Zu viele wollen nicht mehr


Die Entscheidung, in der Branche zu bleiben, hängt stark von der Ausbildungsqualität und der Wertschätzung ab. Bild: VSSM


Die Entscheidung, in der Branche zu bleiben, hängt stark von der Ausbildungsqualität und der Wertschätzung ab. Bild: VSSM
VSSM Berufsbildung. Ein erheblicher Anteil der ausgebildeten Fachkräfte verlässt nach dem Lehrabschluss die Schweizer Schreinerbranche. Die bereits bestehende Lücke an Fachkräften wird dadurch zusätzlich verschärft – und dies, obwohl die Zahl der Lernenden stabil ist.
Der VSSM hat im Frühjahr 2026 zum zweiten Mal eine Umfrage bei den ausgelernten Schreiner/innen EFZ sowie Schreinerpraktiker/innen EBA durchgeführt. Im Zentrum der Umfrage stand die Frage, weshalb viele nach ihrer Ausbildung aus dem Berufsfeld ausscheiden – sei es durch einen Branchenwechsel, durch Weiterbildungen ausserhalb des Handwerks oder durch die Aufnahme anderer Tätigkeiten.
Neben der Ursachenanalyse verfolgt die Umfrage gemäss VSSM einen lösungsorientierten Ansatz: Sie soll konkrete Hinweise darauf liefern, wie Ausbildungsbetriebe, Schulen und Verbände die Ausbildung und das Berufsmarketing künftig gezielter gestalten können, um die Attraktivität des Schreinerberufs zu stärken und junge Fachkräfte langfristig im Berufsfeld zu halten. Im Fokus stehen dabei sowohl strukturelle als auch inhaltliche Massnahmen entlang der gesamten Bildungskette – von der Berufswahl über die Lehrzeit bis hin zu den ersten Berufsjahren nach dem Abschluss. 517 Lernende (437 EFZ und 80 EBA) aus der ganzen Schweiz haben die Umfrage abgeschlossen. Die Beteiligungsquote lag damit bei rund 46 Prozent, war aber gegenüber 2025 (52 Prozent) tiefer.
2026 blieb die Gesamtzufriedenheit mit der Lehre auf einem sehr hohen Niveau. 91,1 Prozent der Lernenden beurteilten ihre Ausbildung als positiv oder sehr positiv. 8,9 Prozent hingegen äusserten sich negativ, davon 1,4 Prozent als sehr negativ. Damit zeige sich im Vergleich zum Vorjahr weiterhin ein sehr stabiles Bild.
Die Zufriedenheit ist bei den überbetrieblichen Kursen (üK) am höchsten (94 Prozent), gefolgt von der Berufsfachschule (91 Prozent) und dem Lehrbetrieb (85 Prozent). Geschätzt werden bei den üK die Fachkompetenz der Kursleitenden, deren Unterstützung sowie die praxisnahe Vermittlung der Inhalte. Die Qualität der Betreuung im Lehrbetrieb ist der wichtigste Faktor für die Gesamtzufriedenheit. Dies hat sich speziell bei der Möglichkeit der offenen Rückmeldungen gezeigt. Positive Erfahrungen werden vor allem mit engagierten Berufsbildenden, einer guten Betreuung, einem respektvollen Umgang und einer vielseitigen praktischen Ausbildung begründet. Negative Rückmeldungen stehen demgegenüber meist im Zusammenhang mit mangelnder Begleitung, einem schwierigen Betriebsklima oder einer ungenügenden Ausbildungsqualität.
Die Befragten konnten Verbesserungsvorschläge machen. Diese betrafen vor allem mehr Wertschätzung, bessere Kommunikation, klarere Strukturen und höhere Löhne. Mit den Anzahl Ferientage waren die meisten hingegen zufrieden. Die Zeit zum Lernen wurde oft als knapp beschrieben. Das grösste Entwicklungspotenzial liegt laut VSSM daher weiterhin im betrieblichen Umfeld. Die Ergebnisse zeigten, dass die Qualität der Begleitung durch Berufsbildende und Unternehmer zwischen den Betrieben stärker variierten als zwischen den schulischen Lernorten.
Nur knapp die Hälfte (49,9 Prozent) gab klar an, nach der Ausbildung weiterhin als Schreinerin oder Schreiner arbeiten zu wollen. 20,9 Prozent sagten, nach dem Lehrabschluss nicht im Beruf bleiben zu wollen. Weitere 29,2 Prozent waren noch unentschlossen. Das sei gegenüber 2025 eine deutliche Veränderung. Rund sieben Prozent weniger Lernende wollten im Beruf bleiben. Zeitgleich stieg der Anteil der Unentschlossenen an. Die Hauptgründe für einen Wechsel sind Löhne, Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten sowie das Arbeitsklima. Die Entscheidung, in der Branche zu bleiben, hängt stark von der Ausbildungsqualität und der Wertschätzung ab.
Die Ergebnisse liefern dem VSSM, Berufsfachschulen und Lehrbetrieben eine fundierte Grundlage, um die Ausbildung gezielt weiterzuentwickeln. Der VSSM plant, verstärkt Massnahmen zu generieren, um die Ausbildungsqualität zu fördern und zu verbessern.
www.vssm.chVeröffentlichung: 08. Oktober 2026 / Ausgabe 41/2026
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