Richtig klotzen

Wer sein Holz im Wald kauft, hat viel Arbeit damit und spart nicht unbedingt viel Geld. Es ist daher eher eine Überzeugungssache. Bild: Klais Orgelbau

Wertholzeinschnitt.  Rundholz direkt im Wald einzukaufen und daraus Klotzbretter einschneiden zu lassen, kann reizvoll sein. Wer sich damit intensiv beschäftigt, erfährt nicht nur viel über Holz, er kann auch abseits der Trends in der Möbelmode eigene Akzente setzen.

Es geht nicht unbedingt ums Geld, auch wenn die Überlegung, Holz für Klotzbretter gleich im Wald zu kaufen, grundsätzlich interessant ist. Wie der Schreiner zu seinem Massivholz kommt, ist zum einen von langjährigen Lieferantenbeziehungen geprägt und zum anderen von Überzeugungen getragen. Viele Unternehmer haben es sich zumindest schon einmal überlegt, Rundholz direkt im Wald einzukaufen und die Sache damit selbst in die Hand zu nehmen. Zum Beispiel, weil man Spezialitäten möchte, die man im Schnittholzhandel unter Umständen lange suchen muss oder weil man weiss, wo die feinjährige Esche wächst und genau diese vornehme Linierung haben möchte für seine Möbel. Keine Frage: Wer Holz vom Wald aus denkt und versteht, schafft sich mehr Möglichkeiten. Vor allem dann, wenn man Hölzer braucht, die nicht gerade ganz gross in Mode sind, denn die Forstwirtschaft reagiert schnell auf Holztrends, weil sie eine steigende oder auch sinkende Nachfrage als Erste zu spüren bekommt. Das hat sich zuletzt beim Nussbaum gezeigt, dann bei der Eiche und aktuell erzielt die Lärche beim Rundholz aussergewöhnlich hohe Preise. Allerdings ist diese Mode bei weitem nicht so stark wie zuvor bei Eiche und Nussbaum. Wer dagegen derzeit etwa Buche oder Esche kauft, der kann hochwertiges Rundholz in guten Dimensionen zu tiefen Preisen finden. Dies spiegeln zum Beispiel die Preisempfehlungen von Waldwirtschaft und Holzindustrie ebenso wider wie die Erlösstatistiken von Wertholzverkäufen.

Wissen und Erfahrung nötig

Für Hermann Hasler ist das alles keine Frage. Seine Schreinerei verarbeitet etwa 150 m3 Schnittholz im Jahr zu Massivholzmöbeln. Das nötige Rundholz dafür kauft er beim Förster und von Bauern ein und lässt es anschliessend beim ortsansässigen Säger einschneiden. Nach der ein bis zwei Jahre dauernden Freilufttrocknung reduziert er die Holzfeuchte im eigenen Vakuumtrockner auf acht bis neun Prozent herunter.

Dank dieser Vorgehensweise stammt einerseits das Holz aus der Region, was Hasler als Verkaufsargument für seine Möbel nützt. Andererseits kann er auch bei der Materialwahl aus dem Vollen schöpfen. Und das schon seit langer Zeit, denn um die Klotzbretterzeugung selbst in die Hand zu nehmen, braucht es nebem dem Wissen über das Holz auch eine gehörige Portion Erfahrung. Zwar legen die gültigen Handelsgebräuche für Rohholz Sortierkriterien fest, doch bleibt trotz des Leitfadens noch viel Spielraum für Interpretationen. Schon die praktische Anwendung eines «geraden Faserverlaufes» kann man je nach Holzart durchaus unterschiedlich sehen. «Beim Einkauf von Rundholz sollte man neben den Qualitätsmerkmalen auch darauf achten, dass die jeweilige Holzart aus einem geeigneten Wuchsgebiet stammt und das Holz in der Saftruhe geschlagen wurde», weiss Michael Gürtler von der Gürtler Holz GmbH.

Die Sache mit den Preisen

Schon ein schneller Preisvergleich für Holz gleicher Qualitätsklasse aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz offenbart, wie viel Einfluss das tatsächliche Erscheinungsbild und der allgemeine Eindruck doch hat. Noch stärker variieren die Preise beim Schnittgut. Für Klotzbretter der Klasse I/II gleicher Art finden sich schnell Preisunterschiede um den Faktor zwei bis drei. Ein Hinweis darauf, dass sich die tatsächliche Qualität trotz identischer Sortierklasse der Klotzbretter doch erheblich unterscheidet. Freilich hinken Vergleiche immer, weil die Durchschnittswerte eben nicht die tatsächliche Qualität eines Stammes oder eines Klotzes widerspiegeln können. Aber für eine Einschätzung kann eine überschlägige Kalkulation dienen, wie aus der nebenstehenden Tabelle ersichtlich.

Aushandeln und bieten

Gottfried Stähli ist ein erfahrener Säger und weiss: Der erzielbare Ertrag zwischen Rundholzeinkauf und Schnittholzverkauf ist in aller Regel nicht so riesig. «Sonst würden alle Holzverarbeiter selbst Rundholz kaufen, oder aber wir Säger wären reich.» Schreiner, die 30 oder mehr Kubikmeter Holzlager haben, brauchen auch entsprechend Platz und technisches Gerät, um die Massen zu manipulieren. Und schliesslich bedeutet ein grosses Lager auch immer viel Arbeit, und damit Kosten.

Zweifel hat Stähli auch, ob ein Schreiner im Freihandverkauf so einfach gutes Holz bekommt. Es braucht den vertrauensvollen Kontakt zum Förster. Eine Variante, Risiken für Fehleinschätzungen beim Rundholz einzuschränken, ist deshalb, sich auf die im Winterhalbjahr stattfindenden Wertholzverkäufe zu stützen. So kann man das Risiko deutlich minimieren, weil in der Regel nur die besten Stämme auf den Wertholzlagerplatz kommen, die dann der Güteklasse A entsprechen. Bekommt man aber nur den Zuschlag für ein kleines Los an Stämmen, hat man wiederum deutlich höhere Transportkosten je Kubikmeter. Dann kann es sinnvoll sein, einen Unternehmer mit Mobilsägewerk mit dem Auftrennen der Stämme vor Ort zu beauftragen. «Wir haben bei den Wertholzverkäufen immer wieder Schreiner, Küchenproduzenten und Instrumentenbauer, die das Rundholz direkt einkaufen», erklärt Theo Kern, Geschäftsführer Aargauischer Waldwirtschaftsverband.

Aber: Wer die Güteansprache von Stämmen beherrscht, kann im Freiverkauf deutlich Geld sparen.

Kriterien zur Rundholzbeurteilung

Die besten Klotzbretter stammen von starken Stämmen. Auch der Anteil an Brettern mit stehenden Jahren ist beim oft angewandten Rundschnitt aus dicken Stämmen am grössten. Da bei grossen Durchmesserdimensionen auch der astfreie Anteil in der Regel höher ist und der relative Splintholzanteil geringer, liefert ein grösserer Durchmesser viele Gründe für einen höheren Preis. Bei der Länge gilt es, das Mindestmass des beteiligten Sägers zu beachten. Vor allem der Spannwagen eines Gatterbetriebes erfordert eine Mindestlänge, um den Stamm spannen zu können.

Um die Astigkeit zu beurteilen, muss man den Stamm rundum gut ansehen können. Wellen oder Beulen deuten auf ehemals vorhandene und ungenügend überwallte Äste hin, deren Abschätzung über die genaue Lage im Stamm je nach Holzart deutlich variieren kann. Hier braucht es Erfahrung, Beulen sollten generell aufgeschnitten werden, damit man sehen kann, ob es sich um möglicherweise faule, abgestorbene Primäräste handelt, die dann bis zur Mark-röhre durchgängig sind, oder vielleicht um überwallte Wasserreiser, auch Klebäste genannt. Diese sitzen dann nur am Mantel und falls gesund, können sie auch dekoratives Element sein.

Nach den Sortierkriterien der Handelsgebräuche sind Stämme der Qualität A frei von Ästen und Beulen. Die Qualität B darf einzelne Äste aufweisen, ohne dass genau definiert wäre, was «einzeln» konkret bedeutet. Für manche Holzarten hat man Merkmale genauer definiert. Etwa für die Eiche. A-Rundholz (ab 40 cm Mittendurchmesser) darf weder verwachsene noch faule Äste sowie eine Krümmung unter einem Zentimeter pro Laufmeter aufweisen. Auch der Drehwuchs muss unterhalb eines Zentimeters pro Laufmeter liegen.

Der Katalog der zu prüfenden Merkmale enthält noch viele weitere Punkte. Sind die Jahrringe gleichmässig oder gibt es Sprünge als Folge waldbaulicher Eingriffe? Wie stark ist ein Stamm abholzig, sind Risse vorhanden und woher stammen diese? Der Blick auf Verfärbungen, Exzenterwuchs der Markröhre oder Insektenschäden sind nur einige weitere.

Grosses Augenmerk sollte man vor allem bei den attraktiven Obsthölzern auf den Drehwuchs richten. Für B-Qualität lassen die Handelsgebräuche generell einen Drehwuchs von weniger als fünf Zentimetern pro Laufmeter zu. Bei Obsthölzern kann dieser Wert oft nicht erreicht werden, ist aber besonders wichtig, da Klotzbretter aus einem drehwüchsigen Stamm auch nach sauberem Aushobeln nur selten wirklich «ruhig» bleiben.

Besonderheiten beachten

Dazu kommt, dass Merkmale zum Teil auch holzartentypisch zu bewerten sind. Ist ein Sprung in der Jahrringbreite bei zerstreutporigen Laubhölzern lediglich ein optisches Merkmal, kann es bei einigen ringporigen Laubhölzern, vor allem bei Eiche, Edelkastanie, Robinie, Kirschbaum oder Ulme, zur Ringschäle führen. Diese Ablösung zwischen zwei Jahrringen reduziert die Ausbeute deutlich, tritt aber in der Regel bereits am liegenden Rundholz auf und ist damit gut zu beurteilen.

Eine Hagebuche wächst fast immer spannrückig. Wer einen zylindrischen Stamm ohne Verfärbungen, Äste und Beulen mit 60 cm Mittendurchmesser vor sich hat, der kann trotz einer vorhandenen Spannrückig-keit von einem Spitzenstamm ausgehen.

www.haslerag.chwww.guertler-holz.chwww.awv.ch

ch

Veröffentlichung: 17. April 2014 / Ausgabe 16/2014

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