Vier Tage lang Vollgas

Léa Coutaz studiert die Pläne der Stubenbar, dem Aufgabenstückin der Kategorie Massivholz. Bild: Thi My Lien Nguyen

Schreinermeisterschaften.  Die Meistertitel und die Tickets an die World Skills sind vergeben. Brian Thomi und Romain Mingard haben sie sich gesichert. Auch für die anderen Teil- nehmenden der Schweizermeisterschaften war es eine gute und interessante Erfahrung.

Die Zeit war der grösste Gegner. In beiden Wettkämpfen der Schweizermeisterschaften der Schreiner an der Höheren Fachschule Bürgenstock von Anfang November kämpften die neun Teilnehmenden gegen die Uhr. «Was, schon fertig?», rief zum Beispiel Severin Bichsel aus Frauenfeld TG beim Abpfiff in der Kategorie Möbel. «Ich hätte noch zehn Minuten gebraucht.» Die meisten Mitglieder der Schreinernationalmannschaft waren mit ihren Aufgabenstücken nicht ganz fertig geworden. In der Kategorie Möbel hatten sie 14 Stunden Zeit für ein Ablagemöbel, in der Disziplin Massivholz galt es, eine Stubenbar in 13,5 Stunden herzustellen. Beide Aufgaben forderten die Kandidaten. «Wir wollen am Schluss ja die Beste oder den Besten», begründeten die Chefexperten Tobias Hugentobler und Roger Huwyler.

Die Meistertitel haben sich Brian Thomi aus Vordemwald AG bei den Möbeln und Romain Mingard aus Couvet NE im Massivholz geholt. Die beiden dürfen somit an den World Skills in Shanghai (China) teilnehmen. Dies wird aber erst 2022 der Fall sein, da die WM wegen der Coronapandemie um ein Jahr verschoben werden musste. Für die beiden WM-Teilnehmer ist das kein Problem. «Ich kann nun zuerst in die RS und habe dann genügend Zeit zum Trainieren», sagte Thomi. Und auch für Mingard ist es kein Nachteil. Er schliesst nächsten Sommer seine Lehre ab.

Frust wegen grober Fehler

Die anderen Teilnehmer waren nach Wettkampfende nicht alle zufrieden. Marcel Wagner aus Niederbüren SG war etwas frustriert. «Mir sind einige grobe Schnitzer passiert. Das ist schade», sagte er. Bald überwog jedoch die Freude über das Erreichte. «Wir haben eine tolle Zeit erlebt, und ich bin stolz, überhaupt so weit gekommen zu sein.» – «Mit dem Resultat bin ich zufrieden, aber trotzdem etwas enttäuscht», sagte Benoit Danz aus La Heutte BE. In der Kategorie Möbel wurde er Dritter. «Ich frage mich, was für ein Resultat ich erzielt hätte, wenn ich im Sommer nicht ins Militär gegangen wäre und mehr hätte trainieren können.» Den beiden Siegern gönne er den Erfolg aber zu 200 Prozent, betonte er. «Sie waren deutlich besser.»

Linus Linder aus Worb BE ärgert sich im Nachhinein über den ersten Wettkampftag. «Der ist mir überhaupt nicht nach Wunsch gelaufen», sagt er. «An diesem Abend war ich richtig genervt und enttäuscht von meiner Leistung. Ich telefonierte dann mit meinem Vater, und er motivierte mich, weiter Vollgas zu geben und das Beste daraus zu machen.»

Hugo Pinto Paulo aus Châtelaine GE zieht ein positives Fazit: «Der Wettbewerb hat mir meine Fähigkeiten in der Bearbeitung und im schnellen Denken aufgezeigt.» Er sei an seine Leistungsgrenze gestossen und habe gelernt, wann zu schnelles Arbeiten das Gegenteil bewirke.

Die Zuschauer fehlten

«Schade konnten wieder keine Zuschauer am Wettkampf dabei sein», meint Severin Bichsel. «So hat das gewisse Etwas gefehlt. Doch die vier Tage waren unglaublich.» Mit seinen beiden fünften Rängen ist er zufrieden. «Ich habe saubere Arbeit abgeliefert und während vier Tagen keinen Fehler gemacht. Darauf bin ich fast am meisten stolz.»

nicole d’orazio

Veröffentlichung: 03. Dezember 2020 / Ausgabe 49/2020

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