«Gute Daten schaffen Vertrauen»

Nachgefragt.  BIM verlangt nicht per se mehr Informationen als andere Bauplanungen. Aber die Intensität steigt, wo und wie weit Informationen ausgetauscht werden. Nach einer ersten Anstrengung seitens der Unternehmen würden jedoch alle profitieren, sagt der Experte.

Adrian Wildenauer ist Professor für digitales Bauen am Institut Digitale Bau- und Holzwirtschaft (IDBH) der Berner Fachhochschule. Dort beschäftigt er sich mit Prozessen zum digitalen Bauen, der digitalen Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie mit themenspezifischen Normierungen und Standards. Er beschreibt, welchen Einfluss der Bedarf und Anforderungen an Informationen auf erfolgreiche BIM-Projekte haben.

Schreinerzeitung: Wie hat sich der Informationsbedarf in Bauprojekten durch die BIM-Methode verändert?
Adrian Wildenauer: Eine auf die Anzahl von Informationen beruhende Angabe lässt sich nicht ermitteln. Der Bedarf hat sich nicht verändert. Was sich geändert hat, ist die Intensität und Anzahl von Informationsaustausch, bei denen valide und aktuelle Informationen ausgetauscht werden müssen.
Welche Anforderungen stellen die verschiedenen Interessengruppen in Bauprojekten an die bereitgestellten Informationen mittels BIM?
Oftmals lässt sich feststellen, dass viele Beteiligte denken, dass sich alle Probleme mittels BIM lösen lassen. Dies ist nicht so. Ich muss mich anstrengen, damit ich digital arbeiten kann, etwa bezüglich Schulungen, Soft- und Hardware. Dann werde ich aber durch Kosteneinsparungen in der Nutzung belohnt, die üblicherweise die Investitionen weit überschreiten.
Wie können Unternehmen sicherstellen, dass die geforderten und bereitgestellten Informationen mit den eigenen Unternehmensprozessen übereinstimmen?
Hier kann keine generelle Aussage getroffen werden. Das hängt zu stark von der einzelnen Unternehmung und der jeweiligen Motivation dazu ab. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass es nicht dazu kommt, dass bestehende Prozesse einfach in die digitale Welt geschoben werden, das macht keinen Prozess besser. Einhergehend mit der Einführung von BIM kommt auch eine Prozessbetrachtung und -optimierung. Dadurch werden Unternehmen in die Lage versetzt, Informationsmanagement in der geforderten Tiefe und Detaillierung anzugehen.
Inwiefern beeinflusst die Nutzung der BIM-Methode die Effizienz und Genauig- keit der Informationen im Vergleich zu traditionellen Bauprozessen?
Im digitalen Kontext gibt es nur 0 und 1, sprich Schwarz und Weiss – im klassischen Prozess alle Graustufen. Man muss präziser sein, was sich in der Effizienz niederschlägt.
Welche Rolle spielt die Standardisierung von Informationsformaten und -prozessen bei der effektiven Umsetzung von BIM in Bauprojekten?
Man stelle sich vor, man müsste die Betongüte auf jeder Baustelle neu definieren. Meine Haltung ist: Wir brauchen Standardisierung mit Augenmass, nicht alles muss standardisiert sein, aber der gesunde Menschenverstand darf nicht ausgeschalten werden. Formate und Grundlagen müssen standardisiert sein. Wir in der Schweiz sind hier keine Insel: Daten kennen keinen Pass.
Welche Rolle spielen Datenqualität und Aktualität bei der Erfüllung der Informationsbedürfnisse von Unternehmen?
Nur, was ich mit Sicherheit verwenden kann, werde ich verwenden. Sprich: Wenn ich nicht sicher bin, dass die Informationen stimmen, die ich erhalte, dann habe ich einen hohen Aufwand bei der Prüfung und der Nachvollziehbarkeit. Man stelle sich den Fall vor, dass ich vor Ort gehen und nachmessen muss, ob die Angaben stimmen. Die Ressourcen hat keiner von uns. Wir müssen Vertrauen haben in digitale Prozesse – und das schaffen nur qualitativ hochwertige Daten.

Literaturhinweise

BIM-Grundlagen

  • Bauen digital Schweiz (2024): Level of Information Need: Grundlagen
  • FHNW, Institut Digitales Bauen (2021): Virtual Design and Construction (VDC)
  • Fischer, M., Kunz, J. (2004): The scope and role of information technology in construction, Journal of Structural and Construction Engineering, Edition 763
  • SIA (2024): BIM-Abwicklungsmodell gemäss SN EN ISO 19650
  • SN EN 17412-1:2020: Building Information Modelling – Informations-bedarfstiefe Konzepte und Definitionen
  • SN EN ISO 19650-1:2018: Organisation von Daten zu Bauwerken – Informationsmanagement mit BIM, Teil 1: Konzepte und Grundsätze
  • SN EN ISO 29481-1:2017: Bauwerks-Informations-Modelle, Informationslieferungs-Handbuch, Teil 1: Methodik und Format
www.bfh.ch/idbhwww.snv.chwww.bauen-digital.chwww.sia.chwww.vdc-netzwerk.ch

Thierry-Benoît Wälchli, TBW

Veröffentlichung: 29. August 2024 / Ausgabe 35/2024

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