Sprung in die nächste Zeitebene

Visualisierungen verhelfen der Kundschaft zu einer konkreten Vorstellung der künftigen Wohnung. Rendering: Hand am Werk GmbH

Federführung.  Wenn bestehende Bauten an neue Anforderungen angepasst werden, müssen sie auch fit für die Zukunft gemacht werden. Tief im Kanton Obwalden verwurzelt nimmt sich ein spezialisiertes Planungsbüro mit eigener, kleiner Schreinerei solcher Aufgaben von A bis Z an.

Gebäude, die heute erstellt werden, spiegeln den momentanen Zeitgeist wider. Sie erfüllen technisch, von den Platzverhältnissen und den Komfort- sowie Prestigeansprüchen her all das, was aktuell als wichtig gilt und jeweils, aus welchen Gründen auch immer, realisierbar ist. Das war schon immer so, nur entwickeln sich die Ansprüche und Möglichkeiten weiter. Die über viele Generationen entstandene Mischung von Bauten ist ein sehr wichtiger Teil einer jeden Gesellschaft, die diese geprägt hat und ausmacht. Frühere Gebäude wurden aber nicht für eine aktuelle Technik geschaffen.

Bauplanungsbüro vom Schreiner

Als Urs Gut in Lungern OW seine Firma gründete, die Hand am Werk GmbH, bot er Umbau- sowie Schreinerplanungen an, die von anderen Handwerkern umgesetzt, von ihm aber bis zum Schluss begleitet wurden. Der gelernte Schreiner hatte sich entsprechend weitergebildet und hat ein grosses Interesse an den Bestandesbauten und deren möglicher Zukunft in seiner Region. Ältere Bauten mit Umbaubedarf gibt es viele in der Gegend, und der Wunsch nach Tradition und Moderne ist gross, was die Grundlage für den Betrieb schafft. Mittlerweile gehört auch eine kleine Schreinerei dazu, so können etliche Arbeiten gleich selbst umgesetzt werden. Eine Hochbauzeichnerin und Interior-Designerin verstärkt zudem den Planungsbereich. Zusammen mit vier anderen Unternehmen befindet sich der Betrieb in einer Gemeinschaftshalle an der Hagstrasse 13 in Lungern. Der Maschinenpark darin wird von drei Parteien gemeinsam genutzt, die sich auch sonst ergänzen.

Fortschreitender Veränderungsprozess

Es ist einfacher, Neubauten zu erstellen, als bestehende immer wieder dem aktuellen Stand anzupassen. Das kann auch für die Anpassung an eine andere Nutzung sein. Wenn dann noch der alte Charakter von so einem Gebäude, oder von Elementen davon, erhalten bleiben soll, braucht es Wissen, Können und Fingerspitzengefühl, um einerseits Wichtiges zu bewahren und gleichzeitig das Projekt in die Zukunft zu führen. Gibt es noch Ansprüche bezüglich des Denkmalschutzes, ist gute Teamarbeit mit dem Amt schon vom Start weg, also bei der Erfassung und Planung, gefragt, um zu tragbaren, guten Lösungen zu kommen.

Ringen um Normerreichungen

Ältere Häuser in dieser Gegend haben oft Raumhöhen von um die zwei Meter, was bei einem Umbau immer dazu führt, dass um jeden Zentimeter Höhe gerungen wird. Wenn Wände entfernt werden, müssen unter Umständen, wie bei dem gezeigten Wohnungsumbau in Sachseln, unter der Decke diagonale Aussteifungen der Gebäudestruktur angebracht werden. Die Kunst ist es danach, möglichst keine Höhe zu verlieren, zumal auch noch Elektroleitungen verlegt werden müssen.

Eine frühe Zusammenarbeit mit anderen Handwerkern aus der Gegend hilft oft, denn diese werden ja auch immer wieder mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Gute Lösungen werden besser genutzt. Schwierig, aber interessant ist es, bei der Erneuerung von Bestandesbauten und auch Übergängen zu neuen Elementen die Vorgaben des Energiegesetzes und Belange bezüglich Brandschutz mit einzubeziehen. Vielen Hausbesitzern ist nicht klar, dass mit einem Umbau auch die neuen Vorgaben erfüllt werden müssen, wie zum Beispiel ein zu erreichender U-Wert für Aussenwände, Dach und Boden.

Schlanker, direkter Weg

Da gerade bei alten Gebäuden häufig keine Baupläne mehr vorhanden sind, kann die Arbeit der Hand am Werk GmbH auch schon mal mit dem Aufmass und dem Erstellen neuer Pläne beginnen. Der Ablauf gestaltet sich gleich, wie wenn ein Architekturbüro involviert wäre, nur direkter. Die Firma macht die gesamte Planung, die Abklärungen und erstellt für die Kunden Visualisierungen, damit sie sicher und eindeutig entscheiden können. Guts Firma begleitet anschliessend alle Ausführungsarbeiten, auch die anderer Handwerker.

Elemente aus einem Ganzen

Die Wohnung in Sachseln liegt in einem alten Mehrfamilienhaus, in dem jede Einheit einzeln und mit zeitlichem Abstand umgebaut wird. Trotz der modernen Ausstrahlung der umgebauten Wohnung sollte die äussere Erscheinung des Gebäudes in ihrer Ausstrahlung erhalten bleiben.

Für mehr Platz, Licht und grosszügigere Raumwirkung wurden einige Wandelemente der alten Küche und beim Eingang zum Badezimmer entfernt. Somit konnte auch eine grössere Küche nach heutigen Ansprüchen eingebaut werden. Speziell ist sicher die Situation mit der vormalig vorhandenen kleinen Laube. Sie wurde zum Wohnraum dazugenommen und abschliessend wurde dort ein grosses Fenster in die Hausfassade eingebaut, dessen Flügel bis zum Boden reichen.

Bis zur ehemaligen Brüstungshöhe reicht neu ein französischer Balkon, der optisch an die alte Blumenkasten-Umrandung erinnert und Licht hereinlässt. Auf der vorgeschriebenen Höhe für solche Fenster befindet sich zudem eine Sicherungsstange. Gedämmt wurde im Innenraum, was dank der gewonnenen, grosszügigen Raumoptik aber nicht besonders ins Gewicht fällt.

Das Fernziel einer Einheit

Teilumbauten wie diese werden gemacht, wenn die Hauseigentümer die monetären Voraussetzungen wieder erfüllt sehen oder der bisherige Mieter ausgezogen ist und sich dadurch eine gute Möglichkeit ergibt. Solche Planungen und Ausführungen sind anspruchsvoll, da weiter gedacht werden muss, als wenn gleich die ganze Liegenschaft saniert würde. Die über die Jahre unterschiedlich gedämmten Wohneinheiten dürfen einander nicht beeinträchtigen – und am Schluss muss das Haus wieder durchgängige Eigenschaften aufweisen. Urs Gut erzählt auch von einer Situation bei einem Doppelhaus, bei dem sich die Besitzer nicht darüber einig waren, ob es nun eine Aussen- oder eine Innenisolation geben sollte. Manchmal kann dann die Fassade entsprechend verändert werden. Schwierig ist eine einvernehmliche Lösungsfindung bei historischen Gebäuden, wenn noch heimatschutzrelevante Ansprüche erfüllt werden müssen. Doch auch das ist durchaus möglich.

Kleine Firma, aber grosses Team

Eine konstante Zusammenarbeit mit den gleichen Handwerksbetrieben aus der Region vereinfacht vieles, da die kantonalen Vorschriften, die regionalen Vorlieben und die Gegebenheiten bekannt sind. Man kennt sich und weiss, was möglich ist. Das wiederum führt zu kurzen Wegen und Sicherheit bei der Umsetzung. Dank der eigenen Werkstatt ist Guts Firma zudem flexibler geworden.

www.handamwerk.ch

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 27. August 2026 / Ausgabe 34/2026

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