Leuchtet Qualität besser?


Bei der «Tivu black» von Foscarini strahlen die Leuchten den hellen Hintergrund an. Farbunterschiede an den Leuchtmitteln würde man sehr gut erkennen.


Bei der «Tivu black» von Foscarini strahlen die Leuchten den hellen Hintergrund an. Farbunterschiede an den Leuchtmitteln würde man sehr gut erkennen.
Qualitätsleuchten. Die Teuerste ist nicht immer die Beste, und umgekehrt gilt das Gleiche. Trotzdem ist es für Laien schwierig zu erkennen, was eine hochwertige Leuchte ausmacht. Es lohnt sich aber, ein paar einfache Details zu beachten.
«Etwa 30 Prozent der Leuchten, die wir verkaufen, basieren auf Leuchtdioden», sagt Gilles Debled, technischer Leiter der Störi Licht AG in Netstal. Die beiden anderen Produktlinien Halogen und Leuchtstoffröhren erreichen noch immer einen hohen Verkaufsanteil. Bei Störi, einem klassischen Zulieferer für die Schreinerbranche, sind es neben lichtemittierenden Dioden (LED) etwa 40% Halogenleuchten und 30% Leuchtstoffröhren. Doch die Fachleute sind sich einig: In wenigen Jahren werden zumindest die Halogenleuchten weitgehend aus den Liefersortimenten verschwunden sein. Sie werden denn auch kaum noch weiterentwickelt. Chancen gegen die LED haben höchstens noch die Leuchtstofflampen. Wo aber punktuell gutes Licht gefordert ist, kann man die Röhren, Spiralen und Sticks kaum einsetzen. LED werden darum beim Handelsvolumen noch einmal deutlich zulegen. Dies auch, weil man gemäss Einschätzung von Fachleuten mit der Entwicklung zwar nicht mehr ganz am Anfang steht, aber eigentlich auch noch nicht richtig weit ist. Die Lichtausbeute liegt heute bei unter 100 Lumen pro Watt. Theoretisch kann man diesen Wert noch auf etwa 150 Lumen pro Watt steigern. Damit werden LED noch einmal leistungsfähiger und bedrängen bisherige bewährte Lichtlösungen.
Gründe, die einen Einsatz bereits heute rechtfertigen, sind schnell gefunden: Die aktuelle Generation von LED-Leuchten ist nicht nur deutlich besser geworden, sondern auch noch günstiger. Bewertet man die lange Brenndauer und den massiv tieferen Energieverbrauch, rechnen sich die gegenüber den Halogenlampen etwas teureren LED sehr schnell. Am Markt ist mittlerweile ein sehr breites Leuchtensortiment erhältlich. Die Preisschere öffnet sich aber je nach Herkunft und Qualität der Produkte sehr stark. Es gibt Leuchten für wenige Franken aus billiger Massenproduktion und solche für 50 Franken, die sich optisch aber kaum unterscheiden. Für Schreiner und Bauherren ist es daher recht schwierig zu unterscheiden, warum und was an den teuren Leuchten so viel mehr wert ist. Es gibt aber viele Faktoren, die einen höheren Preis rechtfertigen und es lohnt sich, auf die Details zu achten.
«Eine LED-Leuchte ist ein komplexes Produkt, das erst im Zusammenspiel funktioniert», sagt Debled. Neben der Wahl von geeigneten Materialien ist deshalb das Zusammenspiel von Diode, Kühlkörper und Energiezufuhr zentral. Bereits die Wahl der Leuchtkristalle, der lichtemittierenden Dioden, entscheidet über Sein oder Nichtsein. In der Diodenproduktion ist es nach wie vor nicht möglich, zwei absolut identisch arbeitende Dioden zu fertigen. Sie unterscheiden sich trotz gleicher Beschichtung in der Lichtfarbe und im Farbwiedergabeindex. Die nachgelagerten Verarbeiter sind daher auf eine sorgfältige Auswahl angewiesen. Dazu wird das Binningverfahren eingesetzt: Jeder Kristall wird ausgemessen und klassiert. Europäische Verarbeiter wollen die Kristalle, welche nahe bei den Lichtfarben 3000, 4000, 5000 und 6000 Kelvin zu liegen kommen.
Verarbeitet man unterschiedliche Kristal- le zu einer punktförmigen oder linearen Leuchte, sind die Unterschiede sehr schnell deutlich zu sehen. Dies aber nicht, indem man direkt in die Leuchte schaut, sondern wenn man ein blütenweisses Blatt Papier darauflegt. Schon kleinste Farbdifferenzen werden so sichtbar. Diese kleinen Unterschiede sind besonders dann gut zu erkennen, wenn der Leuchtkegel auf eine helle Fläche, etwa auf Arbeitsflächen oder Tablare trifft. Bei hochwertigen Leuchten sind keine solchen Farbunterschiede zu sehen. Bei billigen Produkten ist dies aber an der Tagesordnung.
In die gleiche Richtung stösst die Verdrahtung: Mit zunehmender Leitungslänge sinkt aufgrund des Leitungswiderstandes die Stromstärke. Dies ist besonders bei längeren Lichtbändern zu beobachten. Der erste Kristall in der Kette leuchtet nicht genau gleich hell wie der zwanzigste. Hochwertige Linerarleuchten und Lichtbänder bekommen daher in immer gleichen Abständen kleine Widerstände in die Verbindungsleitung gelötet. Damit lässt sich auch bei längeren Ketten an allen Dioden die gleiche Lichtleistung erreichen.
Zusätzlich wird zwischen die Gruppen eine weitere Sicherheit eingelötet. Sie schützt die Leuchtmitttel vor Überspannung. «LED sind Halbleiter und daher sehr schadensanfällig, wenn Fremdspannungen im Spiel sind», sagt Debled. Gefährlich sind bereits kleinste statische Entladungen, wie sie auch vom Menschen ausgehen können. Man sollte daher nie ohne Handschuhe Kontakte oder Leiterbahnen berühren. Hochwertige Leuchten sind aus diesem Grund umfassend gegen solche Stromschläge geschützt. Dies einerseits durch das konsequente Abdecken aller heiklen Komponenten sowie Stecker und andererseits mit zuverlässigem Überstromschutz durch Sicherungen in den Schaltungen. Sind elektronische Bauteile und Leiterbahnen einfach zugänglich, spricht dies also nicht unbedingt für eine hohe Qualität der Leuchte. Dioden, die Überspannung ausgesetzt waren, versagen irgendwann ihren Dienst. Leider wird man kaum merken, dass man eine Leuchte beschädigt hat, denn die Ausfälle treten nicht sofort auf, sondern erst, wenn die Lampen eine Zeitlang in Betrieb waren.
Grosse Qualitätsunterschiede sind bei den verwendeten Materialien zu finden – dies speziell bei den Kühlkörpern. Das Durchströmen des Halbleiters mit Elektrizität produziert trotz geringem Energieverbrauch Wärme. Ohne Kühlung sinkt die Lebensdauer der LED sehr schnell. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer Halbierung der Lebensdauer bei einer Übertemperatur von fünf Grad. Konstrukteure müssen sich daher um die Abfuhr der entstehenden Wärme kümmern. Entscheidend sind der Wärmefluss von der Diode auf den Kühlkörper und die Beschaffenheit der Kühleinheit. Dabei gilt: Nur gut ausgeführte Lötstellen können die Wärme zuverlässig ableiten. Dies zu erkennen, ist aber leider nur Elektronikfachleuten möglich.
Günstige Leuchten haben entweder keine Kühlvorrichtung, unterdimensionierte Kühl- rippen oder Kühlkörper aus billigen Materialien. Entsprechend schnell geben sie ihren Geist auf. Hochwertige Leuchten sind mit Kühlrippen aus gut wärmeleitendem Aluminium oder Magnesium gefertigt. Doch Achtung: Nicht immer braucht es eine sichtbare Kühlvorrichtung. Ist die Leistungsaufnahme sehr gering, erhitzt sich auch die Diode weniger stark. Zudem übernimmt bei vielen Leuchten das Gehäuse entsprechende Kühlaufgaben. Bei Linearleuchten sorgt das Halteprofil für die nötige Kühlung. Verkürzte Lebensdauer heisst aber nicht, dass nach der Hälfte der angegebenen Brenndauer von 30 000 Stunden Dunkelheit herrscht. Die Verkürzung wirkt sich in erster Linie auf die Restleuchtfähigkeit aus. Ist bei einer Leuchte eine garantierte Lebensdauer von 30 000 Stunden angegeben, bedeutet dies lediglich, dass nach dieser Zeit die Leuchtkraft auf unter 70% des Anfangwertes fällt. Auch danach wird eine Leuchte noch jahrelang Licht abgeben. In der Küche rechnet man mit etwa 1000 Stunden Betriebsdauer pro Jahr.
Ähnlich gut wie die Leuchten wollen auch die Trafos behandelt werden. «Sind sie schlecht platziert und haben dadurch zu warm, sinkt ihre Lebensdauer rapid», sagt Gilles Debled von Störi. Fachleute schätzen den Vitalverlust wie bei den Dioden auf etwa die Hälfte, wenn das Milieu 5 °C zu warm ist. Ausreichende Belüftung der Hohlräume wird deshalb vorausgesetzt. Zusätzlich muss man den Nennwert beachten. Nicht jeder Trafo lässt eine Auslastung bis zum letzten Watt zu. Man kann also nicht immer exakt Leuchten mit 20 Watt Leistungsaufnahme an einem 20 Watt-Trafo anschliessen. Wie weit ein Trafo belastbar ist, muss man beim Händler in Erfahrung bringen. Zu stark belastete Geräte steigen schnell aus und müssen vorzeitig ersetzt werden.
Seriöse Händler verkaufen aber nie Leuchten ohne entsprechende Beratung und technische Unterstützung. Alle Komponenten müssen optimal aufeinander abgestimmt sein, um zu funktionieren. Gute Leuchten erkennt man deshalb also auch daran, ob die Händler entsprechende Unterstützung vor und nach dem Kauf bieten können. Die Erfahrung und die zielgerichtete Entwicklung der Produkte spielt dabei eine grosse Rolle.
www.stoeri-licht.chVeröffentlichung: 03. Mai 2012 / Ausgabe 18/2012
Brand. Ein Feuer hat die Werkstatt der J. Gisler Söhne AG sowie ein angrenzendes Mehrfamilienhaus in Spiringen im Kanton Uri zerstört. Ein riesiger Schock. Inhaber Ueli Gisler hat eine Zwischenlösung gefunden.
mehr
PaidPost. Jedes Jahr steht bei den Schreiner-Lernenden die IPA an: die praktische Arbeit, die innert vorgegebener Zeit hergestellt wird. Hier die diesjährigen Projekte.
mehr