Spiel mit Tradition und Moderne

Neue Formen in Verbindung mit Holz und hochwertige Oberflächen überraschen in den Suiten. Bild: Herzog & de Meuron

Denkmalschutz.  Samtweiche Polstersofas, markante Wandpaneele, extravagante Holzmöbel und hochglänzende Lackierarbeiten: Beim Umbau des Les Trois Rois in Basel setzte das Architekturbüro Herzog & de Meuron auf Neuentwicklungen und handwerkliche Exzellenz.

Ein Blumen-Arrangement aus hellroten Amaryllis prangt im Empfang des Grand Hotels Les Trois Rois in Basel. Ein Flur führt seitlich in den neu gestalteten, jüngeren klassizistischen Kopfbau, eine Erweiterung des alteingesessenen Luxushotels direkt am Rhein, der nach zweijähriger Umbauphase im vergangenen Sommer wiedereröffnet wurde. Die Neugestaltung spielt bewusst mit dem historischen Bestand durch extravagante Formen, neue Farben und Materialien.

Im Erdgeschoss liegt das «The Council», ein rund sieben Meter hoher kathedralartiger Raum, für den ein Stockwerksboden komplett entfernt wurde. Rot gepolsterte Wandsofas kontrastieren mit schwarzem Holztäfer, an den Seiten dominieren über den Cheminées meterhohe Keramikwände das Kaminzimmer. Die 570 individuell geformten Kacheln wurden von Jaques Herzog und seinem Team gemeinsam mit der Keramikerin Esther Lattner und der Kunstbetrieb AG in Münchenstein BL entworfen und handgefertigt. «Jede Kachel haben wir separat nach einem bestimmten Muster montiert», erklärt Projektleiter Adrian Aemisegger von der Schreinerei Karl Bucher AG in Goldau. Der Betrieb fertigte aus brandschutztechnischen Gründen für die Wand einen Stahlrahmen mit nicht brennbaren Gipsplatten.

Neukonstruktion Fensterläden

Die Schreinerei übernahm den Ausbau des Raumes. Dessen historische Rundbogenfenster sind mit automatischen Faltläden zur Verdunkelung ausgestattet. «Wir haben die Läden selbst entwickelt und konstruiert, mithilfe eines selbst erstellten Prototyps», erklärt Aemisegger. Auf der Oberseite verläuft ein Schiebetürbeschlag, unten entlang eine spezielle Führungsschiene für den Antrieb. Bis das Schliessen und Öffnen einwandfrei funktionierte, waren viele Versuche notwendig. Die Läden, welche in der Mitte über ein Scharnier verbunden sind, müssen beim Öffnen einen Knick machen, damit sie aufgehen. Dafür wurden spezielle Gelenke aus Metall entwickelt.

Flambiertes Täfer

Raffiniert sind auch die Wandpaneele über die gesamte Raumhöhe. Hier wurde die natürliche Maserung des Holzes digitalisiert, um ein Vielfaches vergrössert und mit einer Fräse in die massiven Eichenplatten gezeichnet. Anschliessend wurden diese in vorsichtiger Handarbeit bis zu einem präzise bestimmten Grad geflammt und so geschwärzt und konserviert. Indem das noch heisse Holz geölt wird, werden Unebenheiten in der Färbung ausgeglichen. Die Paneele erhalten eine seidig glänzende Oberfläche. Weiter fertigte die Schreinerei eine Unterkonstruktion für die Sofas. Die Polsterarbeiten wurden mit der Firma Sitzwerk in Baar entwickelt und 1 : 1 bemustert. Das Sofateil wurde zum Probesitzen für Architekten und Bauherrschaft aufgebaut.

Die Mutter aller Muster

Bei der Entstehung des Kaminzimmers wirkte auch Daniel Ruprecht, Geschäftsführer des Ruprecht Kreativ Lackier-Atelier in Oberwil BL, mit. Der gelernte Schreiner ist auf Oberflächen spezialisiert. In seiner Werkstatt hat er für das Mobiliar im Hotel alle Referenzmuster für die beteiligten Handwerksbetriebe hergestellt. Eine weitere anspruchsvolle Aufgabe war die Ausführung von acht roten Beistelltischen im Kaminzimmer mit ihren hochglanzlackierten fünfeckigen Tischplatten.

Herzog & de Meuron hat den Tisch eigens für Martasala Éditions entworfen. Die Platten wurden von Ruprecht sternförmig im Fünfeck geleimt. Um Haarrisse zu vermeiden, hat er den Kern der Tischblätter mit Harz ausgegossen.

Bis ins Tausendstel geschliffen

Um aus einem dunklen Nussbaumholz eine dunkelrot hochglänzende Tischfläche zu schaffen, waren viele Arbeitsschritte notwendig. Das Holz wurde Schicht für Schicht ochsenblutrot gebeizt, dazwischen durch Ruprecht von Hand geschliffen mit einer Körnung von 1500 bis 6000, poliert und hochglanzlackiert. «Wenn man den Schleifklotz einmal falsch aufsetzt, kann man wieder von vorn anfangen.» Die geschlossenporige Hochglanz-Lackschicht hat bisher keinen einzigen Riss, wie der Fachmann zufrieden feststellt. Beim höhenverstellbaren Tischfuss in Gestalt von Baumwurzelwerk musste auf die hochglänzende Oberfläche verzichtet werden. Stattdessen setzte man auf eine matte Lackierung durch Martasala Éditions Milano.

Wellness mit Toleranzen

Szenenwechsel: Im Dachgeschoss erwartet die Gäste ein völlig anderes, nicht minder reizvolles, holzverkleidetes Ambiente. Die ehemalige Präsidentensuite wurde in Zusammenarbeit mit Röthlisberger Innenausbau in Gümligen zum Wellnessbereich nach japanischem Stil umgebaut. «Die Herausforderung bestand in der Massaufnahme, denn die konnte erst vollständig nach dem Ausbau erfolgen, und so war es terminlich eng bis zum Einbau», sagt Mark Röthlisberger, der Geschäftsführer. Im Verlauf des Umbaus wurden mehrmals 3D-Scans gemacht. «Wir haben mit Toleranzen bezüglich der Substanz gearbeitet.» Das Material wurde erst nach dem Ausbau vollständig am Bestand angepasst. Decken und Wände sind verkleidet mit dunkel gedämpftem Zedernholz sowie nahezu schwarz gebeizten Latten aus Tannenholz.

Prototypen zur Lastenteilung

Die Ideen von Herzog & de Meuron initiierten auch bei Röthlisberger Weiterentwicklungen des Mobiliars in den Hotelsuiten. Lange blieb unklar, wie die aufgeständerten Ankleiden, Schminktische und Bars an den lederummantelten Metallstangen befestigt sein sollten. «Wir haben ein originalgetreues Muster in MDF gebaut, um die Funktionsweise zu prüfen», sagt Mark Röthlisberger. Die Last verteilt sich nun hälftig an Boden und Decke, die Punktlast wäre zu hoch gewesen.

Die Korpusse aus massivem Nussbaum mit abgerundeten Ecken entstanden durch Formverleimung, wurden über Dampf gebogen oder ausgeschnitten, je nach Möbelstück. Wer also inspiriert über das Treppenhaus mit den kristallenen Kronleuchtern ins Restaurant Banks hinuntergeht, darf sich in die violettfarben gepolsterten Sitznischen sinken lassen oder um die hufeisenförmige Bar Platz nehmen – beides von Röthlisberger gefertigt.

Spagat zwischen Form und Stabilität

Die rosa gepolsterten Hocker und die Tische im Banks führte die Firma von Rickenbach aus Muotathal aus. «Diese waren sehr filigran gezeichnet, und wir mussten den Spagat zwischen Form und Stabilität schaffen», sagt Thomas von Rickenbach, Geschäftsführer der Manufaktur. Mithilfe eines Mustertischs wurden Konstruktion und Materialstärke entwickelt. Sein Betrieb fertigte auch Möbel im Wellnessbereich sowie die Tische und Hocker in den Suiten. Meist wurde schwarz oder mahagonifarben gebeizt und lackiert, selten geölt – in Abgleich mit Referenzmustern. «In so einem qualitativ hochstehenden Innenausbau mit vielen beteiligten Handwerkern müssen sich alle nach einem Referenzmuster richten, sonst stimmen die Oberflächen am Ende nicht überein», sagt von Rickenbach. «Auch die Zeitplanung war eine grosse Herausforderung, da wir anhand von Architektenplänen und Entwürfen die komplette Detailplanung der Möbel und das Erstellen von produktionstauglichen Daten sicherstellen mussten.» Die hohen Anforderungen führten zu neuem Know-how und einem qualitativ hochstehenden Ergebnis.

Die Geschichte des Traditionshauses Les Trois Rois reicht zurück bis ins Jahr 1681; es ist fester Teil des Basler Stadtbilds. Auch nach dem Umbau nehmen Baslerinnen und Basler hier ihren Kaffee – und ein neues, jüngeres Publikum fühlt sich angezogen vom urbanen Flair.

www.herzogdemeuron.comwww.kunstbetrieb.chwww.karlbucher.chwww.lackier-atelier.chwww.roethlisberger.chwww.vonrickenbach.swiss

Manuela Ziegler

Veröffentlichung: 26. Februar 2026 / Ausgabe 9/2026

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