Im Reich der Modellflugzeuge


Der 59-jährige gelernte Schreiner und Swiss-Pilot Urs Leodolter hat ein Privatmuseum aufgebaut, das die Geschichte des Modellflugs zeigt. Bild: Christian Dippel


Der 59-jährige gelernte Schreiner und Swiss-Pilot Urs Leodolter hat ein Privatmuseum aufgebaut, das die Geschichte des Modellflugs zeigt. Bild: Christian Dippel
Leute. Im Untergeschoss von Urs Leodolters Einfamilienhaus in Russikon ZH verbirgt sich eine faszinierende Welt: In einem Privatmuseum zeigt er die über hundertjährige Geschichte des Modellflugs. «Ich schätze, dass ich rund 10'000 Exponate in meiner Sammlung habe», sagt Leodolter.
«Vieles davon habe ich gekauft, einiges erhielt ich geschenkt", sagt Leodolter. Er legt Wert darauf, dass die Exponate eine Geschichte haben. So ist zum Beispiel das erste Elektromodellflugzeug des deutschen Modellbauunternehmens Graupner zu sehen, das 1959 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. An der Decke hängt ausserdem das Modellflugzeug, mit dem Alfred Bickel 1960 an der ersten Kunstflugweltmeisterschaft in Dübendorf teilgenommen hatte.
Besonders stolz ist Leodolter auf ein orange-schwarzes Modellflugzeug, das 1977 im Schweizer Fernsehen in der Sendung «Teleboy» einen Auftritt hatte. In einer Sequenz mit der versteckten Kamera übergab ein Mitglied des Filmteams die Fernsteuerung Passanten mit der Bitte, das Flugzeug während seiner kurzen Abwesenheit zu steuern. Das Flugzeug wurde jedoch von jemand anderem gesteuert und machte wilde Kapriolen in der Luft. Ein Passant an der Fernsteuerung schrie daraufhin wiederholt: «De söll emol cho» – ein Spruch, der rasch in die Umgangssprache einfloss.
Die Sammlung nahm 2000 ihren Anfang, als Leodolter von Modellflugpiloten einige Funkfernsteuerungen erhielt. Heute besitzt er Hunderte Fernsteuerungen von Firmen aus der ganzen Welt und aus unterschiedlichen Jahrzehnten. In Regalen lagern ausserdem originalverpackte Bausätze. Als Kind hätte er viel darum gegeben, diese Bausätze zu besitzen. «Die Zeitschriften mit den Modellbausätzen waren für mich wie eine Bibel. Ich kannte die Modelle in- und auswendig. Manchmal konnte ich vor Aufregung kaum schlafen, wenn ich sie studierte.»
Sein Interesse für den Modellflug wurde 1976 entfacht. Als Zehnjähriger lernte er damals im Modellflugverein Pfäffikon in einem Kurs, Modellflugzeuge zu bauen und zu fliegen. Seither begleitet ihn dieses Hobby. Dem Modellflugverein Pfäffikon ist er als Mitglied treu geblieben. «Beim Modellflug fasziniert mich das Zusammenspiel von Physik, Aerodynamik und Mechanik», sagt Leodolter. «Das Fliegen in der Natur gibt mir viel. Es ist wie Meditieren.»
Während 15 Jahren nahm er mit selbst gebauten Flugzeugen weltweit an Modellflugwettbewerben teil. Er gewann Europa- und Schweizermeisterschaften und wurde 2000 und 2002 Weltmeister. Was Leodolter im Kleinen Spass macht, wollte er auch im Grossen praktizieren. Nach einer Schreinerlehre in der Fensterfabrik seines Vaters und einem Architekturstudium bewarb er sich bei der Swissair als Pilot. Heute ist der 59-Jährige pensioniert. Als Aushilfe fliegt er jedoch noch Teilzeit mit dem Airbus A330 und A340 auf andere Kontinente. «Seit ich pensioniert bin, arbeite ich noch lieber. Ich freue mich jedes Mal auf den Flug.»
Wenn er nicht im Cockpit sitzt, führt er hin und wieder Interessierte durch sein Privatmuseum. Oft sind es Mitglieder von Modellfluggruppen. Während der Wintermonate baut er ausserdem mit viel Geduld und in stundenlanger Arbeit Modellflugzeuge. «Was ich als Schreiner gelernt habe, kann ich immer wieder einsetzen. Auch beim Innenausbau meiner Häuser habe ich vieles selbst gemacht.» Für sein Privatmuseum hat er konkrete Pläne: Er möchte es in den nächsten Jahren in eine Stiftung überführen. Das würde auch bedeuten, dass das Museum irgendwann aus dem Untergeschoss seines Wohnhauses auszieht.
Franziska Herren
Veröffentlichung: 13. April 2026 / Ausgabe 15/2026
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