Standortbestimmung mit drei Topnationen


Der Schweizer Möbelschreiner Silvan Reichen beim Training in Grossbritannien. Bild: Tobias Hugentobler


Der Schweizer Möbelschreiner Silvan Reichen beim Training in Grossbritannien. Bild: Tobias Hugentobler
In einem Trainingslager in Grossbritannien hat sich Silvan Reichen einem ersten Vergleich mit anderen Teilnehmern der World Skills gestellt. Bis zur Berufs-WM in Shanghai (Cn) im September gilt es, weiter an den Fähigkeiten als Möbelschreiner zu feilen.
Für einmal hiess es nicht, alleine zu trainieren, sondern eine Wettkampfsituation zu simulieren. Nahe Oxford haben vier Möbelschreiner, die vom 22. bis 27. September 2026 an den World Skills im chinesischen Shanghai teilnehmen werden, ein Trainingslager absolviert. Silvan Reichen, der Schweizer Kandidat aus Frutigen BE, war einer davon. Er mass sich mit den jungen Schreinern aus Grossbritannien, Frankreich und Taiwan. «In den letzten Jahren hatten wir jeweils ein Mehrländertraining in der Schweiz organisiert», sagt Experte Tobias Hugentobler, der jeweils die hiesigen Möbelschreiner betreut. «Als ich die Einladung aus Grossbritannien erhielt, sagte ich sehr gerne zu. Vier Topnationen kamen zusammen und der Vergleich war sehr spannend.» Es sei für ihn zudem wichtig gewesen, sich mit den anderen Experten auszutauschen.
In insgesamt 22 Arbeitsstunden, verteilt auf vier Tage, produzierten die vier WM-Teilnehmer ein Möbel, das sie zuvor nicht kannten. Es wurde aus Elementen der letzten Aufgabenstücke der World Skills für den Testdurchlauf designt. «Dadurch konnten wir unter möglichst realistischen Wettkampfbedingungen arbeiten und unsere Fähigkeiten gezielt testen», sagt Reichen.
In Shanghai wird die Ausgangslage ebenfalls so sein, dass die Kandidaten das Möbel im Voraus nicht kennen. «Das haben wir Experten auf diese WM hin geändert», erklärt, Hugentobler. «Früher waren jeweils drei mögliche Möbeltypen bekannt, aus denen dann Elemente ausgewählt wurden.» Die Experten hätten sich auf den neuen Modus geeinigt, damit die künftigen Siegerinnen oder Sieger wieder das Gesamtpaket an Fertigkeiten mitbringen und abrufen können müssen, und es nicht reicht, nur bestimmte Arbeitsschritte zu trainieren.
Der Vergleich der vier Kandidaten verlief spannend. «Alle haben gut gearbeitet, aber irgendwo Punkte liegenlassen», resümiert Hugentobler. «Es gilt nun, dass Silvan an den wichtigen Punkten Zeit investiert und arbeitet. Jetzt geht es schnell. Bald ist September.» Die Arbeitsplanung und der -ablauf habe sein Schützling schon gut im Griff. Bei der Sauberkeit könne er zum Beispiel noch zulegen.
«Die grösste Herausforderung für mich war, dass ich wegen der Flugreise nur eine begrenzte Auswahl an Handwerkzeugen mitnehmen konnte», berichtet Reichen. «Deshalb musste ich mich an andere Werkzeuge gewöhnen und meine Arbeitsweise teilweise anpassen. Trotzdem konnte ich das Projekt erfolgreich umsetzen und war mit meiner Leistung zufrieden.»
Es war für ihn spannend, sich mit den anderen Teilnehmenden auszutauschen und deren Arbeitsweisen kennenzulernen. «Die Kommunikation war jedoch nicht immer einfach, da wir nicht dieselbe Sprache sprachen und alle nur begrenzte Englischkenntnisse hatten.» Dank Übersetzungs-Apps und gegenseitigem Verständnis konnten sich die Schreiner dennoch verständigen und voneinander lernen.
Zurzeit trainiert der Berner Oberländer während drei Wochen an der Technischen Fachschule in Bern, ehe er wieder in den Betrieb von Hugentobler in Braunau TG geht. «Der Wechsel des Trainingsortes tut mir gut, da mehr Abwechslung in den Alltag kommt», sagt der Berner Oberländer. So kann er unter verschiedenen Bedingungen trainieren. «Ich freue mich auf diese Zeit und bin überzeugt, dass mich die Erfahrungen aus England, den verschiedenen Trainings auf die World Skills optimal vorbereiten.» Und an den WorldSkills würden die Karten eh wieder neu gemischt.
Nicole D'Orazio
Veröffentlichung: 23. Juli 2026
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