Wie Schreinereien gefunden werden


Das Suchverhalten potenzieller Kunden hat sich gewandelt. KI spielt dabei eine wesentliche Rolle. KI-Bild: Monika Hurni via ChatGPT


Das Suchverhalten potenzieller Kunden hat sich gewandelt. KI spielt dabei eine wesentliche Rolle. KI-Bild: Monika Hurni via ChatGPT
Sichtbarkeit. Vom Google-Ranking zur KI-Empfehlung: Immer mehr Kunden suchen nicht mehr nur über klassische Suchmaschinen, sondern stellen konkrete Fragen an KI-Systeme oder nutzen die Sprachsuche. Für Schreinereien gilt es, die Sichtbarkeit gezielt auszurichten.
Wer heute eine Schreinerei sucht, beginnt seine Suche fast immer online. Noch führt der Weg meist über Google. Doch immer häufiger vertrauen Nutzer der künstlichen Intelligenz (KI) und stellen konkrete Fragen an KI-Tools wie ChatGPT und Perplexity, oder sie sprechen ihre Anfrage einfach direkt ins Smartphone. Dabei verändern sich auch das Nutzerverhalten und die Form der Anfrage. Ein grosser Teil der lokalen Suchen erfolgt spontan und mit klarer Absicht: Ein Problem soll gelöst, ein Auftrag vergeben werden. Aus dem klassischen Suchbegriff «Schreiner Zürich» wird so eine sehr konkrete Frage: «Wer baut mir im Limmattal einen Einbauschrank unter einer Dachschräge?» Die Antwort erscheint unmittelbar als ausformulierte Empfehlung. Für Schreinereien hat das direkte Folgen. Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur in den bekannten Trefferlisten bei Google oder Bing, sondern auch in KI-generierten Antworten.
In der Schweiz nutzen inzwischen 76,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung KI-Chatbots für die Informationssuche (Comparis-Umfrage, Stand 2026). Taucht ein Betrieb dort nicht auf, wird er im entscheidenden Moment nicht wahrgenommen und kommt auch nicht in die engere Auswahl. An diesem Punkt setzen die lokale Suchmaschinenoptimierung und die Optimierung für generative Suchsysteme an, kurz «Local SEO & GEO».
«Local SEO & GEO» umfasst alle Massnahmen, die dafür sorgen, dass ein Betrieb bei Suchanfragen mit regionalem Bezug in Suchergebnissen und KI-Antworten ausgespielt wird. Massgeblich für die Sichtbarkeit ist nach wie vor der Eintrag in Google Maps, insbesondere die Platzierung innerhalb des Local Packs. Gemeint sind damit jene drei Betriebe, die Google bei einer lokalen Suche prominent direkt neben dem Kartenausschnitt als bestplatzierte lokale Unternehmen präsentiert. Diese Positionen sind besonders wertvoll, da sie meist zu einem Erstkontakt führen. Ob ein Betrieb erscheint, hängt jedoch längst nicht nur vom Standort ab. Viel wichtiger ist, wie vollständig, aktuell und vertrauenswürdig die bereitgestellten Informationen sind.
Das Google-Unternehmensprofil wird zur wichtigsten Schnittstelle zwischen Schreinerbetrieb und potenzieller Kundschaft. Es bündelt Öffnungszeiten, Kontaktdaten, Leistungen und Bilder – und ist oft der erste Eindruck vor dem Besuch der Website.
In diesem Zusammenhang spielen visuelle Inhalte eine nicht zu unterschätzende Rolle, gerade im Handwerk. Fotos von realisierten Projekten geben Einblick in Arbeitsweise und Qualität. Sie zeigen, wie der Betrieb individuelle Kundenwünsche umsetzt. Solche Bilder ersetzen zunehmend das persönliche Erstgespräch und helfen Interessenten, sich ein erstes Bild zu machen.
Eng damit verknüpft ist das Thema Vertrauen. Bewertungen wirken wie Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld. Entscheidend sind sowohl Sternebewertung als auch Inhalt. Kunden, die ihre Erfahrungen schildern – etwa zur Passgenauigkeit, Beratung oder Termintreue –, bieten anderen potenziellen Kunden Orientierung bei der Entscheidung. Doch auch für KI-Suchsysteme liefern Bewertungen wichtige Hinweise auf die Stärken eines Betriebs.
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die mobile Nutzung. Rund zwei Drittel aller Suchanfragen kommen heute über Smartphones. Gesucht wird unterwegs, oft in Situationen, in denen schnell eine Entscheidung getroffen wird. Eine Website, die langsam lädt oder unübersichtlich ist, führt deshalb schnell zum nächsten Anbieter.
Mit dem wachsenden Einfluss von KI-Antwortsystemen verändert sich auch die Art, wie Inhalte aufbereitet werden müssen. Klassische Suchmaschinenoptimierung – also das gezielte Platzieren von Schlüsselwörtern (Keywords) – reicht nicht aus. KI-Modelle analysieren Inhalte anders und suchen nach verlässlichen Quellen, die konsistente und verständliche Informationen liefern. Gefragt sind konkrete Antworten auf reale Fragestellungen aus dem Alltag. Dabei gilt zunehmend: Qualität vor Quantität. Wenige, gut ausgearbeitete Inhalte sind wirkungsvoller als viele oberflächliche Seiten ohne klaren Nutzen. Zum Beispiel: Ein Beitrag auf der Website erklärt, wie eine geölte Massivholzplatte richtig gepflegt wird oder welche Lösungen bei schwierigen Raumsituationen möglich sind. Solche Inhalte zeigen Fachkompetenz gegenüber Kunden und liefern genau den Kontext, den KI benötigt, um eine Quelle als relevant einzustufen.
Parallel dazu verändert die Sprachsuche die Anforderungen an Inhalte weiter. Immer mehr Internetnutzer verwenden Sprachassistenten, in den meisten Fällen über das Smartphone. Gesprochene Anfragen unterscheiden sich dabei deutlich von getippten Suchbegriffen. Sie sind länger, konkreter und näher an der Alltagssprache. Statt «Schreiner Bern» lautet die Anfrage beispielsweise: «Wer kann mir kurzfristig eine Holztür reparieren?» Auch diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Gestaltung von Inhalten. Daraus ergeben sich klare Handlungsfelder für Schreinereien.
Die Basis bildet ein vollständig gepflegtes Google-Unternehmensprofil. Aktuelle Öffnungszeiten, eine klare Beschreibung der Leistungen und hochwertige Fotos erhöhen die Chance, im Local Pack zu erscheinen. Regelmässige Aktualisierungen – etwa durch Beiträge oder neue Bilder – halten das Profil lebendig. Ebenso wichtig sind die Basisdaten. Name, Adresse und Telefonnummer (NAP-Daten) müssen auf allen Plattformen gleich sein. Das wirkt vertrauenswürdig und erleichtert es Suchsystemen, den Betrieb eindeutig zuzuordnen. Umgekehrt können schon kleine Abweichungen dazu führen, dass Systeme die Angaben als unsicher einstufen.
Technisch helfen strukturierte Daten, solche Informationen zu kennzeichnen (Schema-Markups). Sie sind im Hintergrund der Website hinterlegt und machen Angaben wie Öffnungszeiten, Leistungen, Standort oder Spezialisierungen maschinenlesbar. Für den Webseitenbesucher bleiben sie unsichtbar, doch für die KI sind sie entscheidend, um einen Betrieb bei einer passenden Suchanfrage wie «Innenausbau in Luzern» treffsicher vorzuschlagen.
Lokale Keywords bleiben unersetzlich und stellen sicher, dass ein Unternehmen dann auftaucht, wenn jemand eine konkrete Suchabsicht hat. Die Grundlage bilden Begriffe, die Kunden aus der Region tatsächlich in die Suchmaske tippen, wie zum Beispiel «Fensterproduzent in Freiburg» oder «Küchenbau Graubünden». Diese Keywords fliessen in Texten und Überschriften der Website, im HTML-Code und im Google- Unternehmensprofil ein.
Ein aktives Bewertungsmanagement ist heute so wichtig wie ein sauberer Empfang in der Werkstatt. Fallen in den Rezensionen Begriffe wie «saubere Montage» oder «kurzfristige Reparatur», ordnet KI den Betrieb als zuverlässig ein. Genauso wichtig ist die Reaktion auf Feedback: Bewertungen sollten innerhalb von 24 Stunden sachlich beantwortet werden. Das beweist Professionalität und zeigt potenziellen Kunden, dass Anliegen ernst genommen werden.
Darüber hinaus spielt die lokale Vernetzung eine grosse Rolle. Die Verlinkungen des regionalen Architekturbüros auf der Website oder ein Bodenleger-Partner, der die Zusammenarbeit erwähnt, wirken als Online-Empfehlung. Auch ein Bericht in der Regionalzeitung oder ein Eintrag auf dem Stadtportal sind für Google und KI klare Signale: Dieser Betrieb ist fest in der Region verankert und eine vertrauenswürdige Anlaufstelle.
Nicht zuletzt verändert sich die Erfolgsmessung. Typische Kennzahlen wie Klicks auf die Website verlieren an Bedeutung. Entscheidend sind konkrete Aktionen: Anrufe, Kontaktanfragen oder gestartete Routenplanungen zeigen, ob die verbesserte Online-Sichtbarkeit tatsächlich zu Aufträgen führt.
Antonia Hertlein ist Head of SXO bei der Löwenstark Online Marketing GmbH. Ihr Verantwortungsbereich umfasst Generative Engine Optimization (GEO), Suchmaschinenoptimierung (SEO), User Experience Optimization (UXO), Conversion Rate Optimization (CRO) und Content-Marketing für KI-gesteuerte Suchmaschinen.
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