wirklich natürliches Möbel zu produzieren, verzichtet Navarro auf chemischen Leim. Bei Recherchen ist er auf das Rezept eines mexikanischen Instrumentenbauers gestossen, das er weiterentwickelt hat. Entstanden ist Gliim (Bild), ein Gluten-Leimpulver, das nur mit Wasser angerührt wird. «Es entsteht ein kraftvoller, rein natürlicher Leim für Holz und Holzwerkstoffe. Er ist aber nicht wasserfest», sagt er. Die Klebekraft bewegt sich im Bereich von Knochenleim, jedoch mit längerer Topf- und Trocknungszeit – ein Vorteil für grössere Flächen oder komplexere Verbindungen. Nun sucht Navarro Schreinerinnen und Schreiner, die den Leim in der Praxis testen wollen. Wer interessiert ist, kann ihn über seine Web- site oder Instagram (fidias.art.creation) kontaktieren.

www.fidiasart.com

ndo

Veröffentlichung: 30. April 2026 / Ausgabe 18/2026

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