«Ich lebe für die Schreinerei»


Der 48-jährige Schreiner Markus Keller war Mitglied der Nationalmannschaft im Triathlon. Vor zwei Jahren absolvierte er den Iron Man Hawaii. Bild: Jasmine Keller


Der 48-jährige Schreiner Markus Keller war Mitglied der Nationalmannschaft im Triathlon. Vor zwei Jahren absolvierte er den Iron Man Hawaii. Bild: Jasmine Keller
Dreifacher Triathlon-Schweizermeister in den olympischen Distanzen (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen), Schweizermeister im Duathlon. Dies sind nur einige der Erfolge, die Markus Keller in seiner Karriere erzielt hat. Doch Titel bedeuten dem Schreiner nicht viel. «Im Leben kann man nicht auf Titel bauen. Sie verlieren schnell an Wert und sind vergänglich», sagt der 48-Jährige. Und zudem: «Sie bedeuten einem mehr, wenn man sie nicht hat.» Ihn faszinieren nicht die Sportler mit ihren Spitzenleistungen, sondern vielmehr Personen, die der Menschheit etwas bringen, sagt der bescheidene, ehemalige Triathlon-Profisportler. Zwischen seinem 23. und 33. Lebensjahr war Keller Mitglied der Nationalmannschaft. Im Jahr 2000 startete er für die Schweiz in Sydney bei den Olympischen Spielen und erkämpfte sich dort den 18. Rang. Er pendelte zwischen den verschiedenen Erdteilen hin und her. «Ich lebte aus dem Koffer.» Die Wintermonate verbrachte er mal in Neuseeland, mal in Spanien oder in Arizona. Die Sommertrainings fanden häufig in Leysin VD statt. Eines war sich Keller immer bewusst: Der Profisport war für ihn eine temporäre Angelegenheit. Nach seiner Profisport-Karriere hat er eine Schreinerei übernommen.
Wenn der Schreiner von seiner Sportlerkarriere erzählt, scheint es, als hätte er seine Glanzresultate mit Leichtigkeit erzielt. Sein Erfolg ist folgenden Faktoren zuzuschreiben: Keller hat Talent. Er ist ein Kämpfer. Und er ist intelligent. Er ist hartgesotten, verfügt aber über die nötige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Er kann sich festkrallen, ohne verbissen zu sein.
«Mein Ansporn war es, mit möglichst wenig Trainingsaufwand das Maximum herauszuholen. An den Wettkämpfen gab ich alles.» Keller hatte stets den Sieg vor Augen. Er liebte den Konkurrenzkampf und er liebte die Wettkampfsituation. Die Spannung im Körper. Die Nervosität. Das Adrenalin, das durchs Blut rauscht.
Keller erinnert sich gerne an dieses Gefühl. Er bezeichnet sich als Freigeist. «Freiheit und Autonomie sind für meine innere Zufriedenheit unabdingbar. Ich konnte es nie ertragen, wenn mir jemand sagte, was ich zu tun habe.» Umgekehrt schränke er auch niemanden ein. Das Sprichwort «Leben und leben lassen» trifft sein Lebensmotto wohl am besten. Keller führt einen Betrieb mit sieben Angestellten in Wolfhausen ZH. «Als Chef bist du immer auf der Jagd nach genügend Futter.» Im Beruf sei alles komplizierter als im Sport. «Es ist schwieriger, Ziele zu erreichen. Der Triathlon ist im Vergleich simpel, da diskussionslos. Der Schnellste gewinnt. Im Beruf bist du vom Umfeld getrieben. Der Rhythmus ist vorgegeben.» Das bedinge eine grössere Zähigkeit. Die Sportkarriere hat ihm ein gutes mentales Fundament gegeben für die Herausforderungen der Selbständigkeit. «Der Sport hat mich selbstsicherer gemacht. Und er gibt mir Mut, in etwas reinzugehen, ohne zu wissen, was dabei rauskommt», erklärt er. Die Schreinerei ist für ihn längst zu einer Art Lebensstil geworden.
«Ich lebe für die Schreinerei.» Arbeitszeit existiert für ihn nicht. Die Trennung zwischen Beruf und Freizeit macht er nicht. «Man kann nur erfolgreich sein, wenn man etwas leidenschaftlich gerne macht.» Und zum Schluss wird Keller philosophisch: Das Schwierigste im Leben sei, herauszufinden, wo seine wahren Talente schlummern, um schliesslich seinen ureigenen Lebensstil zu finden. Eines ist klar: Keller hat seinen Lebensstil gefunden und lebt ihn kompromisslos. Und das macht sein Lebensglück aus.
«Im Leben kann man nicht auf Titel bauen. Sie verlieren schnell an Wert und sind vergänglich.»
Veröffentlichung: 05. November 2015 / Ausgabe 45/2015
Um die nationalen Klimaziele zu erreichen, ist der sorgsame Umgang mit Materialressourcen entscheidend. Im Rahmen des Aktionsplan Holz des Bundesamts für Umwelt (BAFU) wurde durch das Holzbauingenieurbüro Pirmin Jung aus Sursee ein wegweisender Leitfaden für den kreislauffähigen Holzbau veröffentlicht.
mehr
Sommeraktion. Im Mai 2027 werden verschiedene Holztiere die Zürcher Innenstadt bereichern. Das Künstlerkollektiv Pialeto/Laborraum stellt für das Vorhaben rund 200 Tiere aus Holz, Gips- und Dachlatten her.
mehr
PaidPost. Jedes Jahr steht bei den Schreiner-Lernenden die IPA an: die praktische Arbeit, die innert vorgegebener Zeit hergestellt wird. Hier die diesjährigen Projekte.
mehr