Volltreffer sind ihre Spezialität


Erfolgreiche Schwarzpulverschützin: Möbelschreinerin Jenny Mosch (20) hat an der WM 2026 Gold und Bronze geholt. Bild: Franziska Hidber


Erfolgreiche Schwarzpulverschützin: Möbelschreinerin Jenny Mosch (20) hat an der WM 2026 Gold und Bronze geholt. Bild: Franziska Hidber
Leute. Diesen Sommer erst hat Jenny Mosch aus Oberriet SG ihre Lehre als Möbelschreinerin abgeschlossen. Mit eben soviel Begeisterung pflegt sie ihr Hobby, das Schwarzpulverschiessen. Hier gewann sie an der WM in Österreich im August eine Gold- und eine Bronzemedaille.
Im Schwarzpulverstand knallt es. Einmal, zweimal, dreimal. Laut und heftig, dem Gehörschutz zum Trotz. Jenny Mosch lässt sich davon nicht beirren. So ruhig wie routiniert zieht sie die Schiessjacke an und wendet sich dann ihrem Schiessstand zu. Dort ist das «Mise en place» akribisch vorbereitet: die kleinen Bleikugeln, zuvor sorgfältig ausgewählt, auf Kratzer und Beulen untersucht. Das Schwarzpulver in den schmalen Gläschen, exakt abgemessen, das Griess zum Verdichten des Pulvers, die Hülsen.
Schwarzpulverschiessen ist Präzisionsarbeit, und genau das mag die junge Möbelschreinerin daran. «So schnell, schnell läuft hier nichts», sagt sie, lacht und behändigt ihr historisches Gewehr, Baujahr 1842, lädt das Schwarzpulver und die Bleikugel nacheinander durch die Mündung in den Lauf. Laden, zielen, feuern – die Konzentration der 20-Jährigen ist spürbar, und gleichzeitig wirkt sie tiefenentspannt. Kein Wunder, die Rheintalerin ist ein Profi durch und durch – und seit Kurzem Weltmeisterin. Von der Weltmeisterschaft Mitte August in Eisenstadt (A) hat sie gleich zwei Medaillen nach Hause geholt: einmal Gold in der Kategorie «100 Meter liegend», einmal Bronze in der Kategorie «50 Meter stehend». «Mit der Goldmedaille hat sich für mich ein Traum erfüllt», sagt Mosch und reinigt den Lauf. Der Geruch von Feuer und Rauch hängt im Raum.
Hier, im Schiessstand Hädler bei Altstätten im St. Galler Rheintal, ist sie schon als Kind ein- und ausgegangen. «Nebenan hängen noch immer einige Zeichnungen von mir», sagt sie und schmunzelt. Das Feuer fürs Schwarzpulverschiessen hat sie von ihrem Vater geerbt. «Ich habe als Mädchen natürlich hautnah mitbekommen, was mein Papa macht. Eines Tages wollte ich nicht nur seine Geschichten hören oder ihn beobachten, sondern selber schiessen. Also sagte ich zu ihm: ‹Was du kannst, möchte ich auch können.›» Der Papa weihte die Tochter erfreut ins Schiessen mit Modellkanonen ein. Jenny Mosch stellte sich so geschickt an, dass Andy Mosch sie an die Schweizer Meisterschaft in Lenzburg mitnahm. Und was geschah? Die damals 14-Jährige ging mit drei Goldmedaillen und einer Silbermedaille vom Schiessstand und übertrumpfte damit ihren Vater, der einst die Titelkämpfe dominierte. In der Königsdisziplin mit der kleinen Kanone auf 50 Meter hält sie seit damals den Schweizer Rekord.
«Schwarzpulverschiessen verlangt Präzision, Sorgfalt und Handarbeit – genauso wie mein Beruf.»
Sechs Jahre später nun das WM-Gold, dieses Mal mit dem langen Gewehr, im Fachjargon «Vorderlader» genannt. Ja, sie sei ehrgeizig und wolle gewinnen, sagt sie, aber ihr Lebensglück hänge nicht davon ab. Schiessen sei in erster Linie ein Hobby, ein guter Ausgleich zu ihrer Arbeit als Möbelschreinerin bei der Schmidheiny Schreinerei und Möbelbau in Rebstein. Sie sieht mehrere Parallelen zu ihrem Beruf: «Beides ist Handarbeit, verlangt Sorgfalt, Präzision und eine gute Vorbereitung.» Ihre Vertiefungsarbeit hat sie allerdings nicht über das Schwarzpulverschiessen geschrieben, sondern über die Restauration ihres Motocrosstöffs. Das Töfffahren ist Moschs zweite grosse Leidenschaft, und nicht nur das Fahren: «Ich ‹schrüble› gern herum.»
Seit der bestandenen Lehrabschlussprüfung hat sie mehr Luft für ihre Hobbys. Dazu zählt auch «Targetsprint» – eine Kombination von Luftgewehrschiessen und Sprint. Mit anderen hat Jenny Mosch einen Verein gegründet, leitet Trainings und nimmt an Wettkämpfen in der ganzen Schweiz teil. Die Ziele gehen der erfolgreichen Schützin nie aus.
Franziska Hidber
Veröffentlichung: 07. September 2026 / Ausgabe 36/2026
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