Vintage-Charakter neu interpretiert


Das Plattenspielermöbel hat Anna Schorno komplett aus amerikanischem Nussbaumholz gefertigt. Bild: Michi Läuchli


Das Plattenspielermöbel hat Anna Schorno komplett aus amerikanischem Nussbaumholz gefertigt. Bild: Michi Läuchli
An der jährlich stattfindenden Möbelausstellung im Ilfis Center in Langnau BE zeigten Schreinerlernende des Bildungszentrums Emme ihre im CNC-Kurs gefertigten Arbeiten. Anna Schorno machte im vierten Lehrjahr ein Musikmöbel aus amerikanischem Nussbaum, über das sie im Monatsinterview ausgiebig erzählt.
Was war deine Motivation für dieses Möbelstück?
Anna Schorno: Die Inspiration stammt von einem alten Biedermeier-Lesepult, das ich auf einem Flohmarkt gekauft habe. Ziel war es, den Vintage-Charakter neu zu interpretieren und ein Möbel zu entwickeln, das konstruktiv konsequent auf die Anforderungen eines Plattenspielers ausgelegt ist.
Was war dir beim Möbel wichtig – die Optik, die Funktion oder doch etwas anderes?
In erster Linie die Funktion, dass der Plattenspieler gut Platz hat. Dafür habe ich viele Zeichnungen erstellt. Zudem sollte es auf der CNC gut machbar sein.
Welche Konstruktionen stecken im Möbel?
Die Verbindungen sind gedübelt. Abgesehen von den Beinen habe ich alle Teile in der Breite stumpf verleimt, um auf die gewünschten Dimensionen zu kommen. Das verhinderte zudem auch das Krummwerden der Stücke.
Auf welches Detail bist du besonders stolz?
Dass die Beine relativ dünn und nach unten verjüngt sind. Die konnte ich deshalb auch nicht auf der CNC bearbeiten. Und natürlich mag ich die gefräste Front.
Gab es Schwierigkeiten?
Bei den Dübelverbindungen in den Beinen machte ich Überlegungsfehler und bohrte sie teils seitlich, teils vorne und hinten, sodass ich das Ganze nicht hätte verleimen können. Deshalb musste ich gewisse Löcher flicken und neu bohren.
Wie hast du die Frontfräsung umgesetzt?
Die habe ich auf der CNC realisiert. Die Vorlage dafür habe ich mir aus dem Internet geholt und direkt im CNC- Programm nachbearbeitet. Schliesslich fräste ich das Muster mit dem Gravur-Fräser.
Wie viel Zeit hast du total dafür aufgewendet?
Neben den zwei Kurswochen brauchte ich knapp eine Woche, um Zeichnungen zu erstellen, mir zu überlegen, wie ich das Möbel umsetze und um das Material zu richten. Zeitlich war ich eher ein bisschen knapp dran, da ich fürs Lackieren zuerst noch alle Verbindungen abkleben musste.
War es speziell für dich, dass dein Möbel so öffentlich ausgestellt wurde?
Dass die Möbel ausgestellt werden, wusste ich, weil wir die letzten zwei Jahre die Ausstellung besuchten. Ich finde es aber schön, dass unsere Berufsschule die Möbelausstellung organisiert, das macht nicht jede Schule.
Was für ein Möbel würdest du sonst noch gerne realisieren?
Am Anfang des Kurses wollte ich eigentlich ein Bett machen, ging aber davon aus, dass die CNC im Kurszentrum zu klein dafür ist. Das ist aber nicht der Fall, wie ich feststellen musste. Deswegen wäre mein nächstes Projekt vermutlich ein Bett.
Welchen Tipp würdest du anderen Lernenden geben, die ihr erstes eigenes Möbel bauen?
Wichtig finde ich, darauf zu schauen, dass es ihnen wirklich gefällt und sie nicht einfach etwas machen, das leicht herzustellen ist. Kommt es darauf an, sollte also besser auf eine schwierigere Konstruktion gesetzt werden. Am Ende stellt sich nämlich meist heraus, dass es gar nicht so komplex ist, wie man sich dachte.
Gibt es etwas, das dich in der Lehre besonders überrascht hat?
Dass die Oberflächenbehandlung so ein grosser Teil des Berufs ist, hätte ich nicht gedacht. Viele, die nicht so eine Ahnung vom Beruf haben, denken, dass man als Schreinerin vor allem mit Massivholz arbeitet, was ja nicht so ist. Diese Dinge wurden mir erst so richtig bewusst, als mich Leute aus meinem Umfeld darauf ansprachen.
Was machst du am liebsten?
Wenn ich Aufträge mit grösseren Herausforderungen bekomme, habe ich am meisten Spass. Und schon bald starte ich mit meiner IPA, bei der ich mir viele Gedanken machen und planen muss, aber darauf freue ich mich sehr.
Anna Schorno aus Wohlen bei Bern. Bei der Röthlisberger Schreinerei AG in Gümligen BE absolviert sie gerade ihr letztes Lehrjahr als Schreinerin EFZ. Die 21-Jährige macht in ihrer Freizeit gerne Musik: Sie spielt seit der ersten Klasse Cello und nimmt seit fünf Jahren Gesangsunterricht im Bereich Pop und Jazz. Zudem ist die Bernerin aktiv in der Pfadi als Leiterin tätig und leitet in Jugend und Sport den Basiskurs für den Nachwuchs.
Veröffentlichung: 02. April 2026 / Ausgabe 14/2026
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