Zwei, die gerne mit Holz schaffen


Die Lernenden Timon Moser (l.) und Jérémie Keller (r.) sind bei der Meier Schreinerei AG in der Ausbildung. Bild: Michi Läuchli


Die Lernenden Timon Moser (l.) und Jérémie Keller (r.) sind bei der Meier Schreinerei AG in der Ausbildung. Bild: Michi Läuchli
Mit Massivholz arbeiten, Abwechslung erleben, Verantwortung übernehmen: Zwei Schreinerlernende aus dem Thurgau berichten, was sie an ihrer Ausbildung motiviert – und warum Fehler, Vielfalt und Praxis wichtig sind.
Um Schreiner zu werden, gibt es viele gute Gründe. Fragt man Berufstätige, lautet die Antwort oft: «Man sieht am Ende des Tages, was man wirklich gemacht hat» und «Die Arbeit mit Holz macht Spass». Bei Jérémie Keller ist es gleich: Mit Massivholz zu arbeiten, fasziniert ihn am Beruf. Mit 17 Jahren steht er mitten in der Lehre zum Schreiner. «Holz lebt, riecht und reagiert unterschiedlich. Im Gegensatz zum Plattenmaterial, das ich eher als Massenprodukt empfinde, bietet Massivholz viel Gestaltungsfreiheit», sagt Keller. Er lässt sich in der Meier Schreinerei AG in Weinfelden TG ausbilden und ist soeben mit der Herstellung von neuen Fensterläden aus Holz beschäftigt. Der Umgang mit dem natürlichen Werkstoff mit seiner Maserung, Farbe und seinen Details sei für ihn das eigentliche Handwerk.
Aufgewachsen und wohnhaft in Amlikon TG, verbringt Keller seine Freizeit am liebsten draussen oder in Bewegung: Klettern ist seine grösste Leidenschaft, dazu kommen Skifahren im Winter, Joggen mit den Brüdern und sein Engagement als Leiter bei der Jungschar seit mittlerweile zwei Jahren. Heute ist er im dritten Lehrjahr und blickt positiv auf seine Ausbildung. «Unser Betrieb ist vielseitig aufgestellt; wir dürfen hier vieles machen und lernen.» Von der CNC über Lackieren bis zu Montagearbeiten auf der Baustelle. Gerade das hebt seinen Lehrbetrieb von anderen ab, wie er aus Erzählungen von Berufsschulkollegen weiss. «Meine Klassenkameraden erzählen mir, dass sie immer etwa die gleiche Arbeit machen, hier hingegen ist das anders.»
Dabei war der Weg für den Handwerker in die Schreinerei kein unmittelbarer Entscheid, sondern das Resultat aus Ausprobieren und Abwägen. «In mehreren Schnupperlehren, unter anderem als Zimmermann und Geomatiker, bekam ich Einblick in unterschiedliche Berufe; daneben machte ich auch noch die Kantiprüfung.» Trotzdem entschied er sich bewusst für einen handwerklichen Weg. «Ich wollte nicht noch mehr im Schulzimmer sitzen, sondern etwas Praktisches lernen.» Eben mit den Händen arbeiten, Resultate sehen und am Abend wissen, was man gemacht hat.
Am Anfang der Lehre noch mehr auf dem Bau, verlagerte sich Kellers Arbeit mehr in die Werkstatt. Das hat auch mit Erfahrung zu tun: «Wer noch nicht selbstständig an Maschinen arbeiten kann, steht rasch mal daneben. Da ist das Mithelfen auf der Baustelle etwas einfacher.» Je nach Auftrag arbeitet er allein oder im Team, manchmal an der Werkbank, manchmal auf der Baustelle. Dabei war nicht alles ganz einfach. Besonders im ersten Lehrjahr auf dem Bau gab es Situationen, die er als unangenehm empfand: «Wenn ich beispielsweise mit externen Monteuren im Auto sass und diese rauchten, fand ich das schon ziemlich unangenehm.» Auch vor kleineren Unfällen war der Thurgauer nicht gefeit: «Beim Schleifen an der Kantenschleifmaschine rutschte ich ab und kam mit dem Finger ans laufende Band, zum Glück war es aber nichts Dramatisches.» Er sei ihm aber bewusst geworden, wie schnell etwas passieren kann bei Unaufmerksamkeit.
Über sich selbst hat er gelernt, dass viele Grenzen im Kopf entstehen. «Wenn man glaubt, etwas nicht zu können, liegt das oft nicht an mangelnden Fähigkeiten, sondern an fehlender Erfahrung. Wer es trotzdem versucht, lernt. Und wer Fehler nicht als Niederlage sieht, sondern als Teil des Prozesses, kommt weiter.»
Neben dem Arbeitsalltag sammelte er auch wertvolle Erfahrungen unter Wettbewerbsbedingungen, als er im vergangenen Jahr beim Powerschreiner Cup mitmachte. «Ich konnte mich mit etwas Glück qualifizieren, weil jemand anderes abgesprungen ist, leider kam ich im Wettkampf aber nicht weiter.» Dennoch war es für den angehenden Schreiner eine wertvolle Erfahrung, unter Zeitdruck und strengen Publikumsblicken zu arbeiten. Mit diesen gehe er auch entspannter in die Teilprüfung, die im April für ihn anstehe. Rückblickend würde er vieles ruhiger angehen als am Anfang. Fehler passieren, etwa vergessene Winkelkontrollen beim Verleimen. Aber genau daraus lernt man. «Entscheidend ist nicht, keine Fehler zu machen, sondern sie ernst zu nehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen.»
Für seinen aktuellen Auftrag – die Fensterläden aus Fichtenholz – nimmt Keller noch letzte Programmierungen für die Schwalbenschwanznuten an der CNC vor. In die Ausfräsungen werden später die Traversen aus Eschenholz reingeschoben, damit die Läden stabil sind und auch gerade bleiben. «Eschenholz, weil es robust und flexibel ist», weiss der Lernende. Zwei Läden hat er schon produziert, nun sind noch zwei weitere dazugekommen. Dafür hat Keller keinen Plan, sondern arbeitet mit den Originalen als Vorlage, von denen er Bauweise, Winkel und Masse abnehmen kann. «Der Auftrag ist spannend, da ich alles eigenständig planen und ausführen kann. Beispielsweise sind die Auswahl der geeigneten Fräser und die korrekte Montage der Beschläge in Bezug auf das Quellen und Schwinden der Quertraversen wichtig.»
Einen anderen Auftrag, den er erst kürzlich gemeinsam mit seinem Oberstift Timon Moser fertigstellte, bleibt beiden gut in Erinnerung: ein Tisch und eine Eckbank aus massiver Esche mit Braunkern. «Das Holz dafür stammte von einem Baum aus der Region, den der Kunde selbst hatte fällen und sägen lassen», sagt Moser. Er war auch derjenige, der mit dem Auftrag startete. «Die Holzbretter habe ich nach dem Trocknen sorgfältig angezeichnet, zugeschnitten und ausgehobelt. Schliesslich programmierte ich an der CNC die Bearbeitungen und führte sie noch aus. Weitermachen konnte er allerdings nicht. Da die Bretter länger trocknen mussten als gedacht, kam er in Konflikt mit einem anderen Auftrag, den er nicht nur selbst machte, sondern den ihn auch noch persönlich betraf: «Wir planten eine neue Küche für unser Zuhause, die ich nach der Produktion auch noch selbst montieren konnte», sagt der Thurgauer stolz. Am Tisch und der Eckbank arbeitete Keller schliesslich weiter. «Ich rundete, schliff, bürstete und ölte alles und half bei der Montage mit», sagt er. Am Ende sei der Tisch sogar noch etwas in der Höhe angepasst worden, weil er dem Kunden zu hoch war. Auf die Frage angesprochen, was bei einer solchen Teamarbeit wichtig sei, meinen beide einstimmig: «Klar miteinander zu kommunizieren und abzusprechen, was alles gemacht wurde und noch gemacht werden muss.»
Grundsätzlich arbeitet Timon Moser selbstständig. «Ich schaffe schon sehr gerne allein», sagt er, auch wenn Teamarbeit auf der Baustelle oft unvermeidlich ist. Wichtig sei, zu wissen, wie die anderen arbeiten. Meinungsverschiedenheiten gebe es selten, und wenn, lasse sich das klären. Im Betrieb arbeitet der 18-Jährige am liebsten an der CNC. Die ersten Schritte lernte er direkt im Betrieb von erfahrenen Kollegen. «Mir hat jemand gezeigt, wie man etwas Kleines programmiert, und das hat mir sehr gefallen.» Weniger begeistert ist er von repetitiven Arbeiten wie Korpusbau mit Spanplatten und Kantenleimen. «Wenn man das eine Woche lang macht, geht es noch. Aber nicht die ganze Zeit.» Massivholz, Furnieren und komplexere Arbeiten reizen ihn deutlich mehr.
Dass er Schreiner werden wollte, lag für Moser nahe, denn zu Hause in Hauptwil TG gab es schon früh eine kleine Werkstatt, in der er viel gebastelt hat. Auch in der Familie liegt das Handwerk: Der Grossvater arbeitete als Schreiner, ein Cousin ist bis heute im Beruf tätig. «Ich habe das immer gerne gemacht, und dann habe ich gemerkt, dass mir das richtig gut liegt.»
Der Weg zur Meier Schreinerei AG führte für den Lernenden im vierten Lehrjahr über mehrere Schnupperlehren. In der näheren Umgebung fand er keinen Betrieb, der passte oder eine Lehrstelle anbot. Also schaute er weiter, informierte sich über Websites und machte insgesamt fünf bis sechs Schnupperlehren. Am Ende blieben zwei Betriebe übrig. «Hier hat es mir schliesslich am besten zugesagt.» Rückblickend sagt er, dass er ohne fixe Erwartungen in die Lehre startete. «Ich habe mir vorher nicht so konkrete Vorstellungen gemacht.» Trotzdem fühlte sich der Einstieg richtig an. Er kannte den Betrieb bereits durch Schnuppern und Ferienarbeit, wusste, wie gearbeitet wird und was ihn erwartet.
Der Ausbildungsbetrieb von Keller und Moser bringt ihnen dabei viel Vertrauen entgegen, und so dürfen sie für die Teilprüfung oder eigene Projekte am Wochenende oder in den Ferien in den Betrieb kommen und arbeiten. «Das schätze ich sehr und finde ich praktisch», sagt Moser, der in seiner Freizeit zudem als Pfadileiter aktiv ist und viel Velo fährt.
Zu Beginn der Lehre war vor allem eines schwierig: die Angst, Fehler zu begehen. «Gerade am Anfang hatte ich Angst, etwas falsch zu machen.» Mit der Zeit relativierte sich das. «Fehler passieren, und sie sind selten so schlimm, wie man denkt.» Heute arbeitet Moser selbstständiger, kennt die Abläufe und weiss, wann er nachfragen muss. Ein Punkt, der ihn überrascht hat, war der geringere Anteil an Massivholz im Alltag. «Ich habe zuerst gedacht, dass man mit viel mehr Massivholz arbeitet», sagt er. Ein prägender Moment in der Lehre war ein Grossprojekt am Zürichsee, bei dem er beteiligt war: der Umbau einer Villa mit hochwertigem Innenausbau, moderner Architektur und Swimmingpool. Moser war damals im zweiten Lehrjahr und fast durchgehend auf der Baustelle im Einsatz. «Das war schon sehr speziell und eindrücklich, weil alles so modern und luxuriös war», sagt er. Teilweise übernachtete er mit dem Monteur im Hotel, um den engen Zeitplan einzuhalten. Gearbeitet wurde meist zu zweit, später zeitweise im grösseren Team.
Michi Läuchli
Veröffentlichung: 05. Februar 2026 / Ausgabe 6/2026
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