Eine Massanfertigung fürs Elternhaus als IPA


Die Einbauschränke waren Brochs Abschlussarbeit. Diverse Teile bekleidete er mit speziellem Bergwiesenvlies. Bild: Michael Nussbaum


Die Einbauschränke waren Brochs Abschlussarbeit. Diverse Teile bekleidete er mit speziellem Bergwiesenvlies. Bild: Michael Nussbaum
Als Abschlussarbeit entschied sich der inzwischen ausgelernte Schreiner Stefan Broch für eine grosszügige Einbaugarderobe in seinem Elternhaus. Die Projektwahl stand ihm dabei offen. Erste Ideen entwickelte er gemeinsam mit den Eltern, bevor er das Vorhaben mit dem Chef verfeinerte und umsetzte. Entstanden ist ein massgeschneidertes Möbel, das Funktionalität und persönliche Bedürfnisse vereint. Broch erzählt im Monatsinterview, wie er das Projekt umsetzte.
Wie bist du auf die Idee für dieses Möbel gekommen?
Stefan broch: Meine Eltern wünschten sich schon lange eine neue Garderobe. Da der Eingangsbereich bei uns zu Hause eher klein ist, plante ich Hochschränke mit einem offenen Element, damit das Möbel trotz seiner Grösse leicht wirkt. Eine Sitzgelegenheit zum Schuheanziehen durfte ebenfalls nicht fehlen. Für Eiche als Hauptmaterial entschieden wir uns, weil unsere Eingangstür ebenfalls aus Eiche ist. Mit dem Bergwiesenvlies der Firma Organoid schuf ich einen spannenden Kontrast. Mein Chef brachte die Idee ins Spiel, und weil meine Mutter aus einer Bauernfamilie stammt, gefiel ihr dieses Detail besonders.
Was war schwierig?
Die grösste Herausforderung war das Lackieren der Sichtseiten. Da es sich um gros-se, schwarz lackierte Flächen handelt, fällt jede Unregelmässigkeit sofort auf. Zwar konnte ich während der Lehre bereits Erfahrungen im Lackieren sammeln, Farblackieren war für mich jedoch Neuland. Ich spritzte die Fronten mit einem Airmix-Gerät. An den Überlappungen gab es stellenweise zu viel Material, wodurch sichtbare Streifen entstanden. Deshalb schliff ich die Flächen nochmals an und lackierte sie neu. Anspruchsvoll war auch der offene Bereich der Garderobe: Dort mussten die acht Millimeter schmalen Kanten schwarz lackiert werden, ohne dass die Farbe auf die angrenzende Naturoberfläche einzieht. Das erforderte viel Sorgfalt und Präzision.
Aus welchen Materialien ist dein Möbel?
Die Sitzfläche besteht aus massivem Eichenholz, für das Innenleben kam Spanplatte K101 zum Einsatz. Die Fronten bekantete und furnierte ich anschliessend mit Eichenfurnier. Die Sichtseiten sind teils aus schwarzer MDF, lackiert, teils mit dem Bergwiesenvlies belegt, so auch die Schubladendoppel.
Was hättest du im ersten Lehrjahr gerne schon gewusst?
Was mich während der Lehre besonders überrascht hat, ist, wie viel im Schreinerberuf möglich ist. Bei vielen Projekten dachte ich anfangs: Das geht doch gar nicht. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass mit dem richtigen Know-how und den passenden Techniken oft Lösungen möglich sind, die man zuerst nicht für machbar hält. Dieses Wissen hätte ich gerne schon im ersten Lehrjahr gehabt.
Welchen Tipp gibst du jemandem, der bald mit seiner IPA startet?
Möglichst früh mit der Planung zu beginnen. Ich konnte bereits im Januar mit meiner IPA starten, was mir genügend Zeit für die Vorbereitung und die restlichen Arbeiten verschaffte. Das hängt zwar vom Lehrbetrieb ab, aber je früher man sich Gedanken macht, desto entspannter wird die Umsetzung. Zudem sollte man die Möglichkeit nutzen, ein Projekt zu wählen, das einen wirklich interessiert. So kann man eigene Ideen einbringen, sich das Projekt auf die eigenen Stärken zuschneiden und gleichzeitig besonders viel daraus lernen.
Welcher Auftrag ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Schrank für die Universität Freiburg. Der Auftrag verlangte viel Präzision, unter anderem bei den gestemmten Rahmen, den Fronten auf Gehrung und den speziellen Profilen. Gerade diese anspruchsvollen Details machten das Projekt spannend.
Wie haben sich deine Fähigkeiten vom ersten bis zum vierten Lehrjahr verändert?
Ich war schon zu Beginn der Lehre handwerklich gut unterwegs, weil mein Vater, der ebenfalls Schreiner ist, eine Hobbywerkstatt hat und ich von klein auf mitwerken konnte. Während der Lehre habe ich mein Fachwissen und meine Fertigkeiten weiter ausgebaut. Am meisten gelernt habe ich aber, wann etwas gut genug ist. Als Schreiner sieht man oft noch kleine Details, die anderen gar nicht auffallen. Irgendwann muss man lernen, eine Arbeit auch loszulassen und zum nächsten Schritt überzugehen.
Wenn du deine Lehrzeit in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
Spannend, humorvoll und dankbar. Wir hatten während der Lehre immer eine gute Zeit und viel zu lachen. Besonders dankbar bin ich dafür, dass ich meine Ausbildung überhaupt dort absolvieren konnte. Nachdem mein ursprünglicher Lehrbetrieb kurz vor Lehrbeginn seine Geschäftstätigkeit einstellte, nahm mich mein heutiger Chef auf, obwohl er eigentlich keine Lehrstelle zu besetzen hatte. Das ist für mich alles andere als selbstverständlich.
Was machst du jetzt?
Ich bin noch bis Ende Oktober im Militär. Parallel dazu bin ich auf Stellensuche, denn ich möchte neue Erfahrungen sammeln und einen anderen Betrieb kennenlernen. Mich interessiert, wie andere Schreinereien arbeiten und welche neuen Herausforderungen dort auf mich warten.
Stefan Broch aus Schwarzsee im Kanton Freiburg. Der 19-Jährige schloss diesen Sommer seine Schreinerlehre bei der Wooddesign GmbH in Plasselb FR ab. In seiner Freizeit ist der Schreiner sportlich unterwegs: ob beim Wan- dern, Joggen, Biken, Skifahren oder Fussballspielen. Der Freiburger spielt aktiv beim FC Sense-Oberland in der zweiten Liga und ist im Skiclub Schwarzsee.
Veröffentlichung: 01. Oktober 2026 / Ausgabe 40/2026
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