Holz macht Schule

Auf den Fluren der Schule herrscht Geradlinigkeit. Die Ausstattung ist funktional, das Eschen-Schälfurnier sorgt für ein wohnliches Ambiente. Bild: Christian Härtel

Furnier.  Eine spezielle Art der Reifeprüfung haben die Beteiligten beim Neubau des Gymnasiums Thun im Schweizer Kanton Bern abgelegt. Geschälte Esche prägt das Bild der Schule. Das besondere Material hat die Roser AG in Basel-Birsfelden in die Architektur gebracht.

Für die Mock Schreinerei AG aus Wattenwil im Kanton Bern war es der grösste Auftrag ihrer Geschichte: der Innenausbau des neuen Gymnasiums Thun. Für die Türen, Wandverkleidungen und Einbaumöbel kam grossflächig Eschen-Schälfurnier zum Einsatz. Das Holz mögen wenige aus dem Innenraum ihres Mercedes kennen – in der Architektur ist es eine ziemliche Besonderheit. Wohl zum ersten Mal wurde das Furnier in solchen Dimensionen für Interieur eingesetzt. Tatkräftig zur Seite standen den Schreinern um Firmeninhaber Marcel Mock dabei das Team der Roser AG. Für das Projekt hat die Spezialistin für Furnier und Holzwerkstoffe rund 10 000 m2 Rohfurnier in Esche produziert und zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet. «Neben etwa 500 m2 vlieskaschierte Fixmasse und 3850 m2 furnierte Spanplatten haben wir auch 400 m2 mikroperforierte Akustikpaneele geliefert. Diese haben wir auch fixfertig bekantet und weiss pigmentiert lackiert», erklärt Fabian Sager, stellvertretender Leiter Geschäftsbereich Furnier bei Roser.

Von Holz umgeben

Die Planenden für die Erweiterung und Sanierung des Gymnasiums hatten vorgesehen, dass neben typischen Elementen wie Türen, Aufenthaltsbereichen oder der Teeküche für die Lehrerschaft auch die Unterrichtsräume und die zentralen Korridore der beiden Obergeschosse in Holz sein sollen. Den positiven Wirkungen von Holz in Schulen war man sich also bewusst, als die Entscheidung fiel, sowohl die Decken als auch die Wände mit dem natürlichen Material zu belegen.

Der weissen Farbgebung für die Oberflächen kommt deshalb eine wichtige Rolle zu. Denn so grosse furnierte Flächen können schnell zu hölzern wirken. «Für die Arbeiten im Erdgeschoss haben wir 8 % Weisspigment beigemischt. Für die Unterrichtsräume und die Korridore in den beiden oberen Geschossen sind es dagegen 20 %», erklärt Schreiner Marcel Mock. Denn dort dominieren die Flächen aus Holz besonders. In den Klassen- und den Fachzimmern ist man praktisch von Holz umgeben. Durch den höheren Weissanteil wirkt das strukturbetonte Schälfurnier mit wolkiger Zeichnung dort noch zurückhaltender als im Erdgeschoss. In den grossvolumigen Bereichen des Erdgeschosses dagegen sorgt das Holz für eine wohnlichere Atmosphäre in sonst eher technisch-funktionaler Umgebung. Der geringere Weissanteil im Erdgeschoss fällt zwar auf den ersten Blick gar nicht auf, wirkt aber im Gesamtgefüge auf subtile Weise. Mit den dunklen Technikdecken, grauen Brandschutzelementen und Sichtbetonelementen bildet das Schälfurnier mit seiner warmen Anmutung kontrastierende Elemente, die das nüchterne, technische Ensemble unterbrechen.

Einfach und schnell

Für Marcel Mock war das Gymnasium zwar der grösste Auftrag bislang, aber trotzdem ein vergleichsweise einfaches Arbeiten, obwohl auch für ihn der Umgang mit der geschälten Esche neu war. «Die Bauteile, die wir selbst furniert haben, wie etwa die Türen, sind mit einem vlieskaschierten Furnier belegt. Insofern war das ganze Prozedere recht einfach für uns», sagt Mock. Auch das Schleifen der Teile war mit 0,9 mm Furnierstärke eine sichere Sache. So waren die 3500 m2 Wandverkleidung, mehr als 100 Türen und über 400 Spindschränke für die Schülerinnen und Schüler gut zu machen. Für Schreiner Mock ungewöhnlich waren die Differenzen im Holzbild, sowohl was die furnierten Flächen angeht als auch in Kombination mit massiver Esche, etwa bei den Türrahmen. «Als Schreiner würde man das eigentlich etwas anders machen, ein Furnierbild mit gleicher Maserung suchen und nicht so wild mischen», sagt Mock. So kommt es, dass etwa die übereinanderliegenden Fronten der Spinde kein durchgängiges Furnierbild aufweisen. Das sei jedoch so beabsichtigt vonseiten der Planer und im Nachhinein auch ein Segen für die Ausführung bei so vielen Fronten für die Spinde. So kam es, dass die Ausbildung der Fugen weitaus schwieriger war als die Fläche. «Auf 48 m Länge eine 4-mm-Fuge ohne Versatz in gleicher Breite hinzubringen, ist eine Herausforderung», so der Schreiner. 48 m sind nämlich die Flure lang, von denen die Unterrichtsräume abgehen. Da kein Bauprojekt so genau ausgeführt werde, standen die Monteure mit den Stossfugen der Wandpaneele durchaus vor Herausforderungen.

Kleine Unterschiede mit Wirkung

Ebenfalls hilfreich für ein wirtschaftliches Arbeiten sind die grossen Blattbreiten, die beim Schälen entstehen. Manche Elemente des Innenausbaus, wie die Türen im Erdgeschoss, konnten so aus nur zwei Blättern gefertigt werden. Generell wird in zwei Varianten beim Schälen unterschieden. Der Klassiker ist das endlose Rundschälen, wie es in der Sperrholzproduktion eingesetzt wird. Dabei wird der Stamm zentrisch gespannt und fortlaufend mit einem achsparallelen Messer geschält. Bei diesem Verfahren ist nur ein geringer Teil als sichtbares Deckfurnier geeignet, und die Stammlänge ist dabei sehr beschränkt. Und so machen die Sperrholzhersteller das auch. Der kleine Anteil an schönen Furnieren dient als Decklage. Für die Herstellung von hochwertigem Schälfurnier bekommt der Stamm zunächst einen achsparallelen Einschnitt und wird dann ebenfalls zentrisch gespannt. Bei jeder Umdrehung des Stammes um die eigene Achse fällt ein breites Blatt ab. «Wir können Holzlängen von gut drei Metern schälen, was ungewöhnlich ist», erklärt Tobias Scherg, Geschäftsführer der Roser AG.

Den Blick für das Besondere bewiesen die verantwortlichen Planer auch bei anderen Details. Im alten Schulhaus fiel den Architekten das spezielle Schloss der Spindschränke auf. Die fanden das so gut, dass sie das historische Vorbild für die 400 neu zu erstellenden Spinde im Neubau einfach vom Schlosser nachbauen liessen. Die schmücken nun die Fläche mit dem Eschenfurnier und unterstreichen die Arbeit. «Das Ganze ist so gut angekommen bei den Beteiligten, dass wir das Eschen-Schälfurnier nun in unser Sortiment der vlieskaschierten Furnierblätter aufnehmen», freut sich Scherg. Damit dürfte Eschen-Schälfurnier künftig öfter seinen Platz in der Architektur finden.

www.schreinerei-mock.chwww.roser-swiss.com

Christian Härtel

Veröffentlichung: 26. Februar 2026 / Ausgabe 9/2026

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