Viele Wege führen zur Traumküche


Eindrückliches Licht- und Farbenspiel: Diese Küche in Lenk im Simmental BE durfte die LehmannRäume GmbH umsetzen. Bild: LehmannRäume GmbH


Eindrückliches Licht- und Farbenspiel: Diese Küche in Lenk im Simmental BE durfte die LehmannRäume GmbH umsetzen. Bild: LehmannRäume GmbH
Küchenproduktion. Die Fertigung von Küchenmöbeln stellt gewisse Herausforderungen an das Platzangebot sowie den Maschinenpark eines Betriebes. Um die Kapazitäten der eigenen Werkstatt zu schonen, kann etwa die Fremdfertigung von Standardelementen eine Alternative sein.
Der Stellenwert der Küche hat in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte Transformation durchlaufen. Der einst rein funktionale und oftmals isolierte Arbeitsraum ist durch die Verschmelzung mit dem Ess- und Wohnbereich zum emotionalen Zentrum des modernen Wohnens und gar zu einem Statussymbol geworden.
Folglich sind heute viele Kunden bereit, mehr Geld für eine Küche auszugeben als noch vor 20 oder 30 Jahren. Das macht die Kochstätte auch nach wie vor zu einem attraktiven Arbeitsfeld für den Schreiner. Dennoch ist die Positionierung auf dem Markt zuweilen nicht ganz einfach und der Preiskampf trotz zahlungswilliger Kundschaft hart. Zudem ist ein moderner Maschinenpark mit CNC- und Kantenanleimmaschine für eine effiziente und qualitativ hochwertige Fertigung von Küchenmöbeln fast unabdingbar, und noch lange nicht alle Betriebe können oder wollen in eine solche Infrastruktur investieren. Etwa weil der nötige Platz in der Werkstatt schlichtweg nicht vorhanden ist oder der Schwerpunkt auf anderen Bereichen liegt.
Eine Alternative zur Küchenproduktion in den eigenen vier Werkstattwänden ist zum Beispiel die Fremdfertigung von Korpusmöbeln oder ganzen Küchen. Während das Zukaufen von Rohlingen oder fertigen Systemen im Türenbereich für viele Schreinereien zur Normalität gehört, ist dieses Konzept bei den Küchen noch weniger verbreitet – und möglicherweise gar etwas verpönt. Denn für manchen Schreiner dürfte es wohl eine Frage des Berufsstolzes sein, diese Wertschöpfung, wenn irgendwie möglich, im eigenen Betrieb zu behalten.
Dass aber durchaus verschiedene Strategien zum Ziel, genauer gesagt zur Traumküche für eine zufriedene Kundschaft, führen können, zeigen die folgenden Beispiele.
Bei der LehmannRäume GmbH in Zäziwil BE verfolgt man das «klassische» Modell der Vollfertigung im eigenen Betrieb. Bei einer Neuausrichtung des Unternehmens vor rund sieben Jahren sei klar gewesen, dass man an dieser Strategie festhalten wolle, wie Inhaber und Geschäftsführer Christian Lehmann sagt. «Wir haben damals unser Angebot etwas geöffnet und setzen seither mehr auf die Gesamtplanung ganzer Räume statt einzelner Möbel.»
Einer dieser Räume: die Küche. Gefertigt wird dabei alles in der Werkstatt in Zäziwil. Einzig das Lackieren und Polieren einer Hochglanzküche mache man nicht selbst. Der Plattenzuschnitt erfolgt auf der Striebig, das Bekanten auf einer Kantenanleimmaschine von Format4 und die Bearbeitung der Korpusteile auf einem horizontalen Bearbeitungszentrum von Biesse.
Engpässe in der Produktion gebe es kaum, auch wenn die Platzverhältnisse für die sieben Mitarbeitenden und zwei Lernenden nicht gerade fürstlich seien. «Dank der Durchgängigkeit der Daten ist weniger die Fertigung das Problem als die Planung», sagt Lehmann. «Ist die Küche mal verkauft und geplant, geht sie relativ schnell durch unsere Produktion.»
Verbesserungspotenzial sieht Lehmann insbesondere noch in der Offertenphase. «Weil die Projektplanung und die Visualisierungen vorrangig bei zwei Personen liegen, müssen unsere Kunden manchmal etwas lange auf die Offerten warten.» Um den grösseren Planungsaufwand auszugleichen, hat die Schreinerei nach und nach angefangen, diese Leistungen zu verrechnen. Er hoffe auf die Branche und dass vermehrt Unternehmen damit beginnen, wie Lehmann sagt. Die Erfahrungen damit seien bisher positiv. «Aber es schreckt zuweilen auch Kunden ab, das muss man ehrlicherweise schon dazusagen», ergänzt er.
Dass alle Küchenmöbel aus der heimischen Produktion stammen, wird bei der Kundschaft der LehmannRäume GmbH hingegen ausnahmslos als positiv aufgenommen. «Das ist schon ein gutes Verkaufsargument für uns», sagt Lehmann.
Ein Verkaufsargument, das die Schreinerei Bever AG im Oberengadin GR nicht für sich geltend machen kann. Das Unternehmen aus dem gleichnamigen Dorf Bever verfolgt für seine Küchenprojekte nämlich ein anderes Fertigungskonzept.
«Seit über 20 Jahren arbeiten wir hierfür mit der Alpnach Küchen AG zusammen», sagt Giorgio Cominetti, Teilinhaber und operativer Geschäftsführer der Schreinerei. Ein Umstand, der sich bei den Verkaufsgesprächen aber keinesfalls als Nachteil auswirke – im Gegenteil. «Wir kommunizieren und zeigen dies offen. Und bei unserer Kundschaft kommt die Zusammenarbeit sehr gut an», sagt Cominetti. Auslöser für die Partnerschaft mit dem grossen Küchenhersteller im aargauischen Strengelbach waren strategische Überlegungen bezüglich der Änderungen des Zweitwohnungsgesetzes. Weil deswegen weniger neue Wohnungen gebaut wurden, habe man damals entschieden, mehr auf Renovation zu setzen. «Inzwischen haben wir uns konkret auf das Renovieren von Wohnungen spezialisiert», sagt Cominetti.
Das Erste, was bei einer Renovation jeweils anfalle, sei meist die Küche, wie Cominetti erklärt. «In der eigenen Produktion sind wir allerdings zu schwach aufgestellt, um diese selbst in der nötigen Effizienz zu fertigen. Aber den Verkauf, die Planung sowie die Montage machen wir jeweils selbst.»
Durch die Fremdfertigung der Küchenmöbel habe man Luft für anderes und sei flexibler, denn in den Ferienregionen unterliege auch die Baubranche saisonalen Schwankungen. So werde etwa nach Ostern wieder eine strenge Umbauphase beginnen. «Zwischen April und Juni werden wir wohl um die acht bis zehn Küchen umsetzen – während wir in der Werkstatt dennoch genug Kapazität für unsere üblichen Schreinerarbeiten haben», sagt der Geschäftsführer der Schreinerei Bever AG, die rund 20 Mitarbeitende beschäftigt. «Diese Flexibilität ist sicherlich eine unserer Stärken und wird von unserer Kundschaft geschätzt.»
Während die Küchen mit beschichteten oder belegten Fronten komplett auswärts produziert werden, fertigt die Schreinerei im Oberengadin jeweils die Fronten selbst, wenn diese in Altholz ausgeführt sein sollen. In diesem Bereich zeigt sich auch die Wechselwirkung der jahrelangen Zusammenarbeit. So steht in der Ausstellung der Alpnach Küchen AG am Standort in Fehraltorf eine Küche mit Altholzfronten aus dem Engadin. «Daher gibt es in Zürich und Umgebung die eine oder andere Küche mit Altholzfronten aus unserer Werkstatt», sagt Cominetti.
Ob nun diese Fronten vom Engadin ins Unterland transportiert werden müssen oder eine fertige Küche in die andere Richtung geliefert wird: Der Materialtransport ist ein wichtiges Puzzleteil in der Synergie der beiden Unternehmen. «Hier konnten wir eine wunderbare Lösung mit einem ortsansässigen Transporteur finden», sagt Cominetti. «Er transportiert regelmässig Material aus dem Engadin ins Unterland. Statt mit einer Leerfahrt zurückzufahren, kann er unsere Küchen mitnehmen und uns auf die Baustelle liefern.»
Nach 20 Jahren Zusammenarbeit und über 700 umgesetzten Küchenprojekten zeigt sich Cominetti überzeugt von dem Konzept. «Für uns stimmt dieser Ansatz vollkommen, und wir konnten uns hier in der Region inzwischen auch einen Namen machen mit unseren Küchenprojekten.»
Eine ähnliche Partnerschaft pflegt man auch bei der Speck Schreinerei in Oberwil im Kanton Zug. Bereits seit den 1990er-Jahren arbeitet das Unternehmen mit der Veriset AG in Root LU zusammen. «Damals haben wir uns entschieden, keine Türen mehr selbst zu produzieren und generell keine Aussentüren mehr zu machen», sagt Roland Speck, Geschäftsleiter des Familienbetriebes mit 14 Mitarbeitenden und sechs Lernenden. So habe man den Fokus vermehrt auf Möbel, Schränke und nicht zuletzt auch auf Küchen gesetzt.
«Die Zusammenarbeit mit Veriset gab uns die Möglichkeit, als Kleinbetrieb auch grössere Küchenaufträge auszuführen», sagt Speck. Die Fremd- und Eigenfertigung hätten beide ihre Vorteile. Und man versuche stets, für die Kunden das Beste aus beiden Welten herauszuholen. So montiert die Schreinerei so gut wie nie eine reine Veriset-Küche. «Wir ergänzen sie mit Schreinerdetails und können uns so differenzieren», sagt Speck. Ein solches Detail kann etwa die Unterkonstruktion, sprich die Befestigung des Gleitbleches bei einem Grossraumgeschirrspüler, sein. Mit einem Spanplattensockel der Industrie sei dort die Stabilität über längere Zeit nicht gewährleistet. «Mit einem Schreinerdetail können wir die nötige Qualität dort ergänzen, wo sie gebraucht wird», erklärt Speck.
Generell steige der Anteil der Eigenfertigung bei Küchen im höheren Segment. «Der Gewinn des Swiss Kitchen Award 2019 hat diese Entwicklung dann nochmals beschleunigt und unsere Bekanntheit als Küchenbauer gesteigert – in der Branche, aber auch bei unseren Kunden», erklärt Speck.
Zuletzt investierte die Schreinerei in eine liegende Zuschnittanlage sowie in eine durchgängige Datenverarbeitung. Durch diese Investitionen konnte die Effizienz in der eigenen Produktion verbessert werden. Bei ausgewählten Küchen werden jeweils die Fronten, Sichtseiten, Beistösse und Sockel in Eigenfertigung produziert und das Innenleben, sprich die Schubladenkorpusse, bei der Veriset AG bestellt. «So, wie jeder Schreiner die Schubladenzargen einkauft, kaufen wir diese mit dem Korpus drumherum ein», sagt Speck.
Die Zusammenarbeit mit der Veriset AG wird in den Verkaufsgesprächen stets offen kommuniziert und von der Kundschaft durchweg positiv aufgenommen. Manchmal gebe es Kunden, die bewusst eine reine Eigenfertigung der Schreinerei wünschen. Dies werde ebenso umgesetzt.
«Entscheidend ist, dass der Kunde das erhält, was er möchte. Und wir dafür verantwortlich sind und den Service machen», resümiert Speck.
www.lehmann-raeume.chwww.schreinerei-bever.chwww.speck-schreinerei.ch
Veröffentlichung: 19. März 2026 / Ausgabe 12/2026
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