Eine Garderobe von A bis Z selbst gemacht




Die Schreinerei von Rickenbach AG aus Ibach SZ konnte für einen Kunden eine Garderobe ausführen. Entworfen und produziert hat sie Claudio Dudle, Lernender im vierten Lehrjahr. Er erzählt im Monatsinterview Genaueres über den Auftrag.
Wie bist du zum Auftrag gekommen?
Claudio Dudle: Der Projektleiter kam auf mich zu, weil er meinte, einen passenden Auftrag zu haben, den ich von A bis Z selbst machen kann.
Wie bist du dann vorgegangen?
Die Aussenmasse und Fronten wurden vorgegeben. Anschliessend begann ich mit der Planung und stellte dem Projektleiter meine Entwürfe vor. Nach kleineren Anpassungen startete ich dann mit dem Zuschnitt.
Wo lagen für dich die Herausforderungen beim Auftrag?
Dass man all die verschiedenen Maschinen verstehen und wissen muss, wie sie funktionieren. Ich war eine lange Zeit nicht mehr an der CNC, deswegen brauchte ich einen Moment, um mich wieder damit vertraut zu machen. Die grösste Mühe hatte ich aber mit der gefälzten Rückwand: Sie musste mit der genuteten Schrankseite bündig abschliessen, weil man von der Seite dransieht. Da die erste Rückwand jedoch völlig krumm war, musste ich eine zweite produzieren.
Für welche Teile hast du welche Maschinen eingesetzt?
Das benötigte Material schnitt ich an der vertikalen Zuschnittmaschine zu . Für Rückwandnuten und Löcher für die Verbindungsbeschläge benutzte ich das vertikale CNC-Bearbeitungszentrum. Um die Ausfräsungen, den Falz an der Rückwand und sonstige Bearbeitungen auszuführen, setzte ich die liegende CNC ein. Zudem kamen noch der Kantenleimer und die Tischkreissäge zum Einsatz. Und mit der Kantenschleifmaschine schliff ich die Kanten schön fein.
Hättest du eine solche Garderobe auch gerne bei dir zu Hause, oder würdest du sie anders machen?
Vom Stil her würde ich sie vermutlich ähnlich gestalten, allerdings finde ich die Kombination von Holz und einer Farbe schöner. Beispielsweise Eiche mit Schwarz oder Nussbaum mit Schwarz kombiniert, aber nicht einemit sperrholzbeschichtete Platte.
Welche Verbindungstechnik hast du eingesetzt?
Der Schrank und die Tablare sind gedübelt und fix verleimt. Die Sitzbank lamellierte und verleimte ich ebenfalls. Das Tablar mit der Kleiderstange ist mit Dübeln und zusätzlichen Clamex ausgeführt, um das Ganze zusammenziehen zu können.
Welche Beschläge hast du bei der Garderobe genommen?
Ich verwendete Schubladenfronthalter, Blum-Movento-Vollauszüge, eine Kleiderstange mit Haltern und natürlich Clamex und Dübel.
Aus welchem Material ist Sie?
Die Teile sind aus weiss beschichteter Sperrholzplatte, die Kanten wurden geölt.
Wie lange hast du am Auftrag gearbeitet?
Von der Planung über die Produktion bis zur Fertigstellung in der Werkstatt verging etwa eine Woche.
Hast du die Garderobe auch montiert?
Ich habe sie nicht selbst montiert, war aber zur Unterstützung während der Montage dabei.
Wo kann man deiner Meinung nach Zeit einsparen bei einem solchen Auftrag?
Ganz bestimmt beim Verleimen. Wenn man alles parat macht und sich gut überlegt, was es alles braucht, kann einiges an Zeit eingespart werden. Auch gewisse Routine an der CNC hilft, um speditiver zu arbeiten.
Was gefällt dir am Beruf?
Dass man nicht jeden Tag das Gleiche macht; dadurch wird der Beruf sehr abwechslungsreich. In unserem Betrieb können wir von Bankarbeit über Maschinenarbeit bis hin zu Montage und zwischendurch Lackierarbeit alles machen.
Was macht euer Betrieb alles?
Eigentlich alles ausser Fenster. Das heisst, wir produzieren hauptsächlich Innenausbauten wie Küchen, Türen, Möbel oder Schränke.
«Für mich selbst würde ich die Garderobe vom Stil her ähnlich gestalten.»
«Mühe hatte ich mit der Rückwand, weil sie so krumm war und mit der Schrankseite bündig sein musste.»
Claudio Dudle aus Goldau im Kanton Schwyz. Dort geht er auch in die Berufsschule. Bei der Schreinerei von Rickenbach AG in Ibach SZ absolviert der bald diplomierte Schreiner gerade sein letztes Lehrjahr als Schreiner EFZ. In seiner Freizeit spielt der 19-Jährige Handball im Verein KTV Muotathal. Zudem ist er in der Pfadi als Leiter aktiv. Im Winter trifft man den Schwyzer öfters in den Bergen beim Skifahren an.
Veröffentlichung: 05. Februar 2026 / Ausgabe 6/2026
Alte Bahnwagen erhalten in Winterthur eine zweite Chance: Als Projekt restaurierte ein Team aus zukünftigen Wagnern die historischen Fahrzeuge und sammelte dabei wertvolle Praxis in selten gewordenen Techniken.
mehr
Du absolvierst aktuell eine Schreinerlehre und möchtest deine Fähigkeiten auf die nächste Stufe heben? Dann sind die dreitägigen Intensiv-Workshops in Brienz genau das Richtige für dich.
mehr
Du absolvierst eine Schreinerlehre, liebst deinen Beruf und möchtest das auch nach aussen zeigen? Dann haben wir genau das Richtige für dich: Für unseren neuen TikTok-Nachwuchskanal suchen wir eine Botschafterin und einen Botschafter, die den Schreinerberuf authentisch, kreativ und mit Begeisterung präsentieren. Auf dem Kanal zeigst du, was unseren Beruf so besonders macht – vom Werkstattalltag über spannende Projekte bis hin zu echten Einblicken in deine Ausbildung. Du wirst zum Gesicht einer neuen Generation von Schreinerinnen und Schreinern und inspirierst andere Jugendliche für diesen vielseitigen Beruf.
mehr