Mobiles Vakuum für den stationären Einsatz


Zusammen mit der «Vac Plate» und den beiden «Vac Pucs» wird aus dem «Grabo Pro V2 Brushless» ein Vakuumspannsystem für die Werkstatt. Bild: Sven Bürki


Zusammen mit der «Vac Plate» und den beiden «Vac Pucs» wird aus dem «Grabo Pro V2 Brushless» ein Vakuumspannsystem für die Werkstatt. Bild: Sven Bürki
Sven Bürki macht den Test. An der Holz-Handwerk in Nürnberg konnte Schreiner- zeitungs-Fachredaktor Sven Bürki die neueste Version des Akkusaughebers «Grabo» begutachten. Zusammen mit einem Zubehörset aus den USA wurde dort der stationäre Einsatz des Gerätes gezeigt. Eine Anwendung, die der Möbelschreiner-Weltmeister von 2017 schon länger einmal ausprobieren wollte. Dieser Praxistest bot nun die passende Gelegenheit dazu.
Es gibt sie nun schon einige Jahre – die tragbaren Akkusaugheber mit automatischer Unterdruckkontrolle. Für die Erfindung dieser Art von Gerät zeichnet sich ein Unternehmen verantwortlich, das unter anderem auch Elektrowerkzeuge für den Unterwasser-einsatz herstellt. So meldete Nemo Power Tools Limited im Jahr 2019 das Patent für ihren Akkusaugheber «Grabo» an. Inzwischen gibt es davon auf dem Markt bereits mehrere Versionen sowie ähnliche Geräte anderer Hersteller.
Die tragbaren Geräte sind in erster Linie für das Heben und den Transport von schweren oder grossformatigen Werkstücken gedacht. Ich habe aber auch schon öfter an dem stationären Einsatz der Akkusaugheber herumstudiert. Umgedreht und an der Werkbank befestigt, müssten die Geräte doch ein brauchbares Vakuumspannsystem abgeben, so meine Theorie. Ausprobiert habe ich es jedoch nie – vor allem deshalb, weil ich bereits ein Vakuumspannsystem in meiner Werkstatt installiert habe. Nach meinem Besuch am Stand von Grabo Deutschland an der Holz-Handwerk in Nürnberg im vergangenen März war meine Neugier aber sofort wieder geweckt.
Mit dem «Grabo Pro V2 Brushless» wurden dort nämlich die neueste Version des Akku-Saugheber-Pioniers sowie ein Zubehörset für den stationären Einsatz des Gerätes vorgestellt. Kernstück dieses Zubehörsets ist die «Vac Plate», die mit einem Klettverschlussgurt unter den «Grabo» geschnallt wird. Mittels Luftschläuchen sowie einer T-Kupplung wird der erzeugte Unterdruck vom «Grabo» zu den beiden «Vac Pucs» geleitet. Diese Saugmodule bieten somit zwei Spannmöglichkeiten, die flexibel an einer Werkbank, auf einem Maschinentisch oder auch auf einem Montagebock platziert werden können. Hinter dem Zubehörset steht das US-amerikanische Unternehmen Swan Tool Group mit Gründer Izzy Swan. Der Name des Holzhandwerkers und Entwicklers war mir zum Zeitpunkt der Messe in Nürnberg bereits ein Begriff, da ich zuvor schon über das eine oder andere seiner Instagram-Videos gestolpert war.
Den «Grabo Pro V2 Brushless» sowie das Zubehörset der Swan Tool Group für diesen Praxistest stellte mir verdankenswerterweise die Gran-déco GmbH zur Verfügung. Das Unternehmen aus Wolfhausen ZH vertreibt Maschinen, Werkzeuge sowie Zubehör für die Steinindustrie und ist zudem offizieller Vertriebspartner von Grabo in der Schweiz. Nach einigen Tagen Wartezeit – denn das Zubehörset ist noch so neu, dass es erst beim Hersteller bestellt werden musste – konnte es dann losgehen.
An dieser Stelle möchte ich noch betonen, dass es in diesem Testbericht in erster Linie um die beiden Fragen gehen soll, ob der «Grabo» eine Alternative zu anderen Vakuumspannsystemen darstellt – für sich allein und/oder mit dem Zubehörset der Swan Tool Group. Natürlich gibt es für den Akkusaugheber in der Werkstatt und auf der Baustelle noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten, doch diese ebenfalls zu thematisieren, hätte den Rahmen dieses Berichtes gesprengt.
Für mich stand ein grosser Pluspunkt beim «Grabo Pro V2 Brushless» bereits vor dem Test fest. Das Gerät ist nämlich kompatibel mit verschiedenen Akkusystemen namhafter Hersteller wie Makita, Bosch, Milwaukee, Flex und DeWalt. So kann der «Grabo» entweder mit einem entsprechenden Adapter für das gewünschte Akkusystem oder im Komplettset mit einem Grabo-Akku sowie -Ladegerät bestellt werden. Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft vermehrt solche Lösungen gesucht werden. Aus meiner Sicht ist es wirklich ein grosser Mehrwert, wenn mit einer neuen Maschine nicht auch noch jedes Mal ein neues Akkusystem in der Werkstatt dazukommt.
Daher habe ich für meinen Praxistest zusätzlich zum Komplettset des «Grabos» mit Akku und Ladegerät auch den Adapter für das Makita-Akkusystem dazu geordert – das Akkusystem, das bei mir in der Werkstatt am häufigsten vertreten ist. Damit konnte ich den Wechsel der Akkuaufnahme gleich auch erproben. Dieser ist denkbar einfach: vier Schrauben lösen – Adapter umstecken – Schrauben anziehen – fertig! Das Ganze dauert gerade mal eine Minute, und falsch machen kann man da nun wirklich kaum etwas. Liebe Hersteller, gerne mehr davon.
Ebenfalls praktisch: die im Lieferumfang enthaltene Funkfernbedienung. Besonders für den stationären Einsatz erleichtert sie die Bedienung des «Grabos» erheblich. Vor der ersten Verwendung muss die Fernbedienung erst mit dem Akkusaugheber gekoppelt werden. Hierzu findet sich in der Bedienungsanleitung oder auf der Website von Grabo Schweiz eine Schritt- für-Schritt-Anleitung. Bei Bedarf lassen sich zudem auch mehrere Geräte mit einer Fernbedienung verbinden und können somit gleichzeitig angesteuert werden.
Eine Anleitung findet sich auch für das Einstellen des Unterdrucks, der sich durch eine Tastenkombination und zwischen 0,3 bar und 0,8 bar festlegen lässt. Sobald dieser Schwellenwert beim Aufbau des Vakuums erreicht wird, stoppt die Pumpe automatisch. Gerade bei dünnen und zerbrechlichen Materialien wie etwa Glas ist es empfehlenswert, hier einen tieferen Wert zu wählen. Aber auch bei dem stationären Einsatz ist die Funktion hilfreich, weil sich beim Spannen mit hohem Unterdruck auch andere Werkstoffe mit geringer Stärke schnell mal durchbiegen.
Die schnellste Variante, den «Grabo» zum stationären Spannsystem umzunutzen, ist sicherlich die Verwendung der optional erhältlichen «Attachment Plate». Diese ist in wenigen Sekunden am Akkusaugheber befestigt und verfügt über diverse Schraubpunkte. Allerdings haben die Schnellkupplungen der «Attachment Plate» ein gewisses Spiel. Dies ist nicht weiter schlimm, wenn ich den «Grabo» auf der Baustelle als Plattform für einen Laser nutze oder ihn als dritte Hand bei der Montage von Möbeln verwende. Beim Bearbeiten von gespannten Werkstücken an der Werkbank, wo permanent Kräfte von verschiedenen Seiten wirken, empfand ich das Spiel allerdings als störend. Deshalb habe ich mir aus Sperrholzabschnitten kurzerhand eine Halterung zusammengeschraubt. Hier bieten die vier Metalllaschen an den Seiten des Gerätes eine praktische Basis für die Befestigung von Anbauteilen. Mit meiner selbst gebauten Plattform konnte ich den Akkusaugheber sowohl zum vertikalen als auch zum horizontalen Spannen von Werkstücken verwenden. Auch wenn ich beim Bau meiner Halterung darauf geachtet habe, dass die Bedienungsknöpfe des Gerätes zugänglich bleiben, zeigten sich spätestens da die Vorteile der Fernbedienung. Das Spannen und Lösen der Werkstücke ist damit wirklich bequem möglich, und Arbeiten macht dementsprechend Spass. Hierzu gibt es dann auch gar nicht so viel zu sagen, denn der stationäre Einsatz des «Grabos» hat in der Praxis so gut funktioniert, wie ich es mir im Vorfeld erhofft hatte. Klar, hier gelten die gleichen Voraussetzungen wie beim Heben und Transportieren: Die höchste Haltekraft erreicht man bei Materialien mit einer glatten und geschlossenen Oberfläche. Aber der Akkusaugheber hat in meinem Test alle gängigen Holzwerkstoffe sowie Werkstücke aus Massivholz absolut ausreichend gehalten.
Von der Leistung des «Grabos» in diesem Teil meines Praxistests angetan, war ich nun gespannt, ob das Zubehörset der Swan Tool Group daran anknüpfen kann. Die Installation stellte sich schon mal als erfreulich simpel heraus. Die «Vac Plate» wird hierfür einfach unter den «Grabo» geschnallt, und die Luftschläuche werden in die Kupplungsstücke gesteckt. Im Zubehörset enthalten sind vier Schrauben für die Befestigung der «Vac Pucs» an einer T-Nutschiene. Ich wollte die Sauger aber an meinem Frästisch montieren. So habe ich herkömmliche Holzschrauben und Sperrholzabschnitte als «Mutter» verwendet.
Im Set ist zudem ein aufsteckbarer Griff, der die mobile Nutzung eines «Vac Pucs» ermöglicht. Etwa um ein gespanntes Werkstück an einer Maschine sicher zu führen – quasi als Alternative zu einem Stossholz. Diese Anwendung habe ich allerdings nicht erprobt. Wie diese Anwendung in der Praxis aussehen kann, zeigt der Erfinder der «Vac Pucs» im folgenden YouTube-Video aber gleich selbst.
Die ersten Versuche mit dem Zubehörset waren dann aber leider nicht so erfolgreich wie meine Tests mit dem «Grabo» zuvor. Zwar hat das Ansaugen und Halten der Werkstücke funktioniert, aber mit den angeschlossenen «Vac Pucs» hatte der Akku-saugheber Mühe, den eingestellten Zielwert des Unterdrucks aufzubauen. So war der «Grabo» permanent am Nachpumpen. Vielleicht ist die Installation des Zubehör-sets dann doch nicht so simpel, wie ich ursprünglich gedacht habe. Also alles nochmals überprüft und die Schläuche mit etwas mehr Nachdruck in die Steckkupplungen gedrückt. Doch obwohl ich verschiedene Materialien durchprobiert habe, die zuvor noch problemlos funktionierten, war das Ergebnis das gleiche. Also versuchte ich, nach dem Ausschlussverfahren die Ursache dafür zu ergründen. Letztlich kam ich zum Schluss, dass die Verbindungen zwischen den Luftschläuchen und den Steckkupplungen nicht ausreichend dicht sind.
Mit dieser Art von Kupplungen habe ich keinerlei Erfahrung, und so war ich mir unsicher, ob es vielleicht auch einfach an der Qualität dieser Bauteile scheitert. Das Gefühl, dass das so nicht sein sollte, blieb aber – allein schon wegen des unnötigen Energieverlusts, der das permanente Nachpumpen des «Grabos» bedeutet.
Die Nachfrage beim Lieferanten oder beim Hersteller habe ich aber mal noch auf später verschoben und mit einem Streifen Klebeband an den Schlauchenden versucht, das Problem zeitnah zu lösen. Obwohl die Verbindungen dadurch tatsächlich etwas dichter waren, musste der «Grabo» immer noch unverhältnismässig oft nachpumpen, um den Unterdruck zu halten. Vom Tisch war das Problem also noch nicht, aber zumindest so weit verbessert, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie die «Vac Pucs» durchaus eine praktische Ergänzung zum «Grabo» sein können. Ist der Unterdruck erst mal aufgebaut, sitzt das Werkstück wirklich erfreulich fest auf den Saugern, sodass am gespannten Stück auch gerne mal mit Hammer und Stechbeitel gearbeitet werden kann. Ebenso empfand ich die Haltekraft des Systems durchaus als beachtlich.
Dass ich mich aber vielleicht ein wenig zu lange an der hohen Haltekraft erfreut hatte, zeigte sich kurz darauf. Denn plötzlich ging gar nichts mehr. Ein Alarmton meldete noch den Abfall des Unterdrucks, und kurz darauf löste sich das gespannte Werkstück. Zuerst dachte ich, dass der Akku erschöpft ist, denn dies meldet der «Grabo» akustisch sowie visuell mit einem Blinken des Displays. Doch auch nach dem Akkuwechsel wollte die Pumpe des Akkusaug- hebers nicht mehr arbeiten. Weder die Bedienungsanleitung noch die Vorschläge zur Fehleranalyse auf der Grabo-Website konnten mir weiterhelfen. So beschlich mich der Verdacht, dass der «Grabo» das permanente Nachpumpen vielleicht nicht so gut weggesteckt hat. Also ersuchte ich Rat bei David Fust, zuständig für das Marketing und die Kommunikation und mein Kontakt bei der Gran-déco GmbH. Da ihm das von mir geschilderte Problem ebenfalls nicht bekannt war, versprach er mir, umgehend beim Hersteller nachzufragen.
Lange musste ich nicht auf eine Antwort warten, auch wenn sie nicht so erfreulich ausfiel, wie ich hoffte. Denn mit einem einfachen Reset war es bei meinem Testgerät nicht getan. Vielmehr hat der «Grabo» oder, besser gesagt, seine Pumpe, den Dauerbetrieb tatsächlich nicht gut verkraftet und ist überhitzt. Seit der Markteinführung dieser ersten Serie des «Grabo Pro V2 Brushless» habe es einige wenige ähnliche Fälle gegeben, so die Stellungnahme des Herstellers, wie mir Fust mitteilte. Die Ursache sei immer ein hoher Luftfluss über einen längeren Zeitraum gewesen. Man habe bereits reagiert und bei der zweiten Serie die Steuerplatine sowie Software des «Grabos» angepasst, sodass die Pumpe gedrosselt wird, bevor sie überhitzen kann.
So weit, so gut. Problem erkannt und Problem angegangen. Wobei die Frage weiterhin offen blieb, ob die Steckkupplungen beim Zubehörset der Swan Tool Group nicht doch etwas dichter sein könnten. Schliesslich sind sie erst der Auslöser für den Defekt meines Testgerätes gewesen. So habe ich mich bei Grabo Deutschland danach erkundigt, denn dort hat sich das Zubehörset während vier Messetage in Nürnberg ja schon bewiesen. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Verbindungen zwischen Luftschläuchen und Kupplungen sollten definitiv dichter sein, als es bei meinem Set der Fall war. Da ich nun wirklich nicht weiss, was ich beim Zusammenstecken noch hätte anders oder besser machen können, muss man das Ganze wohl unter der Kategorie «Montagsprodukt» einordnen. Unglücklich, aber kann nun mal vorkommen.
Zugegeben, das Schreiben eines Resümees ist mir auch schon leichter gefallen. Nicht wegzudiskutieren ist die Tatsache, dass ich am Ende mit einem defekten Gerät dastand. Dennoch sind wohl einige Dinge unglücklich zusammengekommen. Hätte ich den Akkusaugheber ohne das Zubehörset der Swan Tool Group getestet oder wären dort die Steckverbindungen regulär dicht gewesen, wäre der Defekt am «Grabo» kaum aufgetreten. Gleichwohl finde ich, dass davon ausgegangen werden darf, dass das Gerät über eine entsprechende Sicherheitsabschaltung für solche Situationen verfügt. Dem Hersteller möchte ich zugutehalten, dass er mir gegenüber das Defizit bei der aktuellen Serie transparent kommuniziert hat. Zudem sind die nötigen Verbesserungen bereits in die Wege geleitet, womit das Problem bei der zweiten Serie wohl nicht mehr auftreten wird.
An dieser Stelle darf ich auch den Service der Gran-déco GmbH hervorheben. Meine Probleme mit dem Gerät wurden umgehend abgeklärt, und ich hätte die Möglichkeit, sofort ein Ersatzgerät zu erhalten. Letztlich habe ich mich aber dazu entschieden, auf ein Gerät der zweiten Serie mit neuer Steuerplatine und dem Softwareupdate zu warten. Parallel dazu werde ich ein neues Zubehörset ordern, um herauszufinden, ob ich wirklich einfach Pech mit der Qualität der Steckverbindungen hatte.
Für den Moment kann ich sagen, dass ich das Potenzial des «Grabos» im stationären Einsatz weiterhin als gross erachte. Denn gegenüber anderen Vakuumspannsystemen sehe ich einen echten Vorteil in seiner Flexibilität. So kann ein Gerät sowohl in der Werkstatt als auch auf der Baustelle zum Einsatz kommen. Bis zum Defekt hat alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe, und ohne das abrupte Ende wäre mein Fazit wohl durchweg positiv ausgefallen. Somit bleibt aber fürs Erste noch ein kleines Fragezeichen stehen.
Beim Zubehörset der Swan Tool Group bin ich noch etwas zurückhaltender. In den Ansätzen hat es funktioniert, wie es sollte, aber die Mängel bei den Steckverbindungen waren zumindest bei meinem Testset offensichtlich. Umso mehr bin ich gespannt, ob sich das neue Set besser präsentieren wird. So möchte ich dem Zubehör der Swan Tool Group eine zweite Chance geben, und mein abschliessendes Fazit in einem nachgefassten Beitrag in einer der kommenden Ausgaben der Schreinerzeitung teilen.
Veröffentlichung: 16. Juli 2026 / Ausgabe 29-30/2026
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