Wann kommt der Elektro-Verbinder?

Demontierbar, aber nicht nur: Durch diesen Beschlag fliesst der Strom. Die Verkabelung geschieht im Innern der Wabenplatte. Bild: Hettich

Zukunftsmusik.  Kann man bald Strom über Verbindungsbeschläge leiten und damit ganze Möbel elektrifizieren? Eine Neuentwicklung von Hettich zeigt auf, wie das gehen könnte. Neue Produkte gibt es aber auch in der konventionellen Technik.

Fixfertig verkabelte Werkstücke, verbunden über Strom führende Verbindungsbeschläge: So könnten Möbel in Zukunft zusammengebaut sein, wenn sie Leuchten, Motoren und Sensoren enthalten. Jedenfalls wurde Anfang letzten Jahres mit einem modifizierten «Hettinject» ein Verbindungsbeschlag für den Leichtbau vorgestellt, welcher Stromführung und Befestigung vereint. «Bei der Entwicklung haben wir uns an den Vorteilen von Leichtbauplatten orientiert», erklärt Tobias Meer von der Firma Hettich. Leichtbauplatten sind inwendig hohl, und diesen Hohlraum gilt es auszunützen. «Der ideale Ort für eine Verkabelung», ergänzt der Programm-Marketingleiter. Und so entstand ein Verbinder, der gleichzeitig elektronische Komponenten mit Strom versorgt.

Ein vielversprechender Ansatz

Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Neben Hettich sind die deutsche Firma Hunger Möbelproduktions GmbH sowie der deutsche Leuchtenproduzent Halemeier daran beteiligt. Hunger liefert die Technologie zur automatisierten Verarbeitung der Klebedübel, während Halemeier einen Einbaurahmen erschaffen hat. Bei diesem handelt es sich um ein Grundelement, das in eine Taschenfräsung montiert und mit Elektrizität versorgt wird. Der Rahmen dient dann als Sockel für diverse elektronische Geräte, die einfach eingeklickt werden. Aus den einzelnen Elementen ergibt sich ein System mit Zukunft, das der vermehrten Nachfrage nach beleuchteten Möbelsystemen gerecht werden könnte: Die Vormontage der Möbelelemente geschieht in der Werkstatt. Dort ist man dafür eingerichtet. Auf dem Bau werden dann die einzelnen Stücke per Exzenter verbunden und das Möbel mit einem Kabel an den Strom angeschlossen.

Die Zeit ist noch nicht reif

Der Einbaurahmen von Halemeier ist zwar bereits am Markt erhältlich, doch sei die Zeit für Strom führende Beschläge noch nicht reif, räumt Oliver Hunger ein. «Trotz grosser Resonanz und vieler intensiver Gespräche konnten wir bis heute noch keinen Möbelhersteller für das Projekt gewinnen.» Das sei nicht etwa auf die mangelnde Qualität von Beschlägen zurückzuführen, sondern auf fehlende Möglichkeiten in der Verarbeitungstechnik bei den Herstellern, betont Hunger.

Dennoch sieht er Potenzial in elektrifizierten Möbeln. «Vor allem die werkseitige Mon-tage von diversen Stromverbrauchern und deren vorgängige Prüfung könnten Zukunft haben», sagt er.

Möbel zerlegt liefern

Diese Lösung dürfte – zumindest im Moment noch – vor allem für die Möbelindustrie interessant sein. Wer seine Möbel aus diversen Gründen zerlegt liefern will oder muss, dem stehen neben dem klassischen Exzenterbeschlag viele andere Möglichkeiten zur Verfügung. Einige davon präsentiert die SchreinerZeitung auf der folgenden Seite.

www.halemeier.dewww.hunger-moebel.de

Hettich

Everfix: Bei diesem Steckverbinder muss bereits vor der Montage klar sein, dass ein Möbel nur einmal zusammengesetzt und nie mehr demontiert wird. Der unscheinbare Verbindungsbeschlag «Everfix» von Hettich besteht aus einem Gewindestift sowie einer Einschlagmuffe mit Federstahlscheibe.

Die Verbindung wird einmalig gesteckt und hält auf Zug einer Kraft von 800 New- ton stand. Die Möbelseiten sind auch bei befestigtem Beschlag stapelbar.

www.hettich.com

Knapp

Quick-Set: Völlig verdeckt einsetzbar ist der Steckverbinder «Quick-Set». Der Ein- schraubdübel passt in eine 5 mm-Reihenlochbohrung, ein 8 mm-Kunststoffdübel dient als Gegenstück. Mittelseiten können ab einer Dicke von 16 mm mit diesem Pro- dukt von Knapp bestückt werden. Die Aus- zugsfestigkeit des Verbinders beträgt bei einer 19 mm-Spanplatte 600 Newton. Er dient als Korpus- oder Schubladenverbinder sowie als Verleimhilfe bei Treppen. Der Verbinder ist selbstspannend und sofort belastbar. Für eine höhere Festigkeit besteht die Möglichkeit, die Verbindung zusätzlich zu verleimen.

www.knapp-verbinder.com

Lamello

Invis: Von aussen ebenfalls unsichtbar ist der Beschlag «Invis» von Lamello. Nach Zusammenfügen der Teile erfolgt hier die stabile Verbindung mit einer magnetischen Drehspule auf dem Akkuschrauber, womit sie bei Bedarf auch wieder gelöst werden kann. Der Beschlag wird bei Spezialanwendungen eingesetzt, erfreut sich aber gemäss Hersteller steigender Beliebtheit. Deshalb sind weitere Durchmesser geplant.

Clamex P: Der neueste Verbinder von La- mello ist ein Quantensprung. Die Fräsung im Werkstück passiert mit einem Hinterschnittfräser, so dass der Beschlag formschlüssig in die Nut eingefahren werden kann. Die bisher zur Fixierung des «Cla-mex» eingesetzten Schrauben links und rechts fallen weg. Damit kann der Verbinder weit aussen an der Kante gestochen werden. Das Material wird nicht durch die Schrauben gespalten. Bei den fertig ver- bundenen Elementen ist aussen lediglich ein 6 mm-Loch für die Fixierung sichtbar. Zum Einfräsen ist die neue Maschine «Zeta P2» notwendig. Das Plättchen besteht wie sein Vorgänger aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Auch der Riegel aus Stahl hat sich scheinbar bewährt. Die Hinterfräsung geschieht durch eine Pendelbewegung des Fräsenblattes am Nutgrund. Der Hub wird ausgeschaltet, wenn die mit einem normalen Fräsenblatt ausgestattete Maschine auch herkömmliche Holzlamellen verarbeiten soll.

Clamex P Medium: Das Produkt ist für Eckverbindungen genauso erhältlich wie für Mittelseiten. Letztere können ab 16 mm Dicke mit einem «Clamex P Medium» versehen werden. Die Frästiefe beträgt 10 mm. Gemäss Samuel Hänni von der Lamello AG wird das Produkt zurzeit für den Einsatz auch bei geringeren Materialstärken weiterentwickelt.

www.lamello.ch

Effegi Brevetti

Rostrino: Der neue Verbinder von der Firma Effegi Brevetti wird in der Schweiz von OPO Oeschger unter dem Namen Universalverbinder vertrieben. Bei herkömmlichen Exzenterbeschlägen verunmöglicht ein vorstehender Einschraubdübel, dass die Seitenteile gestapelt werden können. Das ist bei diesem Verbinder nicht der Fall. Dafür kann er nicht direkt in die Reihenlochbohrung geschraubt werden, sondern benötigt ein angefastes 15 mm-Sackloch für die flächenbündige Montage. In zusammengefügtem Zustand ist schliesslich nur noch das 6 mm-Loch sichtbar, das zur Befestigung mit dem Sechskantschlüssel dient.

www.opo.ch

MW

Veröffentlichung: 08. März 2012 / Ausgabe 10/2012

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