Koffein-Kick ohne Kabel mit der «EasyMoka» von Bosch


Die «EasyMoka» macht sich gut vor alpiner Landschaft. Der Akku arbeitet versteckt in der etwas wuchtig geratenen Basisstation. Bild: Emanuel Hilzinger


Die «EasyMoka» macht sich gut vor alpiner Landschaft. Der Akku arbeitet versteckt in der etwas wuchtig geratenen Basisstation. Bild: Emanuel Hilzinger
Stefan Hilzinger macht den Test Mangels Werkstatt oder Baustelle durfte die «EasyMoka», die neue akkubetriebene Kaffeemaschine von Bosch, in den Sommerferien mit auf die Wanderung zu den Surettaseen oberhalb Splügen GR. Nach 500 Höhenmetern kam die Dosis an Koffein für den Blattmacher genau im richtigen Moment.
Diesen Schluck Koffein musste ich erst verdienen. Mit einem Rucksack voller Proviant für mich und meine Ehefrau fand die «EasyMoka» von Bosch den Weg hinauf über Alpweiden und Geröll zum oberen Surettasee oberhalb Splügen GR. Nachdem der Ruhepuls sich bei mir langsam aber sicher wieder eingestellt hatte, gab es auf 2272 Metern über Meer nach den Eingeklemmten nun also tatsächlich einen frischen, heissen Kaffee, keinen abgestandenen und lauwarmen aus der Thermoskanne! Der Akku ist geladen, die Maschine mit Wasser und Pulver befüllt. Schnell die Batterie unterhalb der Basisstation eingerastet, den Kaffeekocher auf die Basisstation gestellt und eingeschaltet. Die grüne Kontrollampe blinkt, wie sie muss.
Und nicht einmal vier Minuten später ertönt dieses charakteristische, wohlbekannte Zischen und Gurgeln, sobald das knapp siedende Wasser unter hohem Druck durch das Kaffeepulver in den oberen Teil der Kanne strömt. Das grüne Licht leuchtet nun dauerhaft. Fertig ist der Kaffee! Dieser Duft in der Nase ... und endlich das Koffein, das einem den bitter nötigen Kick gibt für den bevorstehenden Rückweg.
Als im Frühling die ersten Bilder und Videos eines akkubetriebenen Kaffeebereiters von Bosch auf Social Media auftauchten, war meine Neugierde als Blattmacher der Schreinerzeitung geweckt. Als erklärter Kaffeeliebhaber wusste ich nicht recht, ob ich der Sache trauen kann. «Ist das nicht alles bloss Fake?» Dann veröffentlicht die Robert Bosch GmbH Ende April tatsächlich eine Pressemeldung. «EasyMoka. Perfekter Kaffeegenuss für unterwegs, frisch gebrühter Kaffee für Hobby, Camping und Garten», ist die Mitteilung übertitelt.
Die Maschine ist also boschgrün und nicht boschblau. Ein Entscheid des Konzerns, wie Bosch-Mediensprecher Simon Hopp auf Nachfrage bekräftigt: «Mit ihren Eigenschaften ist sie perfekt auf die Bedürfnisse unserer Do-it-yourself-User abgestimmt und erweitert daher ganz bewusst unser grünes DIY-Portfolio.»
Profi oder Hobby hin oder her: Das Gerät erfüllt seinen Zweck. Der Kaffeebereiter ist aus rostfreiem Edelstahl und einfach in Reinigung und Pflege. Das Design gefällt. Die Basisstation ist etwas wuchtig geraten, sorgt dadurch für Standfestigkeit, nimmt dem Ganzen aber leider die Eleganz. Die Handhabung ist selbsterklärend, jedenfalls für alle, die schon mit einer Bialetti Kaffee zubereitet haben. Wer es genau wissen will, studiert die ausführliche und verständlich geschriebene Anleitung. Und der Kaffee ist gut, das hat der Praxitest gezeigt – nicht nur auf der Bergtour, sondern auch im Ferienhaus. Man sollte einfach nicht am Pulver sparen – mit Vorteil von frisch gemahlenen Bohnen. Etwa drei gestrichene Kaffeelöffel fasst der Filtereinsatz.
Gemäss Bosch überwacht eine intelligente Technologie kontinuierlich den Brühvorgang und steuert die Temperatur präzise. Das ist wichtig, denn das Wasser für einen Espresso sollte keinesfalls kochen, sondern im Idealfall zwischen 88 und 94 Grad heiss sein. Die gebrühten 90 ml Kaffee seien die «richtige Menge für zwei Espressotassen», schreibt Bosch. Allerdings: Die «Volldröhnung» von knapp einem Deziliter ist eigentlich genau das, was ich als Kaffeemensch grundsätzlich gern geniesse, mit Milch oder auch schwarz.
Eignet sich die Maschine auch für die Baustelle? Nur bedingt: Wer die Maschine morgens «geladen» mitnimmt, kann sich zwar einen Kaffee zum Znüni machen. Danach ist aber Schluss, denn es wird umständlich, die Maschine auszuspülen und wieder mit Pulver zu befüllen oder gar den Akku zu laden. Es sei denn, die benötigte Infrastruktur ist auf der Baustelle schon eingerichtet. Anders sieht es etwa in einem Bauwagen oder im Container aus, wo die benötigte Infrastruktur einschliesslich Strom zum Laden vorhanden ist. Da ist die «EasyMoka» eine gute Alternative zu Instantkaffee oder Kapseln. Ein limitierender Faktor ist der Akku mit 2,5 Amperestunden (Ah) Kapazität. Das reicht gerademal für zwei Durchläufe, was Bosch in der Pressemeldung auch deklariert. «Sie können das Gerät auch mit Akkus mit einer höheren Kapazität von bis zu 6 Ah betreiben, um mehr Kaffeedurchläufe pro Ladung zu erzielen», ergänzt Mediensprecher Hopp. Die Maschine ist in die «Power-for-All»-Allianz eingebunden, sodass auch Akkus anderer Hersteller in der Allianz verwendet werden können.
Fazit: Die «EasyMoka» hält, was sie verspricht. Sie macht unterwegs rasch guten Kaffee. Wer täglich häufig Kaffee trinkt, sollte sich einen Akku mit höherer Kapazität leisten.
Stefan Hilzinger
Veröffentlichung: 20. August 2026 / Ausgabe 34/2026
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