Massarbeit auf Rädern

Den ersten Ferientest in der Bretagne hat Wohnwagen Luigi mit Bravour bestanden. Bild: Hans Jörg Weingartner

Wohnwagen.  150 Arbeitsstunden hat Hans Jörg Weingartner investiert, um den Traum des eigenen kleinen Wohnwagens zu verwirklichen. Herausgekommen ist «Luigi» – ein liebenswerter Campinganhänger mit Dachzelt, Outdoorküche und erstaunlich viel Platz.

Eigentlich war Hans Jörg Weingartner in seinen Ferien jeweils mit dem Fahrrad und einer Hängematte unterwegs. Als er seine Partnerin kennenlernte, wurde daraus ein Dachzelt auf dem Auto, und schliesslich entstand beim gelernten Schreiner der Gedanke, einen kleinen Wohnwagen zu bauen.

«Die Idee entwickelte sich vergangenen Herbst im Piemont», erinnert sich Weingartner. Genauer gesagt auf einem idyllischen Agriturismo, also einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Stellplätzen, bei welchem die nächsten Einkaufsmöglichkeiten nur mit dem Auto erreichbar waren. Während der Campingferien sei ihnen bewusst geworden, wie aufwendig es ist, jedes Mal das Zelt zusammenklappen zu müssen, um wegzufahren.

«So ist die Idee geboren, selbst einen kleinen Campinganhänger zu bauen und darauf das Dachzelt zu montieren», sagt er.

Zeigen, was der Schreiner kann

Inspiriert wurde er dabei auch von Orlando Della Torre, dem Geschäftsführer der Della Torre GmbH in Luzern-Littau, welcher seinerseits bereits einen Wohnwagen für sich gebaut hatte. «Als üK-Leiter habe ich das Projekt als Chance gesehen, etwas ganz Eigenes für mich umzusetzen und den Lernenden, die ich unterrichte, zu zeigen, was der Schreiner alles kann», sagt Weingartner. Für ihn ist der Schreinerberuf eine Herzensangelegenheit. Nachdem er einst selbst eine Schreinerei geleitet und nebenher überbetriebliche Kurse erteilt hat, ist er nun bereits seit zehn Jahren im Ausbildungszentrum in Rothenburg LU fest angestellt. Dass er mit Della Torre jemanden kannte, der bereits Erfahrung im Wohnwagenbau hatte und der ihm zudem seine Maschinen zur Verfügung stellte, war für Weingartner ein absoluter Glücksfall, wie er sagt: «Orlando konnte mir sehr viele Tipps geben, worauf zu achten ist. Mit seiner Unterstützung konnte ich die Teile der Wagenhülle auf der CNC fräsen und zusammenbauen.» Bei der Produktion verliess sich Weingartner auf eine vermasste Handskizze, denn der Plan war bereits in seinem Kopf.

Etwas schwerer, dafür beständig

Bei der Wagenhülle setzte der Schreiner auf bakelisierte, wasserfest verleimte Sperrholzplatten mit einer Dicke von 30 mm. Auf diese Weise sorgte er für eine hohe Feuchtigkeitsbeständigkeit und Widerstandskraft. Die Platten sind zwar etwas schwer, dafür habe er sich keine Gedanken machen müssen bei der Verschraubung des Innenausbaus. Aus demselben Material fertigte er auch die Radabdeckung des Anhängers, um sich bedenkenlos daraufstellen zu können beim Einrichten des Dachzeltes. Um die Abdeckungen zu montieren, habe er erst die Räder wegnehmen müssen zum Schrauben, erzählt er.

Wohnwagenbesitzer ohne Auto

Bei den Klappfenstern, welche er in die zuvor auf der CNC-Maschine ausgefrästen Ausschnitte einpasste, setzte er auf echtes Glas anstelle von Acrylglas. So weist die Hülle allein ein Gewicht von 350 kg auf. Zusammen mit Anhänger, Innenausbau, Dachzelt und Ausstattung resultiert ein Gewicht von rund einer Tonne. «Das schiebst du aber noch gut zu zweit oder notfalls auch allein», sagt Weingartner. Das Auto habe eine Zuglast von 1800 kg. Dazu verrät der Neo-Wohnwagenbesitzer aus Kriens gleich noch einen witzigen Fakt, nämlich dass er selbst gar kein Auto besitzt, sondern seine Partnerin, die im Kanton Zürich wohnt. Verleimt wurde das «Kistli», wie er es nennt, mit PU-Schaumleim für die Wasserbeständigkeit, und Lamello-Tenso-Verbinder sorgen für die nötige Spannkraft bei den Gehrungen. Die Bemalung des Wohnwagens machte er gemeinsam mit seiner Partnerin. Das Blech für Wetterschenkel und Dachzelt-Reling liess er extern biegen.

Aufgesetzte Beschläge als Statement

Den Innenausbau produzierte Weingartner abends und an Wochenenden im üK-Zentrum. Er besteht im Wesentlichen aus einer Outdoorküche und Stauraumkästchen. Anders als in anderen Wohnwagen gibt es keinen Tisch, keine Sitzbänke und auch kein Bett, da dieses ja auf dem Dach zu finden ist. So bleibt viel Raum, um das Campingmaterial zu laden. Den Bereich unter dem Fenster hat Weingartner mit Filz belegt, für den Fall, dass man einmal drinnen sitzt und sich bequem anlehnen möchte. Bei der Innenausstattung setzte Weingartner auf 15-mm-Birkensperrholz und aufgesetzte Scharniere. «Natürlich wären auch Topfbänder möglich gewesen», sagt er, aber er habe das typische Campingfeeling gewollt. Für spezielle Formen stellte er Schablonen her – «als üK-Leiter ist das ja schliesslich mein tägliches Brot» – und führte die Bearbeitung mit der Oberfräse aus. Kernstück des Innenausbaus ist die Outdoorküche, bestehend aus einem ausgeklügelten Schubladensystem. Um den Kühlschrank auch von innen bedienen zu können, hat Weingartner eine herausnehmbare Abdeckplatte angebracht. Bei der Heckklappe des Wohnwagens montierte er eine Gasdruckfeder, sodass die Outdoorküche risikofrei bedient werden kann.

Rund 150 Arbeitsstunden hat Weingartner investiert, bis er seinen Traum vom eigenen Wohnwagen in die Tat umgesetzt hatte. Den Wert des Gefährts schätzt er inklusive Anhänger und Dachzelt auf rund 14 000 Franken. Nicht eingerechnet sind darin die Arbeitsstunden.

Und wer ist überhaupt Luigi?

Mittlerweile hat der selbst gebaute Wohnwagen bereits seinen ersten zweiwöchigen Urlaub in der Bretagne hinter sich und den Eignungstest mit Bravour bestanden. «Meine Partnerin und ich waren mit ihren beiden Kindern unterwegs», erzählt Weingartner. «Wir haben im Dachzelt geschlafen, einer der Jungs im Wohnwagen und einer im Zelt.» Und dort fand auch Hündin Mara noch ein Plätzchen. Selbstredend brauchte das Ferienzuhause auch einen Namen. «Wir waren uns ohne zu überlegen einig, dass es ein italienischer Name sein muss», sagt Weingartner. Schliesslich ist die Idee ja auch in Italien geboren. «‹Luigi› war für uns beide auf Anhieb passend», erzählt er und fügt mit einem Lachen an: «Wenn wir unseren Freunden sagten, dass wir mit Luigi in die Ferien fahren, kam immer gleich die Frage ‹Wer ist Luigi?›»

Fest steht: Luigi gehört nun schon fast zur Familie und weiss, wie «la dolce vita» auf Rädern funktioniert.

Monika Hurni

Veröffentlichung: 27. August 2026 / Ausgabe 35/2026

Artikel zum Thema

21. Mai 2026

Wie Schreinereien gefunden werden

Sichtbarkeit.  Vom Google-Ranking zur KI-Empfehlung: Immer mehr Kunden suchen nicht mehr nur über klassische Suchmaschinen, sondern stellen konkrete Fragen an KI-Systeme oder nutzen die Sprachsuche. Für Schreinereien gilt es, die Sichtbarkeit gezielt auszurichten.

mehr
12. Mai 2026

Die Balteschwiler AG streicht die Bereiche Handel, Hobel und Beschichtung

Im Zuge einer Neuausrichtung streicht das Holzindustrieunternehmen Balteschwiler aus Laufenburg AG in den kommenden zwei Jahren die Geschäftsfelder Handel, Hobel und Beschichtung. Noch ist nicht klar, wie viele Mitarbeitende von Kündigungen betroffen sein werden.

mehr

weitere Artikel zum Thema:

Wirtschaft